TV-Doku zeigt, was Putins "Wegwerfagenten" in Europa treiben: "Ihr seid schwach - und wir sind überall!"
Autor: Teleschau
, Freitag, 03. Juli 2026
Seit 2022 führt Russland Krieg mit der Ukraine. Und, so sagen Eperten, ebenso lange mit den Nato-Staaten, die die Ukraine unterstützen. Der hybride Krieg des Kreml hat längst auch Deutschland erreicht.
Sabotageakte, Desinformationskampagnen, Brandanschläge, Vandalismus, Drohneneinsätze, Spionagemissionen, Einsatz von Fake-News-Medien zur Meinungsmanipulation - die Trickkiste von Russlands Auslandsgeheimdienst GRU ist prall gefüllt, wenn es darum geht, europäische Staaten zu attackieren. Und sie wird immer häufiger geöffnet.
"Russland ist definitiv in einem hybriden Krieg mit Europa", sagt Dominika Hajdu. Sie ist eine von vielen Experten, die für die ARTE-Dokumentation "Russlands Schattenarmee in Europa" (Dienstag, 21. Juli, 21.45 Uhr) beleuchteten, welche Strategien der Kreml verfolgt und auf welche Handlanger er zurückgreifen kann.
Jung, sozial abgehängt, meist kleinkriminell, willig, billig - das könnte nach Erfahrung von Dominika Hajdu vom Thinktank Globsec die Profilbeschreibung der sogenannten "Low Level Agents" sein, von denen Russland in den europäischen Ländern seine gewünschte Drecksarbeit machen lässt. Im Geheimdienst-Jargon werden die Agenten auch "Wegwerfagenten" genannt, was es ziemlich gut trifft: Wenn sie nämlich auffliegen und geschnappt werden, stehen sie alleine da. So ist das Risiko für die Auftraggeber im Kreml minimal, die Verwirrung, die gestiftet wird, maximal - und so soll es sein. Auch in Deutschland.
Jürgen Keyser, der Leiter des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalen, nennt die Taktik Russlands "eine Strategie der Einschüchterung. Die Maßnahmen sollen suggerieren: Ihr seid schwach, ihr könnt euch nicht schützen. Wir sind überall." Und nicht nur das. Die Botschaft, so Ladislav Sticha vom tschechischen Sicherheitsinformationsdienst BIS, laute: "Wenn wir wollen, können wir auch töten!"
Russland manipuliert nachhaltig das Meinungsklima
Egal ob Davidstern-Schmierereien an Pariser Hauswänden, fast 300 Bauschaum-Attacken auf deutsche Autos oder Brandanschläge in DHL-Centern oder Supermärkten. Die Intention derer, die die Sabotageakte in Auftrag gaben, ist gleich: In Ländern, die die Ukraine im Krieg gegen Russland unterstützen, für Verwirrung zu sorgen, Zwietracht und Unsicherheit in der Bevölkerung schaffen.
Es sollen so nicht nur logistische Lieferketten Richtung Ukraine gestört werden. Es hätte bei den russischen Schattenkriegsführern auch niemand etwas dagegen, wenn das politische Klima in Deutschland wegen der Sabotageakte mit Drohnen über Flughäfen, dem Misstrauen wegen der Bauschaum-Attacken oder der von Russland und Belarus aktiv gesteuerten verstärkten illegalen Zuwanderung überhitzte. Oder in Frankreich, wo mit der Davidstern-Aktion Juden und Muslime aufeinander gehetzt werden sollten.
So ein Machtwechsel in Richtung einer russlandfreundlicheren Partei käme den Kreml-Machthabern nicht ungelegen. Weshalb sie zum Beispiel vor den Wahlen in Moldau 2025 auch ihre Fake-News-Server zur Meinungsmache besonders ankurbelten. Das wurde auch in Tschechien getan. Vojtech Bohac vom Nachrichtendienst VoxPot: "Russland manipuliert nachhaltig das Meinungsklima."