Wenn Gentechnik tötet: ARD-Bestselleradaption wirft große ethische Fragen auf
Autor: Maximilian Haase
, Donnerstag, 18. Juni 2026
Anschläge, Komplotte und ethische Grenzen in der Genforschung: Der spannende ARD-Thriller "Helix" (2025) widmet sich großen gesellschaftlichen Fragen. Dabei gerät Svenja Jung als beruflich und privat herausgeforderte BKA-Personenschützerin mitten in eine handfeste Verschwörung.
Wer sich für brennende gesellschaftliche Fragen und spannende Thriller gleichermaßen interessiert, kommt an Marc Elsberg kaum vorbei. Der österreichische Autor veröffentlichte in den letzten Jahren einen Bestseller nach dem anderen - und es ist angesichts ihrer hochaktuellen Relevanz kaum verwunderlich, dass seine Bücher auch verfilmt werden: Nach der Joyn-Serie "Blackout" (2021) über einen landesweiten Stromausfall und dem ARD-Film "Zero" (2021) über Big-Data-Überwachung lief mit "Helix" im Januar 2025 ein weiterer Thriller im Ersten, der auf einem gleichnamigen Roman Elsbergs basiert. Nun wird der Thriller wiederholt. Es geht um Gentechnik und die ethische Frage, wie weit Forschung gehen darf. Bei den Ermittlungen zu einem Mordanschlag gerät Svenja Jung in ihrer Hauptrolle einer Personenschützerin, die auch privat gebeutelt ist, immer tiefer in ein Netz von Verschwörungen.
Zuletzt noch Star in so unterschiedlichen Formaten wie "Der Palast" oder "Naked", spielt die wandelbare Svenja Jung hier wiederum eine ambivalente Figur - wenn auch auf ganz andere Weise und diesmal vor überaus trister Kulisse: In einem düster inszenierten Berlin ist BKA-Frau Helen Schilling (Jung) für den Schutz des streitbaren Wirtschafts- und Umweltministers Richard Bauer (Hannes Jaenicke) abgestellt, der die Landwirtschaft angeblich nachhaltig ökologisch reformieren will.
Während eines Statements vor der Presse, begleitet von wütenden Demonstranten, bekommt der Minister einen Anfall: "Jeder von uns muss Verantwortung übernehmen", sagt er noch, fällt um - und stirbt. Der Worst Case, nicht nur für Jaenicke-Fans, die einen vergleichsweise kurzen Auftritt des Schauspielers erleben. Schnell wird klar, dass es kein natürlicher Tod war, sondern Folge eines spezifisch auf seine DNA zugeschnittenen Anschlags. Und Mordmotive, so wird schnell klar, haben so einige.
Berufliches und Privates eng verknüpft
Während Schilling unter strengem Blick ihrer Vorgesetzten Hoettger (Helene Grass) ermittelt, lernt das Publikum einiges über den tatsächlichen Stand und das fiktive Potenzial der Genforschung. Ein individuell designtes Virus, das keine Spuren hinterlässt, extrem tödlich ist, aber für Außenstehende ungefährlich? Thriller-Stoff vom Feinsten, dessen Potenzial das Drehbuch von Jörg Tensing unter Regie des vielfach ausgezeichneten Elmar Fischer allerdings nicht ganz ausschöpft. Trotz überraschender Wendungen mangelt es an Charakteren, die außerhalb der üblichen Genreklischees agieren.
Da ist selbstredend der geheimnisvolle Hacker (Benny O. Arthur), der das Geschehen aus sicherer Entfernung überwacht und steuert. Da ist der notorische Verschwörungstheoretiker, der vom "Great Reset" und der "globalistischen Elite" fabuliert, und den Schilling am liebsten "wegen Verbreitung groben Unfugs" verhaften lassen will. Da ist der lächelnde Chef eines Genforschungsunternehmens, der angeblich nur nach einem Weg sucht, die Klimakatastrophe zu verhindern. Und da ist die junge Aktivistin, die dem Forscher vorwirft, "mit genmanipulierten Zombie-Pflanzen" zu experimentieren.
Dass es sich bei Letzterer - natürlich - um die Schwester der Ermittlerin handelt, fügt der Handlung eine persönliche Note hinzu, ohne die ein Thriller heute anscheinend nicht mehr auskommt. In "Helix" ist das professionelle und private Leben der Hauptfigur so eng wie selten verknüpft: Tagsüber nervt Schwester Paula (Marie Bloching) mit ihren Protestaktionen, die im Kontrast zu Schillings Gesetzestreue stehen, abends trinkt man gemeinsam Wein. Und dann wäre da noch eine weitere Gemeinsamkeit: Beide Schwestern leiden an einem vererbten Gendefekt, der dafür sorgt, dass Paulas Sohn nur ein kurzes Leben beschieden ist und Helen sich nicht traut, ein Kind zu bekommen.
Atemlose und langatmige Passagen
Hier erhält der zwischen atemlosen Actionparts und langatmigeren Passagen wechselnde Thriller eine nachdenklich stimmende Ebene, die sich um den Kinderwunsch der Ermittlerin und ihres Partners dreht: Ehemann Mann Cem (Ugur Kaya), der sonst mit Helen Kickboxen trainiert und sich über ihr Arbeitspensum beschwert, hat im Ausland eine Firma aufgetan, die mit der illegalen Keimbahntherapie Paaren (für Unmengen Geld) Abhilfe verspricht. Die Stoßrichtung ist eindeutig: Lauter Fotos hochbegabter Kinder schmücken die Wand von Dr. Wöllner (Samuel Finzi) - noch so ein zwielichtiger Typ mit Genforschungsunternehmen.