All-inclusive Urlaub boomt - und das seit Jahrzehnten. Eine informative Dokumentation bei ARTE erzählt die Entwicklung des Urlaubsphänomens, das einst in spartanischen Zelten auf Mallorca begann.
Sommer, Sonne, Strand und kein nerviges Planen, kein "Was essen wir heute Abend?" Stattdessen ein Rundum-sorglos-Paket mit minutiös durchgeplantem Entertainment von früh bis spät - das verspricht der All-inclusive-Cluburlaub heute. Damit ziehen Anbieter wie der deutsche Club Robinson mit Anlagen in 14 Ländern jährlich tausende Urlauberinnen und Urlauber an. Doch was aktuell vor allem Leute aus der gehobenen Mittelschicht buchen, war früher "ein Gegenmuster des bürgerlichen Urlaubmachens", erklärt der Historiker Hasso Spode in "Alles inklusive - Die Geschichte des Cluburlaubs". Eben diese begann in den 1950er-Jahren in ausrangierten Zelten der US-Armee.
Der Belgier Gérard Blitz habe damals eine "klassenlose Gemeinschaft" schaffen wollen, erklärt die Dokumentation der beiden deutschen Filmemacher Krischan Dietmaier und Jörn Schnitger. Mitglieder und Mitarbeiter der ersten Stunde erinnern sich an die freiheitlichen Anfänge des Club Méditerranée. Untermalt werden die Erzählungen von Archivaufnahmen: eine Ansammlung spartanischer Zelte in einem Wald auf Mallorca, gemeinschaftliche Mahlzeiten und Sport. Hier sollte jeder und jede entspannen und Spaß haben können, so das Ziel.
Das Konzept kam an, und so wurden die Unterkünfte komfortabler und das Angebot breiter. Das Wirtschaftswunder der 60er-Jahre gab dem Club Med nach einer Beinahe-Insolvenz dabei ebenso einen Aufschwung wie die sexuelle Revolution der 70er-Jahre. In eben diesem Jahrzehnt entstand jedoch die bis heute größte Konkurrenz des französischen Unternehmens: der Club Robinson. Auch auf dessen Erfolgsgeschichte - von den teils schwierigen Anfängen auf Fuerteventura über einen Besuch von Willy Brandt und die Krisen der 90er-Jahre - blicken die Filmemacher zurück.
Heute wie damals: Animateure sind "das wahre Kapital"
Eben diese politisch und wirtschaftlich unsichere Zeit trieb die Veränderung des Cluburlaubs hin zum Luxusangebot weiter voran, machen die Filmemacher in ihrer Dokumentation deutlich. "Es ist nicht mehr dasselbe", beklagt indes der ehemalige Club-Med-CEO Serge Trigano. Aber nicht alles ist anders: Das Ziel von Entspannung und Spaß gilt heute wie damals, zeigt der Film. Und dafür sind, wie auch schon in den Anfangszeiten, die Animateure zuständig. Sie seien "das wahre Kapital" des Club Med, sagte Triganos Vater und ebenfalls ehemaliger Geschäftsführer Gilbert bereits 1982 in einem Interview.
Auch in deren Arbeit gibt "Alles inklusive - Die Geschichte des Cluburlaubs" einen historischen und aktuellen Einblick. So gelingt es der Dokumentation, in knapp 45 Minuten bündig die Geschichte eines Urlaubsphänomens zu erzählen, das es bis heute geschafft hat, sich der Zeit und den Wünschen der Urlauberinnen und Urlauber anzupassen.
Einen etwas anderen Cluburlaub kann man auf Ibiza machen. Dass die spanische Insel mehr als Party zu bieten hat und auf eine bewegte Geschichte zurückblickt, zeigt die Dokumentation "Mythos Ibiza" im Anschluss ab 20.55 Uhr.
Alles inklusive - Die Geschichte des Cluburlaubs - Do. 09.07. - ARTE: 20.15 Uhr