Stimme von Benjamin Blümchen will Netflix verklagen
Autor: Teleschau
, Mittwoch, 04. November 2026
Synchronsprecher Matti Klemm spricht unter anderem Benjamin Blümchen und Jason Momoa. Nun wirft er dem Streamingdienst Netflix vor, seine Stimme ungefragt für KI-Training zu nutzen.
Wer Matti Klemms Stimme hören will, muss dafür zahlen: Auf der Homepage des Synchronsprechers reicht ein virtueller Euro, eingeworfen in einen Münzschlitz, und schon spricht Klemm den Schauspieler Mahershala Ali im Oscar-Gewinner "Green Book" oder Jason Momoa in "Aquaman".
Auch dem Elefanten Benjamin Blümchen in der gleichnamigen Hörspielreihe für Kinder leiht Klemm seine Stimme. Damit verdient er sein Geld. Nicht alle wollen aber offenbar für seine Stimme bezahlen: Wie der Branchenverband VDS mitteilte, wird Klemm nun gegen Netflix klagen, weil der Streamingdienst persönliche Sprachaufnahmen Klemms ohne dessen Zustimmung zum Training künstlicher Intelligenz (KI) verwendet haben soll. Zuerst hatte das Portal "Quotenmeter" berichtet.
"Grund für die Klage ist eine Datenauskunft von Netflix, aus der hervorgeht, dass der amerikanische Konzern bereits in der Vergangenheit und ohne Klemms Wissen und Einwilligung mit seinen persönlichen Sprachaufnahmen KI-Systeme trainiert hat. Damit verletzt Netflix aus Sicht von Matti Klemm seine Rechte", heißt es in einer Mitteilung des VDS. Laut dem Verband ist es aus Gründen des Datenschutzes unter anderem erforderlich, dass Betroffene in ein solches Training einwilligen.
Klage gegen Netflix: "Wir brauchen dringend einen Präzedenzfall"
"Wir brauchen dringend einen Präzedenzfall, denn es betrifft die gesamte Kreativbranche", wird Klemm in der Mitteilung zitiert. "Ich stelle mich gern stellvertretend für alle in den Regen und hoffe, dass möglichst viele dabei helfen für einen guten Schirm zu sorgen. Wir sind sehr viele und können das gemeinsam schaffen."
Vertreten wird Klemm bei seiner Klage von der Anwaltssozietät Spirit Legal. Laut Jonas Kahl, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht der Kanzlei, wurde Klemm von Netflix weder gefragt noch für das KI-Training bezahlt. "Wir wollen aufklären, was Netflix mit seiner Stimme gemacht hat, und Netflix untersagen lassen, sie weiter für KI-Training zu verwenden", sagte Kahl laut der VDS-Mitteilung. Er spricht von einem Fall mit "Signalwirkung für die gesamte Branche". Finanziert werden soll das Verfahren über Crowdfunding.
Der Verband VDS hatte eigenen Angaben zufolge bereits im September eine Beschwerde beim Bundeskartellamt eingereicht und unterstützt die Beschwerden verschiedener Sprecher bei den zuständigen Datenschutzbehörden, um rechtliche Fragen um das KI-Training von Netflix vor staatlichen Behörden klären zu lassen.
Quelle: teleschau – der mediendienst