"Udo"-Doku blickt in Lindenbergs Abgründe: "Kein Mensch, der über vier Promille hat, ist glücklich"
Autor: Teleschau
, Freitag, 08. Mai 2026
Udo Lindenberg ist der Panik-Rocker. Seit über 55 Jahren im Musikgeschäft. "Ich bereue keine Sekunde", sagt er. Aber er erinnert sich auch nicht an alle. Eine Zeitlang drohte "die wilde Zeit" lebensbedrohlich zu werden. Auch das zeigt eine neue Geburtstags-Doku der ARD.
"Ein Mann lag in seinem Zimmer, im Hotel Imperial, mit den Nerven wurd' es schlimmer, jede Nacht 'ne neue Qual. Dieses Leben ist so arm, ferngesteuerte Quälerei. Öffne die Flasche Nummer drei."
So singt Udo Lindenberg in "Unterm Säufermond". Er schrieb das Lied 1991 für die LP "Gustav", seinem Vater gewidmet. Der war Trinker gewesen, aber der Text des Liedes trug auch autobiografische Züge. Von Mitte der 80er- bis Mitte der 90er-Jahre war der Rausch ein ständiger Wegbegleiter Lindenbergs.
In der zu seinem 80. Geburtstag erscheinenden ARD-Dokumentation "UDO Rebell. Rockstar. Ikone." (Montag, 18. Mai, 20.15 Uhr, ARD und ab sofort in der ARD-Mediathek) sagt sein langjähriger Weggefährte und Panikorchester-Bassist Karl-Georg "Steffi" Stephan, warum er damals seinen Freund verließ: Er habe nicht mit ansehen wollen, "wie der beste Freund sich tot trinkt".
Die gute Nachricht, natürlich: Udo lebt. Aber, das sagt er in der Doku von Cornelia Quast selbst, es war öfter mal knapp. "Gut, dass man das alles überlebt hat." Udo lebte den Rock'n'Roll-Lifestyle. "Alkohol war immer dabei", sagt Udo. "Es war ne wilde Zeit", sagt Stephan. Aber es gab einen Unterschied. Steffi Stephan: "Ich hatte kein Suchtpotenzial. Ich konnte das einfach weglegen. Das ist bei Udo nicht so gegangen. Leider."
Freunde in Sorge: Udo Lindenberg hätte sich beinahe "tot getrunken"
Schon der Tod seiner geliebten Mutter Hermine 1979 hatte Lindenberg aus dem Gleichgewicht geworfen, Ende der 80er lief alles aus dem Ruder. In der Doku berichtet Lindenberg-Freund Benjamin von Stuckrad-Barre, dass die Plattenfirma extra einen "Typen einstellte, der aufpassen sollte, dass Udo nicht so viel säuft". Lindenberg stimmte zu, wollte aber den Menschen selbst auswählen, weil er ihm ja vertrauen müsse. Das Ergebnis: "Udo wählte einen Alkoholiker als Aufpasser und ist mit ihm saufen gegangen."
Viel zu viel Alkohol, viel zu viel Party. Darunter litt auch die musikalische Qualität. Obwohl Lindenberg unbeirrt kreativ fast jährlich ein Album veröffentlichte, brach der Erfolg ein. "Götterhämmerung" war 1984 noch Nummer drei, danach schaffte es lange Zeit kaum ein Album in die Top 20.
Die Journalistin Nora Gantenbrink berichtet in der Doku, dass sie Udo einst fragte, wie das in seiner schlimmen Zeit gewesen sei. "Warst du glücklich?" Udo habe geantwortet: "Kein Mensch, der über vier Promille hat und zwei Flaschen Whisky trinkt am Tag, ist glücklich."