ZDF-Doku zeigt, wie Tragödien Robert F. Kennedy Jr. zum Feind der Wissenschaft werden ließen
Autor: Friederike Hilz
, Donnerstag, 30. April 2026
Der Name Kennedy war in den USA über Jahrzehnte untrennbar mit der demokratischen Partei verbunden. Doch Robert F. Kennedy Jr. bricht mit der progressiven Linie seiner Familie. Eine Dokumentation zeigt, wie er zum radikalen Impfgegner und zum Gesundheitsminister der USA wurde.
Er verbreitet Falschaussagen über Impfungen, AIDS, Krebs, Masern und COVID und propagiert antisemitische Verschwörungstheorien: Trotzdem ist Robert F. Kennedy Jr. (72) seit Anfang 2025 Gesundheitsminister der Trump-Regierung. Dabei stammt er aus einer der wohl bekanntesten Demokraten-Familien der USA. Wie konnte RFK Jr. zu einer zentralen Figur der MAGA-Bewegung, einem Impfgegner und Verschwörungstheoretiker werden?
Die Filmemacher Michael Kirk und Mike Wiser gehen dieser Frage in der zweiteiligen ZDF-Dokumentation "Robert F. Kennedy Jr." /(abrufbar in der Mediathek) nach. Dafür sprechen sie mit Kritikerinnen und Kritikern Kennedys, seinen Wegbegleitern und Anhängern sowie den Wissenschaftlerinnen und Wissenchaftlern, die der 72-Jährige zum Feindbild seiner "Make America Healthy Again"-Bewegung gemacht hat.
Robert F. Kennedy Jr. "hat schnell zu Drogen gegriffen"
Die Spurensuche beginnt in Kennedys Kindheit und Jugend. Der Sohn von Robert Francis Kennedy (†42) wächst privilegiert auf, wird jedoch früh mit Verlust konfrontiert: 1963 wird sein Onkel John F. Kennedy ermordet (†46), fünf Jahre später sein Vater. Das habe "den Drang zur Flucht geweckt", erzählt Gavin de Becker, ein Vertrauter von RFK Jr. - "er hat schnell zu Drogen gegriffen."
Mit 16 wird Kennedy wegen Drogenbesitzes verhaftet, doch auch dank seines Nachnamens schadet das seiner Zukunft nicht. Er geht weiter den Weg eines Kennedys: Auf einen Abschluss an der Elite-Uni Harvard folgen ein Jura-Studium und eine Anstellung bei der Staatsanwaltschaft. Die Hochzeit mit seiner ersten Ehefrau macht das Bild des rehabilitierten Kennedy-Sprösslings perfekt.
Währenddessen und auch danach begleitet die Drogensucht Kennedy allerdings weiter. Doch auch bei einem zweiten öffentlichen Absturz bleiben "die üblichen Konsequenzen", wie Journalistin Rebecca Traister sagt, aus. "All das muss einem ein gestörtes Gefühl von Allmacht geben", ist sie sich sicher. "Er ist süchtig nach Aufmerksamkeit" und "Er hat ein ungesund großes Selbstbewusstsein", erzählt die Journalistin, die RFK Jr. 2023 porträtierte.
Robert F. Kennedy Jr. nennt Wissenschaft "betrügerisch" und "fadenscheinig"
Im Jahr 2004 kommt Kennedy in Kontakt mit Impfgegnern, darunter die Krankenschwester Lyn Redwood. Sie ist Mutter eines autistischen Kindes und macht dafür das quecksilberhaltige Impfstoff-Konservierungsmittel Thiomersal verantwortlich. Ihre Argumente überzeugen RFK Jr., der ein Jahr später diese widerlegten Behauptungen in einem Artikel im Magazin "Rolling Stone" und auf der Website "Salon" wiederholt.
Doch Kritik aus der Wissenschaft an seinem Text lässt Kennedy nicht zu und nennt sie stattdessen "betrügerisch" und "fadenscheinig". Als "Salon" 2011 den Artikel schließlich zurückzieht, sieht er sich "mundtot" gemacht, glaubt der Journalist Fintan O'Toole. Traister beschreibt es so: "Wer jahrzehntelang relativ unangefochtenen Zugang zu Macht und Bewunderung genossen hat, erlebt die Konsequenzen eigener Fehler schnell als Unterdrückung."