Druckartikel: TV-Tipp: Bei diesem packenden Agententhriller stand eine Hollywood-Legende vor und hinter der Kamera

TV-Tipp: Bei diesem packenden Agententhriller stand eine Hollywood-Legende vor und hinter der Kamera


Autor: Teleschau  

, Montag, 03. August 2026

Robert De Niro führte Regie und spielt selbst mit: "Der gute Hirte" erzählt mit Starbesetzung von den düsteren Anfängen der CIA.


Mit einem riesigen Staraufgebot (Matt Damon, Angelina Jolie, John Turturro, William Hurt, Alec Baldwin und in einer Nebenrolle Martina Gedeck), exzellenten Bildern und einer frei erfundenen Story mit glänzend recherchierten Hintergründen und Handlungsrahmen gelang Robert De Niro mit seiner zweiten Regie-Arbeit nach "In den Straßen der Bronx" (1993) trotz der allzu routinierten Inszenierung ein packendes Kinodrama. "Der gute Hirte" (2006) erzählt von der Gründung der CIA. Der Film, den ZDFneo am Dienstag, 4. August um 22.45 Uhr zeigt, weist zwar einige Längen auf, zieht seine Faszination aber aus der persönlichen Ebene, die De Niro wichtiger ist als der Spionage-Plot, mit dem die Rahmenhandlung vorangetrieben wird.

Große Geschichten lassen sich gut anhand des Lebens, der Hingabe, der Zweifel eines kleinen Mannes erzählen. Obwohl Edward Wilson (Matt Damon) gar kein so kleiner Mann war. Er arbeitete bereits für den CIA-Vorläufer OSS, der gegründet wurde, um für die USA im Zweiten Weltkrieg Informationen zu sammeln. Als Spezialist für Gegenspionage und verdeckte Operationen war Wilson von Beginn an einer der wichtigen strategischen Köpfe des Geheimdienstes. Loyal, pflichtbewusst, misstrauisch - Eigenschaften, die ihm später das politische Überleben sichern sollte.

Alles beginnt in den 30er-Jahren, als Wilson an der Universität dem Geheimbund "Skull and Bones" beitritt. In diesem Zirkel ist die politische und wirtschaftliche Ostküsten-Elite versammelt. Hier wird der Literaturstudent Wilson entdeckt und angeworben - der Patriotismus unterdrückt seine lyrische Ader, das Pflichtbewusstsein seine einzige echte Liebe zu Laura (Tammy Blanchard). Eine Hochzeit gibt es trotzdem: Clover (Angelina Jolie), die Schwester eines "Skull and Bones"-Kameraden, ist nach einer kurzen Affäre schwanger. Und ein Edward Wilson steht zu seiner Verantwortung.

Doch schon bei der Geburt des Kindes ist er im Einsatz, und er wird es für immer sein. Der steile Aufstieg auf der Karriereleiter fordert seinen Tribut. Der Idealismus, der feste Glauben an amerikanische Werte, ertrinkt in Misstrauen und der ständigen Angst vor Verrat. Ein normales Familienleben ist unmöglich, Laura und der gemeinsame Sohn sind weiter von Edward Wilson entfernt als die Spione im tiefsten Russland.

Erfolgreich entmenschlicht

Robert De Niro, der selbst einige kurze Auftritte als CIA-Gründer hat, wechselt recht häufig zwischen den teilweise episodisch angelegten Handlungsebenen und -zeiten. Das führt zwar zu einer Vielzahl von teilweise recht interessanten Anekdoten, mit denen die Entwicklung Wilsons nachgezeichnet wird, lässt aber kaum Spannung aufkommen. Im Grunde ist "Der gute Hirte" ein dramatisches Biopic - ein Film, der zeigt, dass die geheimen Hebel der Macht die Menschen, die sie bedienen müssen, zu einsamen Kreaturen und technokratischen Monstern macht. Freunde gibt es in dieser Welt nicht. Vertrauen ist eine Utopie. Liebe ein Luxus, der oft genug mit dem Leben bezahlt werden muss.

Wilson mutiert vom idealistischen und lebenshungrigen Studenten zu einem gefühlskalten, humorlosen Funktionär inmitten einer hochkarätig besetzten Armee von Agenten, Gegenagenten, Entscheidungsträgern, Gönnern und Verrätern. Gefühle gibt es hier nicht, nur Täuschungen und Enttäuschungen. Das Ende, in dem Edward Wilson sachlich und eiskalt das Wohl seines Landes über das Wohl seines Sohnes stellt und damit quasi zum Mörder wird, ist da nur konsequent. Edward Wilson wurde erfolgreich entmenschlicht und in das System integriert. Der Agent funktioniert als Rädchen, das den Betrieb des Apparates sichert. Dass ihm gelungen ist, genau das zu zeigen, ist die größte Stärke des Films.

Quelle: teleschau – der mediendienst