"Egal wer Schuld hat": Tream richtet bei "Sing meinen Song" emotionalen Appell an alle Eltern
Autor: Nadine Wenzlick
, Dienstag, 26. Mai 2026
Ab ins Bierzelt: Die siebte Folge von "Sing meinen Song" drehte sich um Schlager-Rapper Tream. Der Graf hüpfte dabei über die Bühne und Giovanni Zarrella sang über "Bella Italia" - doch der Abend bot auch überraschend nachdenkliche Momente.
Wenn Tream für etwas steht, dann für gute Laune. Die Songs des selbsterklärten "Schlager-Rappers" handeln meist von Alkoholkonsum, Frauen, dem Leben auf dem Land und seiner Heimat Bayern. Für seine "Sing meinen Song"-Folge hatte der 27-Jährige vor allem ein Ziel: "Ich wünsch mir, dass viel gelacht wird". Spoiler: Wurde es, aber Tream zeigte sich auch überraschend nachdenklich und reflektiert - zum Beispiel, als es um seine Kindheit oder Erfolgsdruck ging.
Timo Grabinger, wie Tream mit bürgerlichem Namen heißt, kommt aus dem 1.025-Seelen-Dorf Büchelkühn in Bayern. "Bis vor kurzem kannte keiner Büchelkühn. Mittlerweile klauen sie eure Ortsschilder", fasste es Gastgeber Johannes Oerding zusammen. Nachdem er viele Jahre erfolglos Songs veröffentlicht hatte, gelang Tream 2022 mit einem Remix von "Lebenslang" der Durchbruch. Inzwischen kommt der Song auf über 145 Millionen Streams. Er sei ein "komplexer Künstler", attestierte Mark Forster gleich zu Beginn. "Auf den ersten Blick ist es Bierzelt-Mucke, aber mit so'nem Rap-Ansatz."
Dolce Vita und ein Kniefall für Johannes Oerding
Für einen lockeren Einstieg in den Abend sorgte Giovanni Zarrella mit "Lebenslang". Textzeilen wie "wir alle haben Leberschäden" seien ihm "ein Tick zu viel" gewesen, deswegen verpasste er dem Song einen italienischen Lebensstil, sang von Dolce Vita und zählte italienische Drinks auf - ganz zur Freude seiner Kolleginnen und Kollegen. "Das hat so meinen Humor getroffen!", freute sich Ina Bredehorn alias Deine Cousine. Ebenfalls für Begeisterung sorgte Mark Forster mit "Einmal zurück in die Zeit". "Ich musste sofort an meine Heimat in meinem Dorf denken", sagte er. Die neu geschriebenen Strophen des Songs erzählten davon. "Übelst geil. Perfekt abgeliefert. 10 von 10", so Tream.
Gastgeber Johannes Oerding hatte sich derweil den Song "Zelten auf Kies" ausgesucht, in dem es um Freundschaft geht. Er widmete das Stück seinem Kumpel Nico. "Er ist wirklich einer meiner besten Freunde und ich habe noch nie einen Song für ihn gesungen." Mit einer Version im Stil von Bruce Springsteen, samt markantem Saxofon, brachte er seine Kolleginnen und Kollegen zum Tanzen - und Tream ging sogar vor ihm auf die Knie. "Ich muss dir deine Schuhe putzen! In was für einen Wunderbrunnen bist du gefallen?"
Deine Cousine begeisterte mit einer rockigen Version von "Liebe auf der Rückbank", Alina Süggeler von Frida Gold verwandelte "Immer dann" in ein "Kunstwerk", wie Johannes Oerding es nannte, und Unheilig zeigte bei "Irgendwie irgendwann" eine ganz andere Seite von sich: Statt eine Unheilig-Ballade aus dem Song zu machen, präsentiert der Graf sich in Party-Laune und hüpft über die Bühne. "Ich wusste gar nicht, dass du so eine Musik überhaupt kennst", staunte Mark Forster.
Tream spricht bei "Sing meinen Song" über seine Kindheit
Dazwischen wurde viel über das Leben auf dem Dorf geplaudert. Tream erinnerte sich, wie sein Bruder Sozialstunden leisten musste, weil er mit seinem getunten Moped gefahren war. Er sprach über seine Oma, die "der wichtigste Mensch in meinem Leben ist" und sogar auf Tour mitkomme. Und er erzählte auf Nachfrage von Oerding von seiner Kindheit, die "nicht so einfach" gewesen sei. Nach der Scheidung seiner Eltern sei er hin und her gependelt. "Natürlich nimmt einen das mit. Das hört sich jetzt beknackt an, aber ich konnte nicht alleine im Bus fahren. Ich hatte da soziale Probleme." Er betonte: "Deswegen appelliere ich an alle Eltern: Egal wer Schuld hat, das Kind darf nicht als Instrument benutzt werden, um einen Krieg zu starten zwischen den Partnern. Ich glaube, deswegen bin ich auch da, wo ich bin. Weil ich irgendwo Anerkennung gesucht habe."
Ernst wurde es auch, als Tream seinen neuen Song "Psycho" vorstellte. In dem Stück geht es um Erwartungsdruck. Seine Karriere fühle sich an wie Autofahrt, die er manchmal nicht mehr unter Kontrolle hat. "Ich ras' da durch, manchmal wie ein Psycho. Und ich hoffe, dass ich nicht crashe am Ende des Tunnels." "Da kommen so Beschützerinstinkte in mir hoch", sagte der Graf, der Tream einen wertvollen Rat mitgab. "Drück ab und zu mal auf die Bremse, vielleicht hältst du auch mal kurz an. Weil du entscheidest, wie schnell du fährst." "Danke. Das nehme ich mir zu Herzen", so Tream.