50 Jahre nach der für zwei Schauspiel-Oscars nominierten ersten Verfilmung wird Stephen Kings Romandebüt "Carrie" als Serie bei Prime Video neu aufgelegt. In der HBO-Serie "War" bei WOW wiederum fechten Sienna Miller und Dominic West einen Scheidungskrieg aus. Welche Streaming-Highlights die kommende Woche noch bereithält, verrät die Übersicht.
Die Schule ist ein grausamer Ort - zumindest für Außenseiter. Einer der stärksten Stoffe der Literatur zu diesem Thema ist Stephen Kings 1974 erschienener Debütroman "Carrie". Er handelt von einer 16-jährigen Außenseiterin aus streng religiösem Elternhaus, die in ihrer Highschool gemobbt wird. Die Hauptfigur, in der berühmten ersten Verfilmung von Brian De Palma spielte sie 1976 die dafür Oscar-nominierte Sissy Spacek, verfügt allerdings über telekinetische Kräfte. Je nach Ausmaß von Carries Wut und Verzweiflung können Lampen zum Flackern gebracht oder Schneisen von Tod und Verwüstung erschaffen werden. Gruselmeister Mike Flanagan, der schon Edgar Allan Poes "Der Untergang des Hauses Usher" für Netflix ein denkwürdiges Zeitgeist-Update verpasste, hat nun auch "Carrie" für die Generation Social Media bei Prime Video übersetzt. Was die Streamer in den nächsten Tagen noch zu bieten haben, erfahren Sie in der Übersicht.
"Carrie" - Prime Video
Anders als beim "Usher"-Stoff, den Mike Flanagan in eine dysfunktionale Familie eines superreichen Kapitalisten-Clans verlegte, bleibt er mit "Carrie" (ab Mittwoch, 7. Oktober, alle acht Folgen bei Prime Video) dem Roman Stephen Kings, der die Serie mitproduzierte, verhältnismäßig treu. Natürlich findet Mobbing heute mit anderen Mitteln statt. Wie man sich denken kann, spielt Social Media dabei eine große Rolle. Für die Rolle der Carrie wurde aus 1.500 Bewerberinnen die mittlerweile 22-jährige Kanadierin Summer H. Howell ("Hunter Hunter") ausgesucht, die ihre Sache gut macht. Fast noch besser: Die Rolle der Mutter, bei Brian De Palma spielte sie Oscar-nominiert Piper Laurie, interpretiert Samantha Sloyan deutlich anders: War die Mutter in der Vergangenheit ein dem religiösen Wahn verfallenes Monster, ist Margaret White in der Serie eine komplexe Figur, die durchaus Liebe für ihre Tochter Carrie empfindet.
Ebenfalls neu in der 2026er-Version: Flanagan erschafft eine "Kaspar Hauser"-artige Backstory. So werden Carrie und ihre Mutter nach dem Unfalltod eines schweigsamen Bauarbeiters - Carries Vater - zu Hause in einer Art Gebetsschrank versteckt gefunden. Die Familie lebte zurückgezogen unter sich, das Haus verließ nur der Vater zwecks Erwerbstätigkeit. Carrie wurde daheim beschult, streng nach den fundamental-christlichen Prinzipien der Mutter. Die lehnt jede Form von Körperlichkeit und Spaß als Sünde der modernen Welt ab.
Als die Behörden den religiösen Rückzugsort der Whites entdecken, wird Carrie zur Highschool geschickt und die Mutter aus finanziellen Gründen zum Jobben verurteilt. Margaret White macht Erfahrungen an der Supermarktkasse und beim Reinigen von Toiletten. Dabei denkt man sich: Unser modernes Leben kann tatsächlich ganz schön fies und eklig sein. Ebenso subtil wird der von amerikanischer Fiction bereits gut ausgeleuchtete Handlungsort Schule gedeutet. Als in Carries neuer Highschool eine Amoklauf-Übung ansteht, brechen zum ersten Mal die Telekinese-Dämme.
"War" - Sky
"Das Wichtigste ist es, zivilisiert zu bleiben", zünden die Anwälte eine Nebelkerze. Zivilisiert jedenfalls bleibt in "War" niemand. Vielmehr ist der Titel der HBO-Serie, die ab Montag, 5. Oktober, bei Sky und WOW zu sehen ist, Programm. Am Ende der Ehe von Filmstar Carla Duval (Sienna Miller) und Tech-Unternehmer Morgan Henderson (Dominic West) herrscht Krieg. Und ihre Anwälte tragen kaum zur Deeskalation bei.
"Du bist hier der Geschädigte", lautet die Botschaft, die zwei rivalisierende Londoner Elite-Kanzleien ihren Mandanten ins Ohr säuseln. Übersetzt bedeutete das: Wer dreckiger spielt, gewinnt. Tricks haben die Juristen allemal zur Hand und korrumpieren damit auch junge hoffnungsvolle Anwälte, die sich urplötzlich in einer Welt wiederfinden, in der Ehrgeiz, Verrat und Skrupellosigkeit zum guten Ton gehören.
Das Ende einer Promi-Ehe in der britischen Glamourwelt wird von gewissenlosen Anwälten zu einem Scheidungskrieg gemacht: Zugegeben, der Plot klingt ein wenig kitschig. Da sich aber der umtriebige George Kay ("Lupin", "Criminal", "Hijack") die Serie ausgedacht hat, kann man durchaus davon ausgehen, dass "War" eine ziemlich clevere Angelegenheit wird. Die wenigen Bilder, die vorab gezeigt wurden, sprechen jedenfalls dafür, dass die gnadenlose Schlacht der Juristen ein echtes Herbst-Highlight werden könnte. Eine zweite Staffel mit einem neuen Fall ist übrigens bereits in Produktion, unter anderem mit Marisa Tomei in einer der Hauptrollen.