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"Wir sind noch nicht am Ende!": Appell von Ex-VW-Chef gibt Lanz Hoffnung


Autor: Natascha Wittmann

, Freitag, 27. März 2026

Bei "Markus Lanz" warnte Ex-VW-Chef Herbert Diess vor dem Zerfall des Standorts Deutschland und forderte mehr Tempo bei Zukunftstechnologien. In der Debatte über Energiekrise, Wettbewerbsfähigkeit und die Lage der Autoindustrie machte er klar, dass es ohne mutige Entscheidungen nicht gehen werde.


Der Krieg im Nahen Osten ist längst auch in Deutschland spürbar: Spritpreise ziehen an, Energiekosten steigen - und die ohnehin schwächelnde Konjunktur bekommt zusätzlichen Druck zu spüren. Bei "Markus Lanz" wurde das am Donnerstagabend zum Ausgangspunkt für eine Debatte über den Industrie- und Technologiestandort Deutschland.

Zum Start stellte Lanz die zentrale Frage: "Welche Wirtschaftspolitik braucht Deutschland jetzt?" Ex-VW-Chef Herbert Diess überraschte mit einem außenpolitischen Plädoyer: Er sprach sich für den amerikanischen Militäreinsatz im Iran aus. Lanz reagierte irritiert. Diess begründete seine Haltung: "Den Ansatz, dieses Regime zu wechseln, halte ich für außerordentlich wichtig für die Welt." Er ergänzte: "Ich glaube, wir waren auch noch nie so nah dran an einem Regime-Wechsel. (...) Das Regime ist so schwach wie nie (...) und wenn ein Wechsel gelänge, wäre die Welt eine andere." Für Diess wäre das sogar ein "Wachstumsgenerator für die ganze Welt".

Energieökonomin Claudia Kemfert setzte dagegen und blickte vor allem auf die Folgen für den Energiemarkt. Ihre Warnung fiel deutlich aus: "Aus energiewirtschaftlicher Sicht ist das wirklich eine Katastrophe, was da im Moment stattfindet." Mit ernster Miene schob sie nach: "Wir sind in einer fundamentalen fossilen Energiekrise. Und diese (...) hat dramatische Auswirkungen!" Lanz reagierte mit Humor, aber auch hörbarer Überforderung: "Nicht alles (...) jetzt auf einen Schlag, weil sonst brauche ich gleich einen Schnaps. Den wollte ich eigentlich erst nach der Sendung nehmen!"

Ökonom warnt: Deutschland ist "Entwicklungsland relativ zu China"

Ökonom Moritz Schularick nahm die Spitze auf und bemühte sich um Beruhigung. Die Corona-"Horrorszenarien" seien aktuell "noch weit entfernt", meinte er. Dann lenkte Lanz das Gespräch auf die Frage, ob die steigenden Öl- und Gaspreise am Ende die Energiewende beschleunigen könnten: "Ist das gerade ein großes Comeback für Erneuerbare?" Kemfert hoffte genau darauf, denn: "Was brauchen wir denn noch, wie viele Weckrufe?"

Auch Wirtschaftsexperte Andreas Peichl betonte den Krisen-Effekt: "Jede Krise bietet eine Chance und das ist eben jetzt die Chance, da mehr zu machen." Diess pflichtete bei und kritisierte, dass "diese Erneuerbaren" hierzulande "immer noch ein bisschen diskreditiert"würden, obwohl sie längst "so wettbewerbsfähig wie keine andere Energieform" seien und man sie "einfach in Deutschland" produzieren könne.

Ex-VW-Chef Diess: "Wir müssen uns trauen"

Schularick weitete derweil den Blick auf den globalen Technologiewettlauf und wurde dabei hart in der Diagnose. Der Grund? "Bei den Batterie-Technologien, (...) Robotik, KI - da sind wir inzwischen Entwicklungsland relativ zu China". Lanz hakte erschüttert nach: "Wirklich? Sind die so weit vorne?" Schularick blieb standhaft in seiner Einschätzung: "Die Entwicklung von neuen Autos, neuen Technologien, findet heute in China statt." Diess wollte das so nicht stehen lassen und formulierte einen Appell an Politik und Wirtschaft: "Wenn wir den Mut haben unternehmerisch, dann kann man wieder ins Spiel kommen, wenn man will. Und Deutschland hat die Grundfähigkeiten dafür."

Der Ex-VW-Chef ergänzte energisch: "Wir müssen uns trauen! Wir müssen uns mehr auf die neuen Themen konzentrieren und die alten dann auch mal loslassen. Und dann den Benzinpreis auch mal hochgehen lassen und (...) schneller auf die neuen Technologien wechseln." Mit Blick auf die angeschlagene deutsche Autoindustrie setzte Herbert Diess am Ende einen optimistischen Kontrapunkt: "Die Diskussion, jetzt die Industrie abzuschreiben, halte ich für viel zu früh." Lanz griff dies wiederum begeistert auf und kommentierte Diess' Ausführungen optimistisch: "Wir sind noch nicht am Ende!"

Quelle: teleschau – der mediendienst