Bei "Markus Lanz" wurde die Debatte über Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit am Beispiel der Batteriezellen plötzlich hitzig. Als Startup-Investor Christian Miele die Kosten in Deutschland und China gegenüberstellte, verlor SPD-Politiker Olaf Lies die Geduld und redete sich um Kopf und Kragen.
Im Zuge eines harten Sparkurses hat Volkswagen einen Großteil der bestehenden Tarifverträge gekündigt. Der Konzern begründet den Schritt mit massivem Kostendruck, stärkerer Konkurrenz aus China und einer insgesamt angespannten Lage in der Autoindustrie. Für Markus Lanz war das am Donnerstagabend der Aufhänger, um in seiner ZDF-Sendung über die großen industrie- und standortpolitischen Baustellen Deutschlands zu diskutieren.
Gleich zu Beginn rückte Lanz die Größenordnung der angekündigten Einschnitte in den Fokus. Mit Blick auf VW fragte er: "Um wie viele Jobs geht es?" SPD-Politiker Olaf Lies nannte Zahlen, die im Raum stünden: 50.000, "von denen etwa 25.000 in Deutschland sind". Lanz bohrte nach: "Wie dramatisch ist die Lage wirklich?" Lies antwortete ohne Umschweife: "Die ist dramatisch."
China-Expertin Doris Fischer wollte die Diskussion allerdings nicht bei der Krisenbeschreibung belassen. Sie drängte auf einen Perspektivwechsel: "Was ist eigentlich die Vision?" Auch Unternehmer Christian Miele plädierte dafür, das Thema größer zu denken: "Europa - Deutschland insbesondere - muss ja ein Powerhouse für Innovationen werden. Wir müssen ja irgendwie wieder dahinkommen, dass wir Technologien und Firmen hier am Standort in Deutschland entwickeln, die wettbewerbsfähig sind."
Für ihn gehe es vor allem um die Rahmenbedingungen: "Wir müssen an der Wurzel schauen, wie können wir eigentlich an einem Standort wie Deutschland Innovationen fördern? (...) Da kann gute Industriepolitik Impulse setzen und stimulieren."
Markus Lanz will wissen: "Haben wir noch die Kraft, diese Reformen umzusetzen?"
Journalist Sebastian Matthes reagierte auf das Stichwort skeptisch. Der Begriff "Industriepolitik" sei in Deutschland problematisch besetzt: "Ich habe das Gefühl, dass dieser Begriff in Deutschland kontaminiert ist." Stattdessen müsse es um "eine innovationsorientierte Wirtschaftspolitik" gehen. Seine klare Ansage: "Wir müssen keine Unternehmen bauen. Das macht die Wirtschaft schon selbst." Er ergänzte: "Wobei die Politik helfen kann, ist, eine Infrastruktur zu bauen, auf der diese Zukunftsindustrie entsteht."
Miele ging derweil noch weiter und blickte auf die kommenden Jahre: "Ich glaube, dass der Erfolg unserer Bundesrepublik und auch der Erfolg Europas in der Welt stark davon abhängen wird, was wir jetzt in den nächsten 15 Jahren in den relevanten Feldern reißen." Das nutzte Lanz für die Grundsatzfrage: "Haben wir noch die Kraft, diese Reformen, so wie diese Bundesregierung jetzt gerade aufgestellt ist, noch umzusetzen?"
Matthes zeigte sich pessimistisch: "Ich glaube, dass Friedrich Merz gerade eine historische Chance vergibt. Wenn er über Zukunft spricht, dann klingt das immer wie ein Verlustprojekt." Dadurch entstehe "eine riesige Leerstelle". Gleichzeitig erinnerte der Journalist an die industrielle Stärke Deutschlands: "Über Jahre hat die deutsche Wirtschaft die Welt mit Hightech-Gütern versorgt. Sie hat der Welt gezeigt, wie man eine innovative Industrie aufbaut. (...) Das steckt also in der DNA und da wieder hinzukommen, das wäre aus meiner Sicht das zentrale Ziel."