Druckartikel: "Wie weit gehen wir für diesen Film?" SWR-Team stößt bei Dreh über illegalen Goldabbau an seine Grenzen

"Wie weit gehen wir für diesen Film?" SWR-Team stößt bei Dreh über illegalen Goldabbau an seine Grenzen


Autor: Gianluca Reucher

, Montag, 26. Oktober 2026

Das "Y-Kollektiv" hat für die neue SWR-Reportage "Tödliches Gold" den illegalen Goldabbau in Ghana unter die Lupe genommen. Die Erfahrungen, die sie in dem afrikanischen Land machen, lassen sie voller Entsetzen zurück.


"Was machen wir hier? Wie weit gehen wir für diesen Film?" In der SWR-Reportage "Tödliches Gold" der "Y-Kollektiv"-Reihe stößt das Team aus Judith Hartmann und Jakob Sax an seine Grenzen. Die Journalisten sind nach Ghana gereist und tauchen in die Welt des Goldmarktes ein. Dabei entdecken sie unzählige illegale Minen und werden Zeugen von den abscheulichen Bedingungen, unter denen regelmäßig Arbeiter sterben.

Reporterin Judith Hartmann hat einst sogar für ein Jahr in Ghana gewohnt. "Zufälligerweise genau in der Gegend, in der heute der illegale Goldabbau boomt", sagt sie selbst und ist bei der Fahrt durch die Ortschaft noch in einer positiv-nostalgischen Stimmung. Diese hält allerdings nicht lange an.

"Hier kann jederzeit etwas passieren"

Ein alter Bekannter erzählt ihr, dass allein an diesem Morgen sieben Menschen gestorben seien, weil eine Mine eingestürzt sei. Ein weiterer werde noch vermisst. Ein schrecklicher Vorfall, der aber bei Weitem kein Einzelfall ist. Der Bekannte fährt mit dem "Y-Kollektiv"-Team zu einer illegalen Mine und warnt: "Seid vorsichtig. Die größeren Kameras könnt ihr nicht verwenden." Dorthin kommen sie nur, weil ihre Begleitung einen zuständigen Arbeiter kennt - "sonst könnten wir hier niemals einfach so rein", erklärt Judith Hartmann.

Die Reporter bereiten sich auf das Schlimmste vor. Sie haben einen Tracker, mit dem sie von ihren Kollegen aus Deutschland geortet werden können, wenn sie in einer Mine sind. Dort angekommen, ist das Team schockiert. Die Bedingungen sind extrem. "Wände aus Schlamm brechen plötzlich ein. Arbeiter ersticken im Matsch. Hier kann jederzeit etwas passieren", so Judith Hartmann.

Nach kurzer Zeit sehen sie die Gefahr hautnah. "Das war gerade echt ein krasser Moment, weil wir sind darunter gegangen und gerade als wir vorne standen, ist diese vordere Wand eingestürzt", schildert Judith Hartmann die Situation.

"Sie behandeln uns nicht wie Menschen, sondern wie Tiere"

Der Goldabbau funktioniert so: Der Schlamm wird durch mehrere Schläuche und Pumpen auf eine Art Rutsche befördert, wo kleine Teile rausgefiltert werden - bei einem Bruchteil davon handelt es sich um Gold. "Die Menschen, die in diesen Löchern Gold suchen, riskieren ihr Leben", erkennt Judith Hartmann. Und die Arbeiter sind teilweise enorm jung. Einer berichtet, dass sein Chef gerade erst 18 Jahre alt sei und mit 15 seine Tätigkeit in der Mine begonnen habe. Wie ein Arzt vor Ort erzählt, nehmen viele Drogen, um die Arbeiten durchzustehen.

Unter dem illegalen Goldabbau leidet auch die Umwelt. Für die Arbeiten wird viel Wasser benötigt. Der einzige Fluss in der Gegend ist komplett verschmutzt. Laut Experten muss Ghana schon in wenigen Jahren Trinkwasser importieren, wenn die Entwicklung weiter voranschreitet. Ebenfalls auffällig: die vielen chinesischen Firmen, welche die Minen betreiben. "Sie behandeln uns nicht wie Menschen, sondern wie Tiere", sagt ein weiterer Minenarbeiter dem "Y-Kollektiv"-Team. Unter Tränen spricht er über einen Freund, der bei der Arbeit in einer Mine gestorben sei.

Die Minen sind jedoch nicht die einzige Gefahr für die Arbeiter. Die ghanaischen Sicherheitskräfte gehen hart gegen die illegalen Tätigkeiten vor. "Manchmal kommen Soldaten mit Waffen und schießen. Du musst rennen. Wenn du nicht rennst, können sie dich töten", schildert eine Arbeiterin. Für sie gehört die Todesangst zum Job dazu. Sie sagt: "Zwei Jungs sind vor meinen Augen gestorben. Der Schlamm kann dich töten. Die Leiche legen wir vor die Mine und arbeiten weiter." Der Grund: wenige Arbeitsmöglichkeiten im Land und Geldnot.

Jakob Sax bewegen die Erfahrungen in Ghana sehr. Der Reporter sagt: "Was wir hier erleben, ist krass. Das, was uns die Arbeiter erzählen, nimmt uns echt mit. Ich fühle mich unwohl. Wie ist das erst, wenn man jeden Tag hier arbeiten muss?" Auch Judith Hartmann fasst die Erlebnisse noch mal zusammen: "Man hat gar keine Worte. Es ist so krass. Die Leute stehen da komplett voller Schlamm. Ich habe mir einfach so gedacht: Was machen wir hier? Wie weit gehen wir für diesen Film?"

Die komplette SWR-Reportage "Tödliches Gold" vom Y-Kollektiv ist in der ARD-Mediathek zu sehen.

Quelle: teleschau – der mediendienst