"Sie haben keine Ahnung, wie viel Geld wir aus Europa kriegen?": AfD-Politiker gerät bei Lanz in Erklärungsnot
Autor: Natascha Wittmann
, Donnerstag, 24. Sept. 2026
Bei "Markus Lanz" geriet AfD-Politiker Leif-Erik Holm unter Druck. Als es um die Europäische Union ging, kam es zu einem hitzigen Wortgefecht.
Die AfD tritt in Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich zu anderen ostdeutschen Landesverbänden gern etwas gemäßigter auf. Im Rennen um die Schweriner Staatskanzlei setzte Ministerpräsidentenkandidat Leif-Erik Holm nach eigenen Angaben eher auf Sachthemen als auf Zuspitzung. Doch genau das brachte intern Kritik: Im Vergleich zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt fiel das Ergebnis im Nordosten weniger deutlich aus. Markus Lanz nahm den Auftritt der Partei zum Anlass, ihre politischen Ziele genauer zu beleuchten - und landete dabei auch mitten in der Debatte um die Zukunft von Bundeskanzler Friedrich Merz.
Journalistin Kerstin Münstermann blickte in der ZDF-Sendung skeptisch auf das Auftreten des Kanzlers. Den Reformkurs, so ihre Einschätzung, könne "keiner mehr hören" - "weder die Wähler, noch die Politiker selbst". Sie ging noch weiter und sagte, sie sei nicht sicher, ob Merz "damit den Winter als Kanzler übersteht, weil dieser Reformbegriff ist mittlerweile so verdorben".
Leif-Erik Holm konnte dem nur zustimmen. Er stellte klar: "Das hat sich abgenutzt." Mit Blick auf Friedrich Merz erklärte der AfD-Mann, er habe den Eindruck, "dass da nicht mehr viele Befürworter sind". Das harsche Urteil von Holm: Die Koalition sei "nicht mehr arbeitsfähig". CSU-Vize Manfred Weber hielt derweil dagegen. Es gebe nach wie vor viele Menschen, "die Reformen wollen. Ich glaube, dass wir viele Unionswähler (...) verstoßen würden, wenn wir jetzt das, was vor dem Sommer vereinbart worden ist, (...) nicht umsetzen".
Weber legte nach: "Wir regieren seit anderthalb Jahren dieses Land und es gibt viele da draußen, die sagen: Jetzt macht es endlich! Jetzt regiert endlich!" Zugleich räumte er ein: "Bei der Kommunikation hat der Kanzler selbst seine Fehler eingeräumt. Was soll er denn mehr sagen?!" Webers Appell: Es sei "richtig, dass jetzt alle sich am Riemen reißen und endlich das machen, was wir versprochen haben".
Manfred Weber über Friedrich Merz: "Er ist gewählt, er soll seinen Job machen"
Ein Kanzlerwechsel wäre aus Webers Sicht deshalb der falsche Weg, denn: "Er ist gewählt, er soll seinen Job machen. Er hat die Rückendeckung und jetzt lasst uns die Reformen umsetzen." Lanz hakte sofort nach: "Die CSU steht uneingeschränkt hinter Friedrich Merz?" Weber wich zunächst aus: "Klare Aussage: Er ist Kanzler und es gibt keine Kanzlerdebatte!" Lanz blieb jedoch hartnäckig: "Ich frage Sie!" Weber antwortete knapp: "Für mich ist das sonnenklar." Lanz setzte prompt nach: "Und für die CSU auch?" Als Weber erneut nicht klar zusagen wollte, spitzte der Moderator die Lage anhand eines anderen Details zu: "Warum stand Markus Söder nicht auf diesem Brief?" Weber erklärte in Bezug auf den jüngst veröffentlichten Ministerpräsidenten-Brief: "Weil das ein Appell innerhalb der CDU war."
Lanz wurde daraufhin persönlich und wollte wissen: "Würden Sie Markus Söder als Ihren Freund bezeichnen?" Weber schmunzelte: "Wir sind politische Weggefährten seit Jahren." Auf die Frage, ob er Söder möge, reagierte er vorsichtig: "Ich habe Themen, die ich sehr schätze an ihm." Lanz staunte: "Sie können nicht einmal sagen, dass Sie ihn mögen?" Weber wiederholte nüchtern: "Wir haben ein gutes menschliches Miteinander." Eine Aussage, die Lanz zum Lachen brachte: "Es wird immer schlimmer!"
Der Moderator fokussierte sich schließlich auf Leif-Erik Holm und fragte, worauf die AfD in der aktuellen Regierungskrise setze: "Worauf spekulieren Sie in der AfD? Auf Neuwahlen?" Holm antwortete ohne Umschweife: "Neuwahlen wären tatsächlich eine gute Lösung." Ein Kanzlerwechsel allein würde aus seiner Sicht "nichts verändern". Im Gegenteil: "Das Grundproblem, was dahinter steht, ist ganz einfach, dass diese Union ja nur noch Mehrheitsbeschaffer für linke Politik ist."