Thorsten Frei drückt sich bei Illner um Antworten - Ricarda Lang fordert: "Reißt euch endlich zusammen!"
Autor: Doris Neubauer
, Freitag, 29. Mai 2026
Putsch-Gerüchte und dann 54 Minuten Reformdebatte - der Abend bei "Maybrit Illner" im ZDF hatte alles. So gerne Kanzleramts-Chef Thorsten Frei lieber über Sachthemen diskutierte, anstatt über Skandale in der Union zu sprechen - bei den drängendsten Fragen blieb er hier wie dort auffällig schwammig.
Seit Tagen sorgen Gerüchte um einen möglichen Kanzlertausch für Schlagzeilen. Jetzt hat das Kanzleramt darauf reagiert und sich über die "wüsten Spekulationen" echauffiert. "Haben Sie es geschrieben?", lag Maybrit Illners Frage an Kanzleramts-Chef Thorsten Frei (CDU) auf der Hand.
"Um Gottes willen, natürlich nicht", platzte der heraus. Weiteres Nachhaken zur Urheberschaft des Kanzleramt-Statements war ihm sichtlich unangenehm. "Wir leben in einer Demokratie, soll ich sowas verbieten?", versuchte er auszuweichen. Anstatt sich an der Personendebatte zu beteiligen, wollte er sich auf die Sachthemen konzentrieren: "Wenn das gut gelingt, werden sich alle anderen Debatten erledigen", war er überzeugt.
Illner belehrte ihn eines Besseren: "Dann werden sich nicht alle Debatten erledigen", widersprach die Moderatorin. Auch die weiteren Talk-Gäste zeigten sich ob der Replik zum möglichen Merz-Putsch irritiert. "Es reicht", befand etwa Journalist Robin Alexander. "Das ist kein Spielplatz für Egos, sondern es gibt ein Land, das regiert werden muss!" Auch Ricarda Lang forderte: "Reißt euch endlich zusammen!"
Letztlich tat Maybrit Illner ihrem Gast aus dem Kanzleramt aber dann doch den Gefallen, sich die restlichen 54 Minuten auf die Reformpläne der Bundesregierung zu fokussieren.
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"Sind Sie der Frei-Sprecher, der sagt, diese Reformen sind auch und in erster Linie Belastungen für die Bürger?", wollte sie von ihm wissen und musste über ihr eigenes Wortspiel schmunzeln. "Nicht in erster Linie", korrigierte sie Frei. Der CDU-Politiker war sicher, dass Bürger Einschränkungen in Kauf nehmen würden, wenn sie wüssten, dass das zu einem besseren Leben führe.
Ricarda Lang riet zur Zurückhaltung bei derartigen Versprechungen. "Aber ich habe trotzdem den Anspruch, dass für junge Familien Bezahlbarkeit möglich ist", erklärte die ehemalige Grünen-Chefin. Diskussionen um Einsparungen beim Elterngeld träfen demnach die "komplett Falschen". Lang plädierte, mehr auf junge Familien zu achten: "Man muss schauen, wen kann ich zur Verantwortung ziehen, weil es starke Schultern sind, und wen muss ich entlasten."
"Das ist ein klassisches Beispiel: Wir haben hier einen Staat, der in der Mitte der Gesellschaft mit Geldleistung reagiert", warf Journalist Robin Alexander ein. Immerhin würden auch Menschen mit einem Jahreseinkommen von 175.000 Euro Elterngeld bekommen. "Es geht um Leute, denen es gut geht - da den Sozialstaatsreflex anzuwerfen, ist enttarnend!", kritisierte er.