Druckartikel: "Sie wollen sich doch auch selber ernst nehmen": Lanz stellt Berliner SPD-Chef Steffen Krach zur Rede

"Sie wollen sich doch auch selber ernst nehmen": Lanz stellt Berliner SPD-Chef Steffen Krach zur Rede


Autor: Natascha Wittmann

, Donnerstag, 29. Oktober 2026

Bei "Markus Lanz" wurde Steffen Krachs Kurs in den Berliner Koalitionsgesprächen zum Stresstest. Der SPD-Mann sollte erklären, wo für ihn die "rote Linie" im Streit um Linken-Abgeordnete Vanessa Emde verläuft. Doch je öfter Lanz nachfragte, desto ausweichender wirkte Krach.


Die Koalitionsverhandlungen zwischen Linken, SPD und Grünen in Berlin stecken schon vor dem Start in einer heiklen Zwickmühle. Auslöser ist der Streit um die Linken-Abgeordnete Vanessa Emde, die im Wahlkampf mit israelfeindlichen Aussagen für Empörung gesorgt hatte. Bei "Markus Lanz" griff der Moderator den Konflikt am Mittwochabend auf, um die viel beschworenen "roten Linien" der SPD abzuklopfen.

Denn SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hatte zuvor wiederholt betont, nicht mit Antisemiten koalieren zu wollen. Nun steht in Berlin ausgerechnet dieses Versprechen auf dem Prüfstand. Zunächst wollte Lanz von Krach wissen, wie weit "die Koalitionsgespräche mit der Linkspartei" überhaupt seien. Der Berliner SPD-Chef blieb nüchtern: Bisher habe es nur Sondierungen gegeben, jetzt aber habe "die SPD (...) im Landesvorstand beschlossen, Koalitionsverhandlungen aufzunehmen". Lanz hakte überrascht nach: "Sie machen das jetzt?"

Krach antwortete vorsichtig: "Wir wollen jetzt Koalitionsverhandlungen führen. Es gibt auch keine Alternative." Genau diese Formulierung ließ Lanz nicht stehen: "Doch! Es gibt eine Alternative, die sitzt direkt neben Ihnen." Er deutete auf CDU-Politikerin Karin Prien. Krach konterte: "Frau Prien hat mir noch keine Sondierungsgespräche angeboten." Lanz blieb spitz und stichelte: "Aber sie ist von der CDU. (...) Kennen Sie ja, CDU, oder?" Krach blieb derweil gelassen: "Ja, kenne ich gut." Er betonte, er wolle eine Koalition "weder mit der CDU, noch mit den Linken oder den Grünen" grundsätzlich ausschließen. Er spreche mit "allen demokratischen Parteien", nur: "die CDU hat (...) noch nicht zu Sondierungsgesprächen eingeladen". Lanz kommentierte trocken: "Das sind ja ganz neue Optionen hier!"

Karin Prien warnt vor "Enttabuisierung von Antisemitismus"

Als Lanz wissen wollte, wie Krach auf ein Gesprächsangebot von CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers reagiert hätte, blieb der SPD-Politiker bei seiner Linie: "Ich hätte es gut gefunden, wenn es von Anfang an parallele Sondierungen gegeben hätte. Die hat es aber nicht gegeben." Es sei dabei "nicht die Aufgabe der Partei, die auf Platz fünf gelandet ist, einzuladen zu solchen Gesprächen". Eine Steilvorlage für den Moderator: "Die Kamera hier ist Ihre. Wenn Sie wollen: Sie können es ihm jetzt sagen, dass er Sie bitte anrufen soll."

Krach geriet sichtbar in Bedrängnis, versuchte aber auszuweichen: "Wir werden in der nächsten Woche (...) ins Gespräch kommen. (...) Ich freue mich auf das Gespräch." Lanz bohrte nach: "Er hat Sie ja angerufen!?" Krach stellte daraufhin klar: "Nein, er hat ausdrücklich gesagt, das sind keine Sondierungsgespräche." Lanz' knapper Kommentar: "Spannend!"

Karin Prien warnte daraufhin grundsätzlich vor einem Linksbündnis. Sie sagte: "Da gibt es die Möglichkeit, aus der demokratischen Mitte heraus eine Regierung zu bilden und Sie koalieren mit einer Partei, die zumindest in Berlin eine radikale Partei ist!" Krach schoss prompt zurück: "In Sachsen arbeiten Sie mit den Linken zusammen. In Thüringen arbeiten Sie auch mit den Linken zusammen!" Prien widersprach laut: "Es geht um die Berliner Linken!" Krach setzte jedoch nach: "Was ist denn an dem Sondierungspapier radikal?" Er behauptete, es entspreche zu fast 95 Prozent "den Beschlüssen eines Parteitags der SPD". Prien ließ das nicht gelten und warnte vor einer "Enttabuisierung von Antisemitismus (...) in Deutschland".

Steffen Krach: "Ich möchte nicht mit Frau Emde zusammenarbeiten"

Richtig hitzig wurde es, als Lanz auf Vanessa Emde zu sprechen kam. Er wollte von Krach wissen, ob es für ihn "keine Koalition" mit der Linken gebe, falls Emde in der Fraktion bleibt. Krach wich jedoch aus: "Ich gehe davon aus, dass das in den nächsten Tagen und Wochen geklärt wird." Lanz fragte unbeirrt weiter: "Wenn sie Teil der Fraktion bleibt, gibt es für Sie keine Koalition? Ja oder Nein?" Krach blieb unkonkret und sagte: "Wir gehen jetzt erstmal in Koalitionsgespräche und ich gehe davon aus, dass das Problem (...) gelöst wird. Aber ich kann jetzt nicht hier (...) einzelne Personalangelegenheiten der Linkspartei beurteilen." Für Lanz war das zu wenig: "Sie haben gerade hier keine rote Linie gezogen. Sie haben gerade sehr viel gesagt, ohne wirklich was zu meinen." Krach hielt genervt dagegen: "Noch gibt es ja auch nicht diese Koalition. Wir haben ein Papier gemeinsam entwickelt." Doch Lanz wollte es genauer wissen: "Was ist denn Ihre Position?"

Krach wurde schließlich deutlich: "Ich möchte nicht mit Frau Emde zusammenarbeiten." Der Moderator hakte nach: "Wenn Sie Teil der Fraktion ist, sind Sie raus?" Statt konkret zu antworten, blieb Krach vage: "Das werden wir in den nächsten Wochen dann miteinander besprechen." Das wollte Lanz nicht unkommentiert lassen: "Herr Krach, ich habe eine einfache Frage gestellt. Sie sind ja ein gescheiter Mensch. Ja oder Nein?" Krach wiederholte, er könne sich mit Emde "eine Zusammenarbeit nicht vorstellen" und hoffe, "bald einen Beschluss der Linkspartei dazu bekommen".

Er verwies dabei auf die Vereinbarung im Sondierungspapier, "dass es keine Antisemiten in den Fraktionen geben darf. Und das gilt". Krach ergänzte: "Wenn Frau Emde weiterhin Mitglied der Fraktion ist, dann haben wir ein schwerwiegendes Problem." Lanz ließ auch diese Formulierung nicht durchgehen: "Was ist genau ein schwerwiegendes Problem?" Krach geriet plötzlich in Erklärungsnot: "Dann wird es Schwierigkeiten geben, dass (...) die Mehrheit der Mitglieder dieser Koalition zustimmen wird." Während sich der SPD-Mann weiter um Kopf und Kragen redete, konnte Lanz am Ende nur noch mit dem Kopf schütteln und sagen: "Sie wollen sich doch auch selber ernst nehmen, Herr Krach. Und ich nehme Sie ja auch ernst, aber so kann ich das nicht."

Quelle: teleschau – der mediendienst