"Druckerhöhung an falscher Stelle": Außenminister Wadephul kritisiert Starlink-Drosselung und Trumps Diesel-Deal
Autor: Doris Neubauer
, Freitag, 16. Oktober 2026
Während sich die Koalitionspartner bei "Maybrit Illner" einig zeigten, sorgte der Ukraine-Kurs des BSW für heftige Debatten. Zwischen Rufen nach Diplomatie und Zweckoptimismus machten Experten klar: Der Ukraine droht der härteste Winter seit 2022 - und die Zeit laufe davon.
Kurz vor den Midterm-Wahlen in den USA schloss US-Präsident Donald Trump einen Deal mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zum Import von mehreren Millionen Tonnen Diesel ab. Parallel dazu wurde für die Ukraine offenbar der Zugang zu Teilen des Satellitensystems Starlink gedrosselt. Während Ersteres als Wahlkampfmaßnahme nicht überbewertet werden sollte, werfe das zweite Ereignis "Fragen an die amerikanischen Verbündeten" auf, erklärte Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) am Donnerstagabend in der ZDF-Talkshow "Maybrit Illner".
"Ein Teil der Starlink-Technik finanziert Deutschland. Und deswegen bestehen wir natürlich darauf, dass das auch funktioniert, wenn wir dafür bezahlen", formulierte Wadephul seine Kundenbeschwerde mit Blick auf die Kostenübernahme für die Ukraine. Das Vorgehen der US-Regierung bezeichnete der CDU-Politiker als eine "Druckerhöhung an falscher Stelle". Zudem versicherte er: "Europa handelt anders, Europa verhängt mehr Sanktionen gegen Russland. Das ist unsere Politik - und die ist erfolgversprechender." Er zeigte sich hoffnungsvoll, Moskau an den Verhandlungstisch zu zwingen.
Mit der Unterstützung für Kiew stehe Europa keineswegs alleine da. "Wir sind sehr viel mehr", betonte er und verwies auf Kanada, Japan und Australien. Für Wadephul stand fest, dass die europäischen Staaten bei künftigen diplomatischen Gesprächen eine zentrale Rolle spielen müssen: "Ohne uns wird es nicht funktionieren." Er räumte jedoch ein: "Das hat noch nicht jeder in den USA verstanden, aber so langsam wächst die Erkenntnis." Ungeachtet dessen bleibe klar, dass die USA das "Rückgrat der Verteidigung in Europa" bilden würden, auch wenn sich die Beziehung unter der Trump-Administration zu einem "Zweckbündnis" entwickelt habe. "Ich hoffe aber, dass wir wieder zu einer Innigkeit und zu einem freundschaftlichen Miteinander zurückkehren können", zeigte er sich versöhnlich.
"Ich hätte erwartet, dass Sie heute kritischer sind", entgegnete Gastgeberin Illner sichtlich enttäuscht. Wadephul konterte: "Ein Außenminister, der nicht für Diplomatie plädiert, verfehlt seine Aufgabe." Dass der CDU-Politiker seine Rolle hervorragend ausfülle, bescheinigte ihm später in der Sendung ausgerechnet SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner. Die demonstrative Einigkeit der beiden Berliner Koalitionspartner, die ohne gegenseitige Schuldzuweisungen auskamen, konnte die Moderatorin nicht unkommentiert lassen. "Das geht", entgegnete Wadephul lachend.
"Es ist eine Illusion zu glauben, man müsse nur auf einen Knopf drücken, und schon sind die lästigen Probleme vorbei."
Während die Studio-Gäste - zu denen Autorin Mareike Müller und Sicherheitsexperte Peter R. Neumann gehörten - harmonisch miteinander umgingen, sorgte die aus Magdeburg zugeschaltete BSW-Politikerin Claudia Wittig letztlich für Aufregung. Im Landtag von Sachsen-Anhalt hatte ihre Partei gemeinsam mit der AfD gefordert, die deutsche Unterstützung durch Waffenlieferungen und Finanzhilfen zu beenden und die Strafmaßnahmen gegen Russland aufzuheben. "Es ist eine Illusion zu glauben, man müsse nur auf einen Knopf drücken, und schon sind die lästigen Probleme vorbei", hatte Neumann zuvor populistische Parteien für solche Kampagnen kritisiert.
"Das ist nicht unsere Vorstellung", widersprach Wittig. Vielmehr ziele der Antrag darauf ab, Putin "ernsthaft ein Gesprächsangebot zu machen und am Verhandlungstisch eine vermittelnde Position einzunehmen". Das sei jedoch unmöglich, wenn Deutschland als Kriegspartei wahrgenommen werde. Solange das Ziel eines NATO-Beitritts der Ukraine im Koalitionsvertrag stehe und Waffen geliefert würden, sei eine Vermittlerrolle ausgeschlossen. Zudem argumentierte sie, dass Milliarden an Steuergeldern für die Aufrechterhaltung der Kämpfe ausgegeben würden, während man in Bundesländern wie Sachsen-Anhalt die eigene Wirtschaft durch die Embargos ruiniere - und das Sterben dennoch weitergehe.
"Sie fordern etwas Ähnliches", wandte sich Illner daraufhin an Ralf Stegner. "Um Himmels willen, nein!", wies der SPD-Politiker den Vergleich entschieden zurück und griff die Fraktionsvize des BSW in Sachsen-Anhalt an: "Sie nehmen die Position von Putin ein und lassen die Ukraine hängen. Sie gehören einer linken Partei an und helfen den Faschisten." Er warf ihr vor, mit diesem Kurs der AfD und damit "Leuten, die wegen Landesverrats angeklagt sind", in die Karten zu spielen. "Das ist ein großes Unglück für Deutschland!", zeigte er sich fassungslos und appellierte an die demokratischen Kräfte: "Ich plädiere nicht dafür, unsere Politik zu ändern, sondern darauf hinzuweisen, dass wir Frieden und Diplomatie wollen." Zudem müsse Europa eigene Vorschläge erarbeiten, um die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten zu beenden.