Von der Kunstfreiheit gedeckt? ZDF lädt Musiker kurz vor Auftritt aus - und spaltet das Netz
Autor: Teleschau
, Freitag, 17. Juli 2026
Eigentlich sollten Danger Dan und Igor Levit mit ihrem Song "Keine Angst" in der ZDF-Sendung "Die Anstalt" eine Diskussion zum Thema Widerstand gegen Rechtsextremismus anstoßen. Doch das ZDF lädt die Künstler kurzfristig wegen eines vermeintlichen Gewaltaufrufs aus - und löst so einen handfesten Medienskandal aus.
Am Dienstag, 21. Juli, steht im ZDF ein Jubiläum an: Die Satire-Show "Die Anstalt" geht zum 100. Mal auf Sendung. Für die besondere Ausgabe hat sich die Redaktion viel vorgenommen. Nicht weniger als politische Radikalisierung und Wehrhaftigkeit sollen in der Sendung thematisiert werden. Auch der Musik-Act war in diesem Zusammenhang eingeladen worden: Danger Dan und Igor Levit sollten ihren Song "Keine Angst" vorstellen, der Widerstand gegen Rechtsextremismus thematisiere.
Die Künstler waren bereits für die Aufzeichnung angereist, da bekamen sie die Absage: Das ZDF lud sie wieder aus. Die Begründung: Der Text könne als Gewaltaufruf verstanden werden. Stattdessen wollen man "sich zeitnah dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied von Danger Dan befassen und an einer anderen Stelle im Programm aufarbeiten". Der Widerspruch, den der Sender in dem Text zu erkennen glaubt, lasse sich in der Zeit nach dem mehr als siebenminütigen Auftritt nicht auflösen. An der Entscheidung war auch die Geschäftsleitung beteiligt.
In dem Song werden auch Polizisten Sympathien für rechtsextreme Ansichten nachgesagt. Auch Zeilen wie "Lasst euch nicht erwischen, schaut nach Überwachungskameras. Nie ohne Handschuhe, nie 'nen Fingerabdruck hinterlassen" dürften den Verantwortlichen des ZDF ins Auge gestochen sein.
Korrekte Entscheidung oder Einknicken vor Rechten?
Die Redaktion von "Die Anstalt" stellt sich hinter die Musiker: Es wäre "öffentlich-rechtliche Pflicht" gewesen, den Auftritt wie geplant durchzuführen und im Anschluss eine Diskussion über die Inhalte anzustoßen. Danger Dan und Igor Levit zeigten sich in einem Statement empört; "Dieser Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit ist skandalös", schreiben sie auf Instagram und sprechen von einem "politischen Hintergrund" der Entscheidung. "Immer Ärger mit dem ZDF", resümieren der Rapper und der Pianist. "Diesmal haben sie uns ernsthaft rausgeschmissen."
Auch anderswo im Netz schlagen der Song, der am Freitag, 17. Juli, offiziell erschienen ist, und die ZDF-Ausladung hohe Wellen. Grünen-Politiker Jürgen Trittin gibt sich bei dem Kurznachrichtendienst X bestürzt. "Nicht von der Kunstfreiheit gedeckt: Antifaschismus im ZDF. Ein peinlicher Kotau vor der AfD." Viele User geben Trittin recht: "Ein Dieter Nuhr darf über Femizide witzeln, das ist dann Kunstfreiheit. Aber die Zwei dürfen ihren Song nicht singen?", brüskiert sich eine Userin. "Das ZDF knickt ein vor den rechtsradikalen Demokratiefeinden", lautet das harte Urteil eines Reddit-Users.
Danger Dans größter Hit handelte von Kunstfreiheit
Andere User können die Ausladung nachvollziehen. "Ich schätze Igor Levit sehr und sein Engagement gegen Faschismus und Antisemitismus. In diesem Fall kann ich allerdings die Reaktion des ZDF verstehen, der Song geht finde ich tatsächlich über Grenzen des zivilen Anstands hinaus", schreibt einer von ihnen auf X. "Ich finde es richtig, dass dieser Gewaltpropaganda von Igor Levit und Danger Dan keine Bühne geboten wird", lautet eine weitere Meldung zu dem Thema.
Der Vorfall ist nicht die erste Begegnung von Danger Dan mit den Grenzen der Kunstfreiheit. Tatsächlich beschäftigte sich sein bislang größter Hit mit genau diesem Thema: "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt", ein provokanter Song, der kontroverse Aussagen auf der Metaebene aufzählt, schaffte es 2021 auf Platz 25 der deutschen Singles-Charts.