Druckartikel: "Tückisch": Nach Bas-Rücktritt erhebt Lauterbach bei "Hart aber fair" schwere Vorwürfe

"Tückisch": Nach Bas-Rücktritt erhebt Lauterbach bei "Hart aber fair" schwere Vorwürfe


Autor: Teleschau  

, Dienstag, 13. Oktober 2026

Die zurückgetretene SPD-Chefin Bärbel Bas wirft dem Koalitionspartner CDU öffentliche Angriffe vor. Bei "Hart aber fair" legt Karl Lauterbach nach - er kritisiert "dreierlei Arten von Angriffen" auf seine Parteifreundin.


Öffentliche Angriffe auf ihre Person, "leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners": Ihren überraschenden Rücktritt als Co-Vorsitzende der SPD und Bundesarbeitsministerin begründete Bärbel Bas am Montagvormittag nicht nur mit dem Tod ihrer Stieftochter und der Zeit, die sie nun zum Trauern brauche. Sondern auch mit dem Verhalten von Teilen der Union. Konkret wurde Bas nicht, auch Namen nannte sie nicht.

Das übernahm am Abend bei "Hart aber fair" Bas' Parteifreund Karl Lauterbach. Stets sei vonseiten der Union behauptet worden, dass Bas die Arbeit an den Gesetzesentwürfen der Bundesregierung, etwa zur Rentenreform, verschleppe. Das aber stimme nicht, Bas und ihr Ministerium hätten die Gesetze mit der gebotenen Sorgfalt ausgearbeitet, so Lauterbach. "Mit Bärbel Bas ist man sehr unfair umgegangen."

Konkret sprach der SPD-Abgeordnete und ehemalige Bundesgesundheitsminister von "dreierlei Arten von Angriffen" auf seine Parteifreundin. Erstens sei "im Hintergrund" gegen Bas "viel mobil gemacht" worden. Zweitens habe es auch öffentliche Angriffe gegeben - Lauterbach nannte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sowie den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Hendrik Wüst. Letzterer habe Bas vorgeworfen, "sie würde die Reformen blockieren", auch Reiche habe zu mehr Tempo gedrängt. Dabei, so Lauterbach, "wussten alle, wie schwierig es mit Bärbel Bas steht". Zuletzt nannte der SPD-Politiker Angriffe gegen Bas "aus der zweiten Reihe", diese seien "besonders tückisch" gewesen. Als Beispiel nannte Lauterbach den Vorsitzenden der Jungen Union, Johannes Winkel.

"Nicht unbotmäßig": CDU-Mann nimmt eigenen Partei gegen Bas-Vorwürfe in Schutz

Nathanael Liminski (CDU), der Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, wies die Kritik an seiner Partei zurück. Es sei "nicht unbotmäßig" gewesen, von Bärbel Bas Fortschritte bei der Ausarbeitung der Gesetzesentwürfe zur Rente zu verlangen, so Liminski. Schließlich habe die Rentenkommission ihre Vorschläge bereits im Juni vorgestellt, anschließend sei den ganzen Sommer darüber diskutiert worden. Nun hätte Bas liefern müssen. Von dem Schicksalsschlag der Ministerin habe übrigens in Berlin nicht jeder gewusst, sagte Liminski.

Lauterbach wiederum forderte von der Union, zuzugeben, im Umgang mit Bas einen Fehler gemacht zu haben. "Wir kommen in einer Partnerschaft nur weiter, wenn Probleme auch angesprochen werden", so der SPD-Politiker. Zuspruch erhielt Lauterbach von Jan van Aken, dem ehemaligen Bundesvorsitzenden der Linken. Die Union bezeichnete der Bundestagsabgeordnete als "herzenslosen Verein von karrieregeilen Männern, die haben in der Politik nichts mehr zu suchen". Sein Vater, der die CDU wegen seines christlichen Glaubens gewählt habe, würde sich angesichts des Umgangs mit Bas "heute im Grabe umdrehen", so der Linken-Politiker.

"Verstrahlte und verirrte Abgeordnete" für Rausch-Wahl in Sachsen-Anhalt verantwortlich

Auch wenn der Rücktritt von Bärbel Bas am Montag das politische Berlin beschäftige und damit auch diese "Hart aber fair"-Ausgabe: Das eigentliche Thema der Sendung lautete: "Starke Ränder, schwache Mitte - bleibt das jetzt so?" Gemünzt war der Titel auf die jüngsten Wahlerfolge der AfD (in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern) beziehungsweise der Linkspartei (in Berlin).

Für bundesweite Diskussionen sorgt derzeit vor allem die Entwicklung im Landtag von Magdeburg. Dort wurde in der vergangenen Woche der AfD-Abgeordnete Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten gewählt - erstmals seit 1945 besetzt damit in Deutschland ein solches Amt nun ein Vertreter einer rechtsextremen Partei. Rausch erhielt vier Stimmen mehr, als seine Partei und das BSW im Magdeburger Landtag Sitze haben. Woher die Stimmen kommen, ist unklar, die Wahl war geheim. Jan van Aken allerdings machte in der Sendung - wie die meisten Beobachter - die Abgeordneten der CDU dafür verantwortlich. "Teile der CDU haben sich aus dem demokratischen Lager verabschiedet", urteilte der Linken-Politiker. Behauptungen von Bundeskanzler Friedrich Merz, die Stimmen könnten von anderen Parteien stammen, etwa seiner eigenen, wies er empört zurück. "Kein einziger Linker würde jemals einen AfDler wählen", sagte van Aken.

Auch CDU-Mann Liminski wollte sich nicht hinter die "False Flag"-Theorie des Kanzlers stellen. Er machte deutlich, dass seine eigene Partei beziehungsweise der Landesverband Sachsen-Anhalt für die Wahl von AfD-Mann Rausch verantwortlich sei. Für den rechtsextremen Politiker hätten "verstrahlte und verirrte Abgeordnete" der Union gestimmt, so Liminski. "Das geht nicht. Das ist eine Schande." Die Verantwortlichen müssten zurücktreten.

Was die Wahl von Rausch jenseits der Parteipolitik bedeutet, das machte die Publizistin Marina Weisband deutlich. "Es ist eine von sehr vielen roten Linien, die wir gerade überschreiten", sagte sie bei "Hart aber fair". "Wir brechen völlig offen mit 'die Würde des Menschen ist unantastbar'", also dem ersten Artikel des Grundgesetzes. Ihre Sorge: Die Menschen würden sich Stück für Stück daran gewöhnen, dass rote Linien überschritten werden, ohne dagegen aufzubegehren. "Es wird immer mehr normal", so die Publizistin. "Irgendwann, nach vielen, vielen kleinen furchtbaren Entwicklungen, wird es zu spät sein." Bezogen war das auch auf die mögliche Wahl des AfD-Politikers Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt in wenigen Wochen.

Antisemitismus bei Berliner Linken: "Das sind ganz wenige"

Gesprochen wurde schließlich auch über die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus, bei der die Linke mit Spitzenkandidatin Elif Eralp triumphierte. Obwohl der Berliner Landesverband der Linken umstritten ist - Teilen der Partei werden Antisemitismus sowie eine Nähe zur sogenannten Clan-Kriminalität vorgeworfen - begannen Linke, SPD und Grüne am Montag mit Sondierungsgesprächen.

Bei "Hart aber fair" kritisierte Karl Lauterbach als SPD-Vertreter die mögliche Zusammenarbeit seiner Partei mit der Berliner Linken scharf. Linken-Politiker van Aken nahm den Berliner Landesverband indes in Schutz. Zwar gebe es dort in Teilen ein Antisemitismusproblem, aber "das sind ganz wenige, die bestimmen nicht die Politik der Linken", behauptete der Bundestagsabgeordnete und Ex-Parteichef. Die Linke lasse "kein bisschen Antisemitismus zu, wir bekämpfen ihn, wo wir ihn sehen." Auch Kritik am linken Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak wies van Aken zurück. Koçak werden Kontakte ins Berliner Clan-Milieu vorgeworfen, er gab deshalb Ende September seinen Sitz im Innenausschuss ab, behielt aber sein Bundestagsmandat. "Ich finde, er hat eine zweite Chance verdient", sagte van Aken nun über Koçak.

Quelle: teleschau – der mediendienst