Druckartikel: Ulrike Herrmann geht bei Lanz hart mit CDU ins Gericht: "Trägt Mitschuld an diesem Erfolg der AfD"

Ulrike Herrmann geht bei Lanz hart mit CDU ins Gericht: "Trägt Mitschuld an diesem Erfolg der AfD"


Autor: Natascha Wittmann

, Donnerstag, 03. Sept. 2026

Bei "Markus Lanz" wurde die Sachsen-Anhalt-Wahl auch zur Debatte über die Verantwortung der Union: Ulrike Herrmann rechnete dabei vor allem mit Friedrich Merz ab und sah Fehler in der CDU-Strategie als Mitursache für den AfD-Höhenflug.


Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Laut aktuellen Umfragen liegt die AfD mit 42 Prozent deutlich vor der bislang regierenden CDU, die nur auf 22 Prozent der Stimmen kommt. Bei "Markus Lanz" wurde deshalb am Mittwochabend nicht nur über die Stimmung im Land diskutiert, sondern auch über die Brandmauer - und über die Frage, welche Folgen die Ost-Wahlen für Bundeskanzler Friedrich Merz haben könnten. Journalistin Sabine Rennefanz beschrieb kurz vor dem Wahltermin die Lage im Land als zunehmend angespannt: "Je näher diese Wahl rückt, desto größer wird die Nervosität." Als Lanz nachhakte, ob das Gefühl berechtigt sei, zeigte sich Rennefanz hin- und hergerissen. Sie warnte davor, sich von der AfD treiben zu lassen: "Man tritt da so ein bisschen eigentlich in die Falle der AfD, die ja auch sagt: 'Das ist etwas ganz Großes'."

Lanz wandte sich daraufhin an Ulrike Herrmann und fragte: "Was ist das, was da für Sie am 6. September kommt?" Herrmann antwortete ohne Umschweife: "Aus meiner Sicht ist es tatsächlich eine Zäsur. (...) Die AfD ist rechtsradikal, sie ist voller Hass." Die Journalistin sprach konkret von einer "Angst, die die AfD in ganz Deutschland verbreitet", denn: "Jeder, der Migrationshintergrund hat, muss sich Sorgen machen." Diese Zuspitzung ließ Lanz aufhorchen: "Sie vertrauen da nicht dem Grundgesetz?" Herrmann verwies mit ernster Miene darauf, dass mit dem Aufschwung der AfD "rechtsradikale Gewaltdelikte" nachweislich zugenommen hätten. Ihr Appell: "Da kann man doch nicht wegsehen!"

Ulrike Herrmann glaubt, Kanzler Merz wird nach Landtagswahlen "Geschichte" sein

Auch Marc Felix Serrao fand deutliche Worte für die umstrittene Partei: "Die AfD ist eine radikale, aggressive Anti-System-Partei." Gleichzeitig schob er nach: "Das kommt, glaube ich, nicht von irgendwo her." Serrao behauptete, es gebe inzwischen "keinen AfD-Politiker, der nicht selbst schon Drohungen (...) oder Gewalt erlebt hat". Das habe Folgen, warnte er: "Dieser Umgang mit der Partei hat zu so einem ganz stark ausgeprägten (...) Lagerdenken geführt. Das ist Gift für die Demokratie." Mit Blick auf die Union kritisierte Serrao, sie habe über die Jahre nie die Hand in Richtung AfD "ausgestreckt". Damit war Lanz bei der Frage, was die Ost-Wahl für Kanzler Friedrich Merz bedeuten könnte.

Ulrike Herrmann legte sich fest: Merz werde nach den Landtagswahlen "Geschichte" sein. Mehr noch: "Das ist, glaube ich, schon in der Union beschlossen." Die Journalistin behauptete, nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern werde man sich "auf die Suche nach einem neuen Kanzler machen". Die Begründung lieferte Herrmann gleich mit: "Die CDU trägt Mitschuld an diesem Erfolg der AfD in der Hinsicht, dass sie (...) Friedrich Merz wirklich nie hätte zum Kanzler machen dürfen, weil vorher schon klar war, dass er nicht die nötige Erfahrung mitbringt." Ihr Frontalangriff gipfelte in der Diagnose einer Parteikrise: "Man muss als Volkspartei (...) erkennen, dass man im Kanzleramt Profis braucht. Und dass die Volkspartei CDU nicht in der Lage war, zu erkennen, dass man da jemanden braucht, der es auch tatsächlich kann, zeigt ja, dass auch die CDU tatsächlich schon schwer in einer Krise ist!"

Marc Felix Serrao: "Ich habe ein großes Vertrauen in diese Demokratie"

Beim Umgang mit der AfD gingen die Meinungen im Studio schließlich auseinander. Marc Felix Serrao erklärte, ein AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt wäre zwar "ein Schock", zugleich aber "ein heilsamer Schock für die Demokratie, wenn die jetzt tatsächlich mal in die Regierungsverantwortung kämen." Seine Schlussfolgerung: "Die Ausgrenzung ist gescheitert!"

Journalistin Mariam Lau reagierte irritiert: "Die Vorstellung, die Brandmauer muss man schleifen - dahinter steckt ja die Idee, dass die AfD im Grunde genommen eine etwas vulgärere, radikalere CDU ist." Ulrike Herrmann widersprach Serraos Hoffnung ebenfalls und sagte: "Diese Hoffnung, die Sie haben, (...) dass sie dann sozusagen am Amt scheitern, das wird höchstwahrscheinlich gar nicht passieren. Sondern stattdessen profitieren sie davon, (...) dass sie mal in der Regierung waren und jetzt auch zum System gehören."

Marc Felix Serrao hielt prompt dagegen und setzte auf die Stabilität des Systems. Laut Serrao werde Deutschland "eine AfD-Regierung überstehen", denn: "Ich habe ein großes Vertrauen in diese Demokratie, in ihre Institutionen und auch in die Klugheit der Wähler." Außerdem warnte der Journalist vor einem dauerhaften Ausschluss einer Partei mit solcher Stärke: "Wir haben in einer Demokratie jetzt mittlerweile eine Partei, die in einzelnen Bundesländern an die absolute Mehrheit rankommt. Also wie soll das funktionieren, wenn man sagt: Die sind nicht im Spiel!"

Quelle: teleschau – der mediendienst