Was lernen Medizinstudenten über die Menopause? Fast gar nichts, zeigt eine ARD-Doku
Autor: Paula Oferath
, Freitag, 09. Oktober 2026
Die Wechseljahre betreffen Millionen Frauen. Doch wie viel lernen angehende Mediziner darüber? In der ARD-Doku "Die Wechseljahre: Zu heiß für Deutschland" berichten ein Gynäkologe und eine Professorin, warum das Thema im Medizinstudium noch immer viel zu kurz kommt.
Wechseljahre und Menopause seien ein Thema, das "sehr, sehr wenig besprochen wird", erklärt der Gynäkologe Mertcan Usluer in der ARD-Doku "Die Wechseljahre: Zu heiß für Deutschland?". Moderatorin Sabine Heinrich geht darin einer Frage nach, die Millionen Frauen betrifft: Wie gut ist Deutschland auf die Wechseljahre vorbereitet? Die Antworten zeigen, wie wenig Raum das Thema offenbar noch immer in der medizinischen Ausbildung einnimmt. Was zwei Mediziner aus ihrem Berufsalltag berichten, wirft Fragen zur Versorgung von Frauen auf.
"Im Medizinstudium lernt man jeden abstrusen Tropenkeim kennen. Bis ins Detail", erzählt Usluer in der Dokumentation. Die Menopause hingegen sei in seiner gynäkologischen Vorlesung nicht einmal ein Nebenfach gewesen, sondern lediglich ein "Nebensatz". Bei ihm sei die Vorlesung zum Thema sogar, "während Corona auch ausgefallen". Usluer macht sich deshalb auch in den sozialen Medien für mehr Aufmerksamkeit für die Menopause stark. Unter dem Namen "Gynäkollege" klärt er auf Instagram über medizinische Themen auf und erreicht dort Hunderttausende Menschen. Er kritisiert, dass sogenannte "Frauenthemen" in der deutschen Gesundheitsversorgung zu wenig Beachtung finden.
"Medizin war ganz lange eine Wissenschaft von Männern für Männer"
Auch Professorin Dr. Mandy Mangler, Chefärztin an zwei Berliner Kliniken, Podcasterin und Professorin, sieht deutlichen Nachholbedarf. In der Ausbildung ihrer Studierenden an der Evangelischen Hochschule Berlin nehmen die Wechseljahre nach ihren Angaben lediglich zwei bis drei Stunden Vorlesungszeit ein. Eine mögliche Erklärung dafür sieht sie im traditionellen Verständnis der Gynäkologie: Die "Funktion der Frau" gehe "hauptsächlich ums Gebären", erklärt die Ärztin.
"Medizin war ganz lange eine Wissenschaft von Männern für Männer. Wir hatten in der Gynäkologie noch nie eine Frau als Berufsverbandsitzende" so Mangler. Die Wechseljahre seien damit Teil einer grundsätzlichen Debatte darüber, wessen Bedürfnisse in der Medizin berücksichtigt werden und welche Themen in Forschung und Ausbildung ausreichend Platz bekommen. Für Mangler ist klar: Das Thema zu ignorieren, ist keine Lösung. Frauen müssten dabei unterstützt werden, ihr Potenzial voll zu entfalten, statt durch medizinische Nachteile ausgebremst zu werden. Schließlich könnten sich manche dieser Nachteile durch bessere Aufklärung, Forschung und Versorgung vermeiden oder zumindest verringern lassen.
"ARD Story: Die Wechseljahre - Zu heiß für Deutschland?" ist am Montag, 12. Oktober, um 22.50 Uhr im Ersten zu sehen und schon jetzt in der ARD-Mediathek.
Quelle: teleschau – der mediendienst