"Wollen sie wieder zurück zu den Grünen?" Palmers Antwort bringt Maischberger aus dem Konzept
Autor: Marko Schlichting
, Mittwoch, 11. März 2026
Zwei Tage nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg wird schon darüber diskutiert, ob der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer in einem neuen Kabinett Minister werden könnte. Im ARD-Talk "Maischberger" äußert er sich vielsagend.
In Baden-Württemberg nennen sie Cem Özdemir "das Wunderle". Im restlichen Deutschland vergleichen ihn einige mit dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama. Özdemir hat es als erster Politiker mit türkischen Wurzeln geschafft, zum Ministerpräsidenten gewählt zu werden, wenn auch knapp. Er sei ja auch irgendwie kein Grüner, heißt es zur Begründung.
Wie sieht das Deutschlands bekanntester Kommunalpolitiker Boris Palmer? Der Ex-Grüne und Özdemir sind befreundet, Özdemir hat sich im Wahlkampf gar von dem Tübinger Oberbürgermeister trauen lassen. Palmer könnte als Parteiloser möglicherweise einen Ministerposten in Baden-Württemberg erreichen. Am Dienstagabend ist er zu Gast bei Sandra Maischberger in der ARD, wo er sich mit dem ehemaligen Fraktionsvorsitzenden der Linken, Dietmar Bartsch, über die Wahlen streiten soll.
Linken-Chef Jan van Aken hatte den CDU-Kandidaten Manuel Hagel noch am Wahlabend "Pfeife" genannt. Bartsch würde dieses Wort nicht gebrauchen, sagt er bei "Maischberger" im Ersten. "Aber in der Substanz hat er recht", so der Alt-Linke. "Er war kein guter Kandidat."
"Gesinnungsethische Selbstsicherheit": Palmer sieht keine Schmutzkampagne
Ein Video könnte dazu beigetragen haben, dass Manuel Hagel am Ende weniger Stimmen bekommen hat als Cem Özdemir. Darin ist ein altes Interview zu sehen, in dem er sich über Äußerlichkeiten eines 16-jährigen Mädchens auslässt. Das Video war von einer grünen Bundestagsabgeordneten geteilt worden.
Eine Schmutzkampagne sei das aber nicht gewesen, sagt Boris Palmer: "Ich kenne die Partei gut genug, weil ich 27 Jahre dort Mitglied war, um zu wissen: Bei den Grünen kommt das aus einer gewissen gesinnungsethischen Selbstsicherheit, aus der folgt, dass man die Verantwortung für das eigene Handeln gar nicht übernehmen muss", erklärt Palmer.
Der Kommunalpolitiker bestreitet zudem, dass Özdemir seine grüne Gesinnung versteckt habe. "Er hat gesagt, er sei ein baden-württembergischer Grüner", hebt er hervor. Und er erklärt: "Baden-Württemberg hat Leute wie Winfried Kretschmann, Rezzo Schlauch und Fritz Kuhn bei den Grünen hervorgebracht, und auch so komische Kerle wie mich, die von Anfang an gesagt haben: Uns ist wichtig, dass das Ergebnis stimmt, und nicht, was im Parteiprogramm steht."
Und dann geht es endlich auch um die Frage, ob Boris Palmer nicht vielleicht doch wieder einen Mitgliedsantrag bei den Grünen stellen wolle, oder nie wieder. "Warum soll ich Ihnen jetzt Nie-Wieder-Antworten geben?", grinst Palmer. Und zum jetzigen Grünen-Co-Chef Felix Banaszak: "Ich kenn' den nur aus dem Fernsehen. Wenn er mich mal kennenlernen möchte, um zu wissen, wie ich wirklich tick', dann lade ich den ein in die Stadt Tübingen." Dort hätten 53 Prozent der Menschen mit ihrer Zweitstimme die Grünen gewählt.