"Ich bin nicht das Statistische Bundesamt!": Lanz liefert sich hitziges Wortgefecht mit muslimischer Publizistin
Autor: Natascha Wittmann
, Mittwoch, 17. Juni 2026
Bei "Markus Lanz" wurde heiß über Islamismus und gesellschaftliche Werte debattiert. Während sich Publizistin Khola Hübsch bei Themen wie einem möglichen Kopftuchverbot um Kopf und Kragen redete, ließ der ZDF-Moderator nicht locker und hakte immer wieder mit spitzen Fragen nach.
Die Integrationspolitik in Deutschland steht seit Jahren unter Druck. Sicherheitsbehörden wie das Bundesamt für Verfassungsschutz warnen immer wieder vor islamistischen Strukturen, die sich langfristig Einfluss in Gesellschaft und Politik sichern wollen. Besonders im Fokus: Netzwerke wie die Muslimbruderschaft, die sich nach Einschätzung der Behörden teils als moderat präsentieren, "um eine nach ihrer Interpretation islamkonforme Ordnung durchzusetzen".
Bei "Markus Lanz" nahm der ZDF-Moderator am Dienstagabend die Warnungen zum Anlass, über die Frage zu sprechen, welche Gefahr vom politischen Islam und von islamistischen Netzwerken in Deutschland ausgeht. Gleich zu Beginn der Debatte wurde der Ton scharf, als Journalist Sascha Adamek seine Sorge auf den Punkt brachte: "Wir haben ein Problem - und zwar ein gewaltiges." Er behauptete, die Muslimbruderschaft habe inzwischen sogar Parteien wie SPD und Grüne "infiltriert".
Lanz reagierte irritiert und hakte nach: "Infiltriert?" Adamek bekräftigte: "Infiltriert (...) insofern, dass es möglich gemacht wurde, dass Vereine, die vor ein paar Jahren noch im Verfassungsschutzbericht standen, heute rausgenommen wurden." Lanz wollte es genauer wissen und fragte: "Reden wir über Herrn Müller?" Adamek antwortete: "Wir reden vom regierenden Bürgermeister Müller in Berlin."
Laut des Journalisten sei Müller beraten worden, sich "mit Vereinen einzulassen und Kontakte zu pflegen, die damals noch vom Verfassungsschutz der Muslimbrüderschaft zugeordnet wurden". Güner Balci ordnete das Verhalten von Politikern grundsätzlich ein: "Politiker denken immer nur so im Vier-Jahres-Rhythmus und erhoffen sich dadurch Wählerstimmen", sagte die Autorin. "Einige sagen das auch tatsächlich so direkt."
Khola Hübsch: "Wenn jemand Angst vor Islamisten haben müsste, dann bin ich das"
Grünen-Politikerin Lamya Kaddor zeigte sich fassungslos: "Ich finde das irritierend." Sie zog dabei eine klare Grenze: "Sprechen muss ich mit denen als Politikerin, aber ob ich mit denen zusammenarbeite, (...) das würde ich nicht tun." Balci warnte außerdem vor einem "institutionalisierten Islam", bei dem es "ganz klar ein Weltbild" und "ein Werteverständnis" gebe, das "eigentlich komplett dem entgegensteht, was wir uns als freie Gesellschaft vorstellen". Als Lanz nach Details fragte, nannte Balci als Beispiel, dass es eine "Geschlechtertrennung als Normalzustand quasi schon in der Grundschule" gebe. Khola Hübsch widersprach dem Ton der Debatte deutlich: "Wenn jemand Angst vor Islamisten haben müsste, dann bin ich das", erwiderte die Publizistin. "Und trotzdem, finde ich, ist die Diskussion, wie sie gerade angefangen hat, hoch problematisch."
Sie verwies darauf, dass nur 1.500 Menschen "zum harten Kern der Muslimbrüder" gehörten und 99,9 Prozent der Muslime mit ihnen "nichts zu tun" hätten. Hübsch warnte: "Das, was Sie aber jetzt sagen, ist, die muslimischen Verbände, die Institutionen, also diejenigen, die ja unsere Verbündeten sein müssten im Kampf gegen Islamismus, dass die kritisch zu beäugen sind. Und da wird so eine Verdachtskultur aufgebaut, da wird so ein Misstrauen geschürt, (...) statt zu sehen, das sind unsere Partner".
Markus Lanz lenkte die Diskussion anschließend auf das Verhältnis von Religion und gesellschaftlichen Normen. Er fragte Hübsch, wie sie zu einem Kopftuchverbot stehe. Sie lehnte es ab: "Kopftuchverbote - das ist eigentlich das Gleiche wie Kopftuchgebote." Güner Balci schob interessiert nach: "Setzen Sie sich dafür ein, dass Kinder das nicht tragen müssen?" Hübsch antwortete prompt: "Das Kinderkopftuch ist theologisch gesehen nicht vorgeschrieben." Balci fragte daraufhin direkt: "Sind Sie für ein Verbot des Kinderkopftuchs?" Hübsch stellte klar, sie sei "gegen ein Verbot". Daraufhin konterte Balci wütend: "Dann ist den Kindern nicht geholfen."