Druckartikel: "Was ist das für ein Vergleich?": SPD-Politiker legt sich bei Lanz mit Startup-Investor an

"Was ist das für ein Vergleich?": SPD-Politiker legt sich bei Lanz mit Startup-Investor an


Autor: Natascha Wittmann

, Freitag, 23. Oktober 2026

Bei "Markus Lanz" wurde die Debatte über Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit am Beispiel der Batteriezellen plötzlich hitzig. Als Startup-Investor Christian Miele die Kosten in Deutschland und China gegenüberstellte, verlor SPD-Politiker Olaf Lies die Geduld und redete sich um Kopf und Kragen.


Im Zuge eines harten Sparkurses hat Volkswagen einen Großteil der bestehenden Tarifverträge gekündigt. Der Konzern begründet den Schritt mit massivem Kostendruck, stärkerer Konkurrenz aus China und einer insgesamt angespannten Lage in der Autoindustrie. Für Markus Lanz war das am Donnerstagabend der Aufhänger, um in seiner ZDF-Sendung über die großen industrie- und standortpolitischen Baustellen Deutschlands zu diskutieren.

Gleich zu Beginn rückte Lanz die Größenordnung der angekündigten Einschnitte in den Fokus. Mit Blick auf VW fragte er: "Um wie viele Jobs geht es?" SPD-Politiker Olaf Lies nannte Zahlen, die im Raum stünden: 50.000, "von denen etwa 25.000 in Deutschland sind". Lanz bohrte nach: "Wie dramatisch ist die Lage wirklich?" Lies antwortete ohne Umschweife: "Die ist dramatisch."

China-Expertin Doris Fischer wollte die Diskussion allerdings nicht bei der Krisenbeschreibung belassen. Sie drängte auf einen Perspektivwechsel: "Was ist eigentlich die Vision?" Auch Unternehmer Christian Miele plädierte dafür, das Thema größer zu denken: "Europa - Deutschland insbesondere - muss ja ein Powerhouse für Innovationen werden. Wir müssen ja irgendwie wieder dahinkommen, dass wir Technologien und Firmen hier am Standort in Deutschland entwickeln, die wettbewerbsfähig sind."

Für ihn gehe es vor allem um die Rahmenbedingungen: "Wir müssen an der Wurzel schauen, wie können wir eigentlich an einem Standort wie Deutschland Innovationen fördern? (...) Da kann gute Industriepolitik Impulse setzen und stimulieren."

Markus Lanz will wissen: "Haben wir noch die Kraft, diese Reformen umzusetzen?"

Journalist Sebastian Matthes reagierte auf das Stichwort skeptisch. Der Begriff "Industriepolitik" sei in Deutschland problematisch besetzt: "Ich habe das Gefühl, dass dieser Begriff in Deutschland kontaminiert ist." Stattdessen müsse es um "eine innovationsorientierte Wirtschaftspolitik" gehen. Seine klare Ansage: "Wir müssen keine Unternehmen bauen. Das macht die Wirtschaft schon selbst." Er ergänzte: "Wobei die Politik helfen kann, ist, eine Infrastruktur zu bauen, auf der diese Zukunftsindustrie entsteht."

Miele ging derweil noch weiter und blickte auf die kommenden Jahre: "Ich glaube, dass der Erfolg unserer Bundesrepublik und auch der Erfolg Europas in der Welt stark davon abhängen wird, was wir jetzt in den nächsten 15 Jahren in den relevanten Feldern reißen." Das nutzte Lanz für die Grundsatzfrage: "Haben wir noch die Kraft, diese Reformen, so wie diese Bundesregierung jetzt gerade aufgestellt ist, noch umzusetzen?"

Matthes zeigte sich pessimistisch: "Ich glaube, dass Friedrich Merz gerade eine historische Chance vergibt. Wenn er über Zukunft spricht, dann klingt das immer wie ein Verlustprojekt." Dadurch entstehe "eine riesige Leerstelle". Gleichzeitig erinnerte der Journalist an die industrielle Stärke Deutschlands: "Über Jahre hat die deutsche Wirtschaft die Welt mit Hightech-Gütern versorgt. Sie hat der Welt gezeigt, wie man eine innovative Industrie aufbaut. (...) Das steckt also in der DNA und da wieder hinzukommen, das wäre aus meiner Sicht das zentrale Ziel."

Olaf Lies schloss sich der Kritik vorsichtig an: "Ich kritisiere ungern die Bundesregierung, weil wir politisch natürlich Teil davon sind." Dann räumte er aber ein: "Was wir nicht mehr haben, ist so eine Wachstumsorientierung."

Sebastian Matthes über China: "Sie bauen auch Autos, die einfach besser sind"

Richtig hitzig wurde es beim Thema Batteriezellen und Wettbewerbsfähigkeit. Investor Christian Miele wollte dabei von Olaf Lies wissen: "Wie können wir das denn hier am Standort Deutschland wettbewerbsfähig produzieren?" Der SPD-Politiker gab zunächst zu: "Gegen subventionierte Kosten in China kommen wir nicht (...) an." Dennoch müsse Deutschland "in der Lage sein, etwas dagegenzusetzen - nämlich ein eigenes Produkt. Weil sonst machen wir uns ja total abhängig". Lanz hakte skeptisch nach: "Aber was soll dieses Produkt kosten? (...) Wie wollen wir da wettbewerbsfähig werden?"

Lies antwortete ausweichend: "Die Zelle, die wir in Salzgitter bauen oder die Zelle, die wir sozusagen importieren, die ist auf einem nahezu ähnlichen Preisniveau." Christian Miele hielt energisch dagegen: "Wie geht das denn?!" Als Lies das nicht überzeugend erklären konnte, lenkte Miele auf den Kostenvergleich und stellte die "Lohnkosten einer Arbeitsstunde in Deutschland und einer Arbeitsstunde in China" gegenüber.

Der SPD-Politiker fuhr genervt dazwischen: "Jetzt mal ehrlich! Was ist das für ein Vergleich?" Er legte nach: "Ich habe ja ganz andere Kostenstrukturen in China! Ich kann das doch nicht vergleichen!" Lanz konterte direkt: "Ist ja Wurst, ob man es vergleichen kann. Aber genau mit denen stehen Sie doch im Wettbewerb!" Lies argumentierte dennoch dagegen und sagte: "Man muss nur aufpassen, was man vergleicht. Und ich vergleiche die Zelle, die ich hier in ein Auto baue und in Deutschland produziere mit der Zelle, die ich kaufe und hier in ein Auto baue. Das ist ein Unterschied."

Sebastian Matthes wirkte derweil wenig überzeugt. Der Journalist warnte, China sei nicht nur günstiger, sondern auch technisch stark: "Sie bauen auch Autos, die einfach besser sind. Die technologisch auf einem anderen Stand sind." Lanz widersprach: "Das würde ich nicht sagen! Aber den Preis, den kaufe ich." China-Expertin Doris Fischer mahnte zum Schluss, den Blick nicht zu sehr auf China zu verengen, denn: "Natürlich ist die Konkurrenz aus China ein Problem, aber die Lösung liegt nicht darin, dass wir (...) sozusagen die Schuld China geben und dass wir uns nur auf China fixieren."

Quelle: teleschau – der mediendienst