Journalist mit Knallhart-Analyse nach Sachsen-Anhalt-Wahl: "Merz muss das Blatt werden, oder er wird gehen"
Autor: Teleschau
, Freitag, 11. Sept. 2026
Nach dem AfD-Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt diskutieren die Gäste bei Maybrit Illner über die Konsequenzen für die Politik. Dabei geht es um den Kurs von Friedrich Merz, die "gesellschaftliche Brandmauer" zur AfD, die politische Gesprächskultur - und ein mögliches AfD-Verbot.
Nach dem Erdrutschsieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sitzt bei vielen im Land der Schock tief. Auch beim Bundeskanzler, der sich unmittelbar nach der Wahl tief betroffen gezeigt hat, dann aber schnell in den Angriffsmodus gewechselt ist. Gleichzeitig übernahm Friedrich Merz Mitverantwortung für das gute Abschneiden der AfD und versprach, seinen Regierungs- und vor allem Kommunikationsstil ändern zu wollen.
Sprach da ein angezählter Kanzler? Schließlich kommen auch aus den eigenen Reihen bereits Rücktrittsforderungen. "Jetzt steht zwischen Friedrich Merz und dem Scheitern nichts mehr", urteilte am Donnerstagabend der Journalist Robin Alexander im ZDF-Talk von Maybrit Illner. "Er muss das Blatt werden, oder er wird gehen." Es war der dramatisch inszenierte Auftakt zu einer Sendung, die sich unter dem Titel "Die Denkzettelwahl - was muss sich ändern?" weitgehend konstruktiv mit den Lehren beschäftigte, die aus dem AfD-Sieg zu ziehen sind.
Bei der Wahl am Sonntag wurde die AfD von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund mit einem Ergebnis von 43,8 Prozent die mit Abstand stärkste Kraft. Auf dem zweiten Platz landete die CDU mit 17,2 Prozent, gefolgt von SPD (9,3 Prozent), Grünen (8,9 Prozent), Die Linke (8,6 Prozent) und BSW (5,3 Prozent).
Nach diesem Ergebnis dürfte es auf keinen Fall ein "Weiter-so" geben, forderte Cem Özdemir, grüner Ministerpräsident von Baden-Württemberg. "Grundlegend ändern" müssten sich jetzt die Inhalte der Politik sowie die Art und Weise, wie Politik gemacht werde. Konkret: Weniger Dauerstreit, das Thema Migration müsse angegangen werden, Deutschland müsse auch bei der Integration "besser werden". Themen wie Rente, Krankenversicherung oder Versorgung auf dem Land müssten ebenfalls adressiert werden. All das sei keine "Raketenwissenschaft", sagte Özdemir, und nahm Merz ein Stück weit in Schutz: "Die CDU kann das", so der grüne Ex-Landwirtschaftsminister.
Özdemir: Deutschland braucht "positives Bild von dem, wo man hinmöchte"
Özdemir forderte von der Berliner Politik zudem, ein "positives Bild von dem, wo man hinmöchte", zu entwerfen. Stattdessen höre man derzeit aber viel zu oft, was man nicht wolle und was nicht gehe und arbeite sich "komplett an der Agenda ab, die die AfD vorgibt". Beispielsweise, so Özdemir, müsse man erklären, was Sachsen-Anhalt Europa verdanke - und somit der AfD, die einen Austritt aus der EU fordert, den Wind aus den Segeln nehmen. "Wir wollen vieles besser machen, aber wir sind nicht das schlechteste Land der Welt", so der Grüne.
Auch Armin Laschet, CDU-Bundestagsabgeordneter und einst Kanzlerkandidat seiner Partei, forderte eine positive Erzählung von Politik. "Welche Idee haben wir von diesem Land?" - diese Frage müsse Politik wieder beantworten. Journalistin Sabine Rennefanz verwies darauf, dass es die AfD geschafft habe, in ihrem Wahlprogramm für Sachsen-Anhalt einerseits ein durch und durch negatives Bild der Lage in Deutschland zu zeichnen und gleichzeitig eine "positive Zukunftsvision" zu entwerfen.
Auf einen anderen Punkt verwies Frauke Rostalski, Rechtswissenschaftlerin und Mitglied des Deutschen Ethikrats. Sie machte eine "gesellschaftliche Brandmauer" zwischen AfD-Anhängern und Gegnern der Partei aus: Bei Letzteren habe sich das Gefühl breitgemacht, man müsse Ersteren gar nicht mehr zuhören. Doch es brauche vielmehr Diskurse, auch zwischen Anhängern und Gegnern der AfD. Um Sachargumente "mal wieder freizulegen, müssen wir überhaupt einander wieder anerkennen als gleichberechtigte Gesprächspartner", forderte Rostalski.