"Sie sind die Brandstifter": Ralf Stegner rastet bei "Maischberger" aus
Autor: Marko Schlichting
, Donnerstag, 26. März 2026
Sandra Maischberger hat sich am Mittwochabend in ihre ARD-Talkshow einen linken SPDler und einen AfD-Politiker eingeladen. Die Diskussion ist zuerst sehr unterhaltsam, wird aber zwischendurch ein wenig langweilig. Irgendwie ist dann doch zu viel Krawall.
Spätestens nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sollte es nun wirklich allen klar sein: Die SPD hat ein Problem. Ihr laufen die Wähler davon. Sie laufen zur AfD über, der sie offensichtlich mehr vertrauen. Zudem sinkt die Zahl der Nichtwähler, seit es die AfD gibt. Die Bundesregierung will jetzt einen Sommer der Reformen einleiten, nachdem es im vergangenen Jahr mit dem Frühsommer, dem Sommer und dem Herbst der Reformen nur mäßig geklappt hatte. Unterdessen wird die AfD in Wahlumfragen immer stärker und ist zumindest in den letzten beiden gewählten Landtagen zum Oppositionsführer aufgestiegen - eine Rolle, die sie im Bundestag schon seit einem Jahr mit Erfolg spielt.
Bernd Baumann ist parlamentarischer Geschäftsführer der in Teilen rechtsextremen Partei. Er ist am Mittwochabend zu Gast bei Sandra Maischberger, wo er auf den linken SPDler Ralf Stegner trifft. Eines haben beide gemeinsam: Sie sind redegewandt. Das kleine Duell der Beiden würde spannend werden, davon konnten die Zuschauer ausgehen. Am Ende war klar: Beiden gelang es, ihre Klientel von sich zu überzeugen. Mehr aber auch nicht. Vor allem Stegner machte den Fehler, während der Diskussion wütend und unsachlich zu werden und spielte damit dem gelassen wirkenden AfD-Politiker in die Hände. Das merkte er später selber und konnte besonders mit seiner letzten Aussage punkten. Das Publikum hatte Stegner auf seiner Seite.
Stegner fing damit an, seine Partei zu kritisieren, und machte auch vor der SPD-Spitze nicht halt. "Wir haben ein Problem nicht nur mit den Personen, sondern auch mit den Inhalten", stellte er mit Blick auf die beiden Landtagswahlen in Westdeutschland fest. Seine Partei leide unter einem Vertrauensverlust und habe herbe Niederlagen bei den letzten Wahlen einstecken müssen. Die Wahl in Baden-Württemberg sei eine Todeszone gewesen, weil die SPD dort nur 5,5 Prozent der Wählerstimmen erreicht habe. "Und wenn wir dann in einem Bundesland, wo wir einen populären Ministerpräsidenten haben wie in Rheinland-Pfalz das auch nicht schaffen, dann ist das ein größeres Problem als die Frage, wer die Partei gerade führt."
Dennoch sei ihm klar: Eine Zusammenarbeit mit Demokratiefeinden wie der AfD komme für ihn nicht in Frage. "Und wenn die CDU das Machen sollte, ist die Koalition zu Ende. Dan ist der Rubikon überschritten." Wer Brandmauern einreiße, beteilige sich an der Brandstiftung. Die AfD tue so, als hätte sie für die anstehenden Probleme eine Lösung, dabei könne sie nur Sündenböcke benennen.
"Wenn wir aus der EU aussteigen, hätten wir Massenarbeitslosigkeit"
Bernd Baumann hat natürlich gute Laune. Seine Partei befindet sich gerade in einem Höhenflug. Und er tat auch bei Sandra Maischberger alles, um keine Wähler zu verprellen. So lehnt er eine Mehrwertsteuererhöhung ab, die gerade in der Union diskutiert wird. Am Mittwoch hatte Bundeskanzler Friedrich Merz im Bundestag einen solchen Schritt nicht direkt ausgeschlossen. "Wir haben kein Einnahmeproblem in Deutschland", sagte Baumann. "Die Steuereinahmen belaufen sich auf eine Billion Euro. Gleichzeitig bekommt der Staat zwei Billionen Euro Sozialabgaben, so viel zahlt kein Volk der Welt."
Vielmehr habe Deutschland ein "Ausgabeproblem". führte Baumann aus. "Wir zahlen allein gesamtstaatlich 60 Milliarden Euro für eine Migration, die weitgehend missglückt ist. Wir zahlen 35 Milliarden für Klima- und Energierettung auf deutschem Boden, was reine Ideologie ist. Wir zahlen über 30 Milliarden an die EU, wo wir das Dreifache an Nettobeitrag zahlen wie die Franzosen, obwohl wir mittlerweile kein reiches Land mehr sind. Und wir zahlen acht Milliarden an Entwicklungshilfe auch an Indien und China, die zum Mond fliegen und Atomraketen haben."
Deutschland habe viel Einsparungspotential und er sei für Steuersenkungen, so Baumann. "Jemand, der eine Familie und zwei Kinder hat, zahlt bis zu einem Jahreseinkommen von 70.000 Euro keine Steuern mehr. Das ist ganz leicht machbar, wenn wir die ganzen Unsinnigkeiten des links-grünen Wahnsinns im Haushalt bereinigen." Links-Grün ist für Baumann jeder, der nicht für die AfD ist, auch die Union.