Druckartikel: "Wie gewollt und nicht gekonnt": "Bares für Rares"-Händler lästert über Design-Möbelstück - und kauft es trotzdem

"Wie gewollt und nicht gekonnt": "Bares für Rares"-Händler lästert über Design-Möbelstück - und kauft es trotzdem


Autor: Bettina Friemel

, Freitag, 15. Mai 2026

Selten polarisierte ein Möbelstück bei "Bares für Rares" so sehr wie dieses Objekt - dabei stammte es von berühmten Designern.


"Was ist denn das für ein Ding?", versuchte Horst Lichter mehr über ein Objekt zu erfahren, das am Freitag in der ZDF-Trödelshow vor ihm landete. "Das soll ein Hocker sein", meinte Susanne aus Gallin, die von ihrem Mann Thomas begleitet wurde. "Ah gut, da kann man sich draufsetzen", entdeckte Lichter doch noch einen Nutzen.

"Schon länger in der Familie, das Ding?", fragte Lichter weiter. "Das habe ich vererbt gekriegt", erzählte Susanne. "Dann kann es ja jetzt weitergehen ...", wurde Lichter immer noch nicht warm mit der Rarität. "Sagen wir mal so: Er ist höchst interessant", redete er sich das Design schön. "Er sieht schon wieder so verrückt aus, da muss irgendein Wahnsinns-Designer dahinterstecken."

"In diesem Fall ist es eine Gemeinschaftsarbeit von einem Architekturbüro, und zwar von Herzog und de Meuron", klärte Detlev Kümmel auf. "Das ist ein sehr bekanntes Architekturbüro, wenn ich dir sage, was die gebaut haben." Er zählte auf: "Die Allianz-Arena in München haben sie entworfen, die Tate Gallery of Modern Art in London haben sie umgebaut." Außerdem entstammte die Elbphilharmonie deren Kreativität. Dazu passte auch der Hocker irgendwie: "Die haben einen sehr markanten Stil."

Gefertigt wurde der Hocker 2005 von Vitra in der Schweiz. Anhand einiger Beschädigungen erkannte Kümmel das Birkenholz unter dem Lack. "Der ist aus Holz?", folgte für Horst Lichter die nächste Überraschung. "Ich dachte, er wäre aus Plastik." Leider war der Lack auf der Oberfläche sehr vergilbt: "Man sieht, dass hier was drauf gestanden hat." Kümmel hatte eine Präsentationsidee: "Ich würde den beleuchten, dann hat man da eine ganz andere Wirkung."

"Dann macht das Ding was her": "Waldi" hat genaue Pläne

Waren 350 Euro dafür ein realistischer Preis? Detlev Kümmel fand: "350 bis 450 Euro wegen dieses Zustandes, weil er eben nicht perfekt ist. Ich habe aber schon Ergebnisse gesehen, die bis an die 1.000 Euro ragen." Susanne freute sich jedenfalls über die Händlerkarte: "Uns von dem Objekt zu trennen, fällt uns nicht schwer, weil die Katze das in Beschlag nimmt, und dafür ist das zu schade."

Im Händlerraum startete Walter Lehnertz mit seinen gewohnten 80 Euro, doch kurz darauf war die Expertise erreicht. Julian Schmitz-Avila bot 400 Euro. "400 für ein Stück Holz?", schaute ihn Lehnertz an. Liza Kielon erhöhte: "Aber für ein Stück Design-Holz. Da kann man auch mal 420 sagen." Als die Gebote bei 520 Euro stagnierten, machte Lehnertz mit 550 Euro den Sack zu. Denn er hatte mit dem Hocker ein Upcycling vor. "Vitra meets Waldi", lachte Liza Kielon. "Ich würde den Silber mit Schwarz schattiert machen", überlegte Lehnertz.

"Da stelle ich eine Figur drauf, dann verkaufe ich die Figur anstatt den Knüppel da", hatte "Waldi" schon eine klare Vision. "Dann macht das Ding was her. So sieht das aus wie gewollt und nicht gekonnt."

"Bares für Rares": "Schöne Tänzerin" bleibt hinter den Erwartungen zurück

Auf mäßiges Kaufinteresse stieß hingegen die signierte Bronze-Statuette auf einem Marmorsockel von Franz Rosse aus dem Jahr 1888 mit einem Schätzwert von 1.000 bis 1.400 Euro. Mehr als 800 Euro wollte niemand ausgeben, und so ging die Figur an Fabian Kahl. Der freute sich immerhin über den Zuschlag: "Dann kommt die schöne Tänzerin zu mir."

Der Medaillon-Anhänger mit Emaille aus der Zeit um 1880 wurde auf 100 Euro geschätzt. Anaisio Guedes kaufte das Medaillon für 100 Euro, um es seiner Tochter zu schenken.

Der Schauteller von Burg Rheinstein von Villeroy & Boch aus dem Jahr 1897 hatte einen Wert von 150 bis 240 Euro. "Da bin ich jetzt hingezogen", kaufte sich Fabian Kahl das Bild seiner neuen Umgebung für 160 Euro.

Der Ring mit Brillanten und einem Saphir von Ende der 1960er-Jahre war 800 Euro wert. Mit gutem Verhandlungsgeschick lockte die Verkäuferin sogar 950 Euro aus Anaisio Guedes' Geldbeutel.

Quelle: teleschau – der mediendienst