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Von Schafen und Menschen - die etwas andere Comedyserie


Autor: Eric Leimann

, Dienstag, 21. Juli 2026

Die bei mehreren Festivals ausgezeichnete Serie "Sheep" setzt echte Schafe mit den Stimmen von Stars wie Jella Haase, Verena Altenberger und Birgit Minichmayr in Szene, um vom Verhältnis zwischen Tier und Mensch zu erzählen. Die Serie in Spielfilmlänge ist tragikomisch und durchaus anrührend.


Das Leben ist eine Frage der Perspektive. So fühlt sich in der fünfteiligen Miniserie "Sheep" (neu in der Mediathek des ZDF) eine Schafsherde ihrem eher stumpfen Bauern (Markus Schramm) gegenüber als überlegen. Während die wolligen Vierbeiner über den Sinn des Lebens und Sterbens oder auch Work-Life-Balance nachdenken, führen die Menschen - der Bauer und seine Kleinfamilie - eine eher eintönige Existenz aus gleichförmigen Handlungen. Die aus Schafsperspektive von unten gefilmten Zweibeiner binden ihre eintönigen Arbeitstage mit fleischhaltigen Abendessen, Rotwein, verklemmter Körperlichkeit und der Talkshow von Markus Lanz ab. Keine besonders erstrebenswerte Idee, so ein Mensch zu sein, sagen sich die Schafe - und mancher Zuschauer wird ihnen recht geben wollen.

Plötzlich macht Schaf Oliver (Merlin Sandmeyer) eine schockierende Entdeckung: Herdenmitglieder, die der Bauer für den mythenumwobenen Obermoser (Christoph Krutzler) aussucht und abtransportiert, finden nicht etwa die Pforte zu einem besseren Leben, sondern den Tod als Schlachtvieh. Anfangs will Olivers Herde, die aus vielen Individualisten meist österreichischer Zunge und ebenso vielen Lebensweisheiten besteht, dem verträumten Revoluzzer Oliver nicht glauben. Dann jedoch wird klar: Das Leben der Schafe steht nicht nur auf dem Spiel, sondern es war auch immer anders als jenes, was sich die Vierbeiner darunter vorgestellt hatten.

Die etwa fünfmal 20 Minuten lange Erzählung in Spielfilmlänge setzt echte Schafe in Szene, deren Münder gemäß der von Schauspielstars wie Jella Haase, Verena Altenberger und Birgit Minichmayr gesprochenen Dialoge aufwendig animiert wurden. Das österreichische Filmemacher-Duo Alex Reinberg und Leni Gruber gewann für das originelle Fiction-Stück über das Verhältnis von Tier und Mensch unter anderem den Student Award "Short Form Competition" bei Canneseries 2026 sowie die Auszeichnung als "Beste Short Form Serie" beim Kölner Seriencamp 2026. Das ZDF zeigt "Sheep" linear am Montag, 24. August, am Stück ab 23.55 Uhr.

Schafe sind wie Menschen, Mensch wie Tiere

Erfrischend an dieser Produktion ist nicht nur die filmische Machart mit den "teilanimierten" Schafen. Auch eine Vielzahl an Ideen und kreativer Spielereien, mit denen das Leben von Schaf und Mensch durchleuchtet werden, ist überaus originell. Darin träumen Schafe durchaus menschliche Träume und stellen sich Fragen zu ihrer Lebensperspektive, suchen die Flucht aus der beengenden Realität via Pilztrip oder landen mit menschlichem Antlitz in einer Sitcom. Sogar Aussteigerträume vom raren Wildschaf auf Sardinien sind erlaubt.

"Sheep" ist alles andere als eine Mainstream-Comedy mit ulkig-wolligen Gesellen. Leni Reinberg und Alex Gruber, die sich seit Studententagen an der Filmakademie Wien kennen und schon für mehrere preisgekrönte Projekte zusammenarbeiteten, beschreiben ihre Serie so: "Schafe, die eigentlich wie Menschen sind - Menschen, die eher wie Tiere anmuten. Und ein wilder Genre-Mix, in dem Komik und Tragik untrennbar ineinandergreifen." Dass die beiden österreichischen Kreativen dabei mit echten Schafen arbeiteten, die kaum dressierbar sind, und an deren "Entscheidungen" man sich beim Dreh anpassen musste, korrespondiert mit der Philosophie der Miniserie. Reinberg und Gruber sagen: "Vielleicht liegt in dieser Fabel von Vierbeinern, die dem Irrglauben aufsitzen, den Menschen domestiziert zu haben, gerade deshalb eine kleine Parabel darüber, was es bedeutet, ein Lebewesen zu sein, nach Freiheit zu streben und für sich und andere einzustehen."

Quelle: teleschau – der mediendienst