"Sing meinen Song"-Star performt Lied über verstorbene Mutter des Grafen: "Wenn ich das gewusst hätte ..."
Autor: Nadine Wenzlick
, Dienstag, 28. April 2026
Im Mittelpunkt der 3. Tauschkonzert-Folge von "Sing meinen Song" stand Unheilig. Es war der Abend der Tränen und großen Umarmungen.
Nein, für Menschen, die nah am Wasser gebaut sind, war die dritte Folge von "Sing meinen Song" nichts. Tränen flossen an diesem Abend, der ganz im Zeichen von Unheilig stand, in Massen. Das lag vor allem daran, dass es ziemlich viel um Verlust ging. Sogar Mark Forster, der sonst nie um einen flapsigen Spruch verlegen ist, weinte sich in den Armen des Grafen aus. Doch der Reihe nach.
Gut neun Jahre war der Graf von Unheilig aus der Öffentlichkeit verschwunden. "Ich bin nach Hause gefahren nach dem letzten Konzert in Köln, habe mir den Bart abrasiert, meine Handynummer geändert und alles verkauft und verschenkt, was die Musik angeht", erzählte er Gastgeber Johannes Oerding. Er wünschte sich damals mehr Zeit mit seiner Familie, kaufte sich ein kleines Wohnmobil und fuhr mit seiner Frau nach Spanien.
Auch mit seinen Eltern machte er viel Urlaub. "Ich würde es immer wieder so machen. Ich weiß, das war für viele schwer, aber für mich und meine ganze Familie war es wichtig." Doch irgendwann fehlte ihm die Musik. Mit seinem neuen Album "Glaube Liebe Monster" hat er gerade ein beeindruckendes Comeback gefeiert.
"Heulen ist ein bisschen wie schwitzen"
Aber natürlich wollte Gastgeber Johannes Oerding mit dem Grafen auch über seine Anfänge plaudern - und die liegen in der Gothic-Rock-Szene. Damals sei er mit Brokat-Mantel, weißen Kontaktlinsen und schwarz lackierten Fingernägeln aufgetreten. "Was ist denn ein Brokatmantel?", wollte Forster wissen. "Ich sah aus wie Jack Sparrow", so der Graf. "Ich habe mich versteckt hinter einer Kunstfigur."
2009 war er kurz davor, den Traum von der Musikkarriere aufzugeben - doch dann gelang ihm mit "Geboren um zu leben" der große Durchbruch. Geschrieben hat der Graf den Song für einen verstorbenen Jugendfreund. "Da ist so viel Trauer und Verlust drin und trotzdem hat er diese lebensbejahende Seite. Eigentlich ist das eine Ode ans Leben", sagte Alina Süggeler, bevor sie den Song zur Frida-Gold-Elektropop-Nummer machte. Dicke Krokodilstränen kullerten dabei über die Wangen des Grafen. "Das geht aber jetzt nicht so weiter", bangte er danach.
Ging es aber sehr wohl, denn als Nächstes war Mark Forster mit "So wie du warst" an der Reihe - ein Song, den der Graf für seinen verstorbenen Schwiegervater geschrieben hat. "Bei mir ist Verlust immer sehr schwer und ich brauche die Musik, um das zu verarbeiten", sagte er. Mark Forster hingegen hat "das große Glück, dass ich nicht viele Menschen verloren habe, die mir nahe sind. Es gibt aber einen Menschen", sagte Forster - und dann blieben ihm die Worte im Halse stecken und auch ihm kamen die Tränen.
Mit 18 sei ein Jugendfreund von ihm verunglückt. Auf ihn hatte Forster den Text umgeschrieben: "43 Jahre, 25 ohne dich / Ich hab jetzt graue Haare / Davon die meisten im Gesicht / Ich weiß nicht ob du's sehen kannst / Doch unser Traum der hat geklappt", sang er. Beim Grafen kullerten erneut die Tränen. "Heulen ist ein bisschen wie schwitzen. Das kann man nicht groß planen oder verhindern. Es hat mich überkommen", sagte Forster danach: "War irgendwie auch ein schöner und befreiender Moment. Und wo kann man sich mal richtig ausheulen, wenn nicht in den starken Armen des Grafen?"