Schüler macht sich bei Lanz für Wehrdienst stark: "Ich könnte diesen Staat nicht aufgeben"
Autor: Natascha Wittmann
, Donnerstag, 05. März 2026
Seit die Politik Deutschland "kriegstüchtig" machen will, wird auch unter jungen Menschen wieder heftig über Wehrdienst und Pflicht diskutiert. Bei "Markus Lanz" bezog Schüler Marius Lange klar Stellung: Flucht komme für ihn nicht infrage, weil der Staat für ihn "Freiheit" und "Familie" bedeute.
Die Bundesregierung will Deutschland bis 2029 kriegstüchtig machen. Das vom Bundestag beschlossene Wehrdienst-Modernisierungsgesetz soll attraktivere Bedingungen schaffen und damit mehr Freiwillige zur Bundeswehr bringen. Dazu wird auch die Wehrerfassung wieder eingeführt - 18-Jährige müssen Fragebögen zur Eignung ausfüllen. Bei "Markus Lanz" wurde dies am Mittwochabend zum Ausgangspunkt für eine Diskussion mit jungen Gästen: Wie real ist Krieg als Szenario? Und wie viel wäre man bereit, für die Verteidigung des eigenen Landes zu geben?
Der 2008 geborene Marius Lange erklärte zunächst, dass er eine wachsende Unruhe in seinem Freundeskreis spüre: "Man merkt natürlich (...), dass sich die Leute Sorgen machen. (...) Die Wehrpflicht wird ja nicht ohne Grund wieder eingeführt und die Leute merken auch, dass sich irgendwas ändert." Reservistin Kerry Hoppe blickte derweil auf ihre eigene Bundeswehrzeit zurück. Die heute 24-Jährige beschrieb mit stolzem Blick: "Man merkt, dass die eigenen Grenzen deutlich weiter weg sind, als man das für möglich hält. Man ist unglaublich stolz, wenn man all diese Herausforderungen, all diese Härte irgendwie packt. Man merkt, eigentlich ist der Kopf das Entscheidende. (...) Wenn der Kopf will, dann laufen die Beine."
Reservistin Kerry Hoppe: "Wir wissen, wie brutal und wie grausam Krieg ist"
Kerry Hoppe erklärte dennoch offen, dass die Realität der militärischen Ausbildung nicht immer ganz einfach sei. Der eigentliche Auseinandersetzungsprozess beginne nämlich häufig erst beim Umgang mit der Waffe: "Für mich kam der wirkliche Auseinandersetzungsprozess (...) beim ersten Schießen. Weil man schießt ja nicht auf runde Zielscheiben, sondern man schießt auf menschliche Silhouetten." Sie ergänzte: "Man realisiert, man wird dazu ausgebildet, auf Menschen zu schießen. (...) Ich war damals 17. Ich war sehr, sehr jung. Das löst einen Gedankenprozess aus." Eine Steilvorlage für Podcaster Ole Nymoen, der die Grundsatzkritik zur Wehrpflicht in den Raum stellte: "Wozu dient das Ganze eigentlich?"
Er erklärte, er selbst würde nicht in den Krieg ziehen. Hoppe hielt dagegen und stellte klar, dass auch Soldaten "keinen Krieg führen" wollen: "Wir wissen, wie brutal und wie grausam Krieg ist. Wir wissen auch, dass es Menschen und Autokraten (...) in dieser Welt gibt, die Angriffskriege führen wollen. (...) Und wir wollen abschrecken, damit wir nicht in die Situation kommen, dem wehrlos gegenüberzustehen."
Nymoen blieb dennoch skeptisch: "Das sagen immer alle Politiker natürlich. Wenn der böse Nachbar nicht wäre, dann müssten wir ja gar nicht in dieser Form aufrüsten. Und genau mit der Begründung werden dann ja auch immer alle Kriege geführt." Lanz gab daraufhin zu bedenken, dass Russland seine Armee "auf 1,5 Millionen Menschen" aufgestockt habe: "Würden Sie nicht sagen, das ist eine Bedrohung?" Nymoen antwortete ausweichend: "Das ist wahrscheinlich eine Bedrohung für die Ansprüche, die Deutschland hat."
Podcaster Ole Nymoen: "Ich bin der, über den dann entschieden wird"
Lanz ließ dennoch nicht locker und wollte wissen: "Wenn der plötzlich vor unserer Türe steht, was machen wir dann?" Nymoen antwortete sichtlich energisch: "Wer ist denn wir? Das habe ich ja nicht zu entscheiden. Ich bin der, über den dann entschieden wird. Das ist doch gerade der Witz!" Der Moderator fragte weiter: "Was würden Sie machen?" Nymoen sagte trocken: "Mich verstecken, aber natürlich präferiert Flucht." Gymnasiast Marius Lange zeigte sich davon sichtlich getroffen: "Dann denke ich immer an die älteren Leute, (...) die quasi nicht mehr fliehen können. Ich finde immer, das ist eine sehr privilegierte Sicht, aus der man spricht, wenn man sagt, ich würde fliehen." Auch Kerry Hoppe offenbarte, dass sie sich wundere, "dass man all diese Freiheiten, diese Rechte, diese Privilegien, die wir in diesem Land genießen (...), nicht für schützenswert erachten kann".
Nymoen entgegnete prompt: "Ich darf meine Meinung äußern, ich will nicht für Deutschland sterben. Und der Staat sagt: 'Prima, das ist deine Meinung, aber das ist uns vollkommen egal. Wenn der Einberufungsbescheid kommt, musst du dem folgen, ansonsten machst du dich strafbar'." Darauf reagierte Reservistin Léocadie Reimers wütend: "Es geht darum, abschreckend zu sein, um eben sein Leben nicht geben zu müssen. (...) Du weißt ja gar nicht, worüber du redest und was du da kritisierst!"