Druckartikel: Russe nennt sich in ARD-Doku "Patriot", sprengt aber Putins Kriegsbomber in die Luft

Russe nennt sich in ARD-Doku "Patriot", sprengt aber Putins Kriegsbomber in die Luft


Autor: Julian Weinberger

, Montag, 19. Oktober 2026

"Die Angst ist da, jeden Tag": Ivan ist Russe, kämpft aber mit riskanten Mitteln gegen das Regime von Präsident Putin. Auf der Seite des ukrainischen Geheimdienstes schwächt er gezielt das Militär seines Heimatlandes. Eine sehenswerte ARD-Doku gibt nun Einblicke in diesen "Schattenkrieg".


"Ich bin Bürger der Russischen Föderation, ein Patriot, der sein Vaterland liebt", erzählt Ivan in der neuen ARD-Doku "Schattenkrieger - Russen helfen der Ukraine" (ab sofort in der ARD-Mediathek). Eigentlich heißt Ivan anders. Filmemacher und Journalist Marcin Mamon hat ihn anonymisiert - und das aus gutem Grund. Denn Ivan will das Putin-Regime stürzen. Gelingen soll das, indem er im Auftrag des ukrainischen Geheimdienstes russische Infrastruktur angreift, etwa mit selbstgebauten Sprengkörpern russische Langstreckenbomber zerstört und bewaffnete Drohnen Angriffe fliegen lässt.

"Er zieht mich in den Schattenkrieg", erklärte Mamon die Welt, in die ihm Ivan Einblicke ermöglicht, "eine Welt der Agenten und Doppelagenten, wo die Grenzen zwischen Patriotismus und Verrat verschwimmen". Die Dokumentation schlüsselt geheime Netzwerke zumindest zu einem Teil auf und bringt Sprengstoffanschläge in Verbindung zu der im Untergrund operierenden Widerstandsbewegung.

Mamon ist selbst bei der Planung von Sabotageakten mit dabei. "In Moskau sind Überwachungskameras euer größter Feind", wird dort eine Warnung ausgesprochen, die für Ivan längst Alltag ist. Er muss in Russland einen "ganz normalen Alltag" vortäuschen, sonst droht ihm eine Verhaftung oder Schlimmeres. "Die Angst ist da, jeden Tag. Aber es gab so viele Durchsuchungen, dass ich jetzt eher Hass und Wut spüre", erklärt er. "Sie sollen am eigenen Leib erfahren, wie es ist zu leiden."

Russischer Widerstandskämpfer: "Das System hat viele Schlupflöcher"

Ivan ist nicht der einzige Russe, der sich ukrainischen Operationen anschließt. Er gehört einem ganzen Netzwerk von Schattenkriegern an. "Man reist ins Ausland, trifft die Agenten und macht Lügendetektortests", beschreibt er, wie er rekrutiert wurde. Und doch hat Marcin Mamon immer wieder Zweifel an den schwer zu verifizierenden Aussagen Ivans. Erst recht, als ein anderer Kontakt des Journalisten, Foma, herausfindet, dass Ivan vom russischen Geheimdienst FSB als Extremist und Terrorist geführt wird.

"Jeder, der auf so einer Liste steht, sollte Russland nicht verlassen können", wundert sich Foma, weshalb Ivan sich mehrfach im Ausland mit Marcin treffen konnte. "Je weiter man vordringt, desto dichter der Wald", umschreibt es der Filmemacher. Doch detailliertere Nachforschungen Fomas sprechen Ivan vom Verdacht der Doppelagententätigkeit frei. Dazu bestätigen hochrangige ukrainische Geheimdienstangehörige seine Rolle. "Das System hat viele Schlupflöcher", nimmt Foma Ivan ab, im Widerstand tätig zu sein. "Man kann dort leben wie eine Maus im Käse."

Dennoch: Für Ivan wie für seine Familie ("Je weniger man weiß, desto besser schläft man") sind seine Machenschaften ein großes Risiko. "Es ist nicht nur ein Risiko, es ist ein Todesurteil", ist er sich dessen bewusst. Doch auch nach zwei Jahren Recherche von Marcin Mamon fliegt Ivan noch unter dem Radar - oder ist längst wissentlich oder unwissentlich auch für den russischen FSB tätig. Es sei ein "Spiel voller Tricks, Intrigen und gestapelter Lügen", bilanziert Mamon am Ende der Dokumentation. Wer Ivan wirklich ist? "Kommt darauf an, wen du fragst."

Quelle: teleschau – der mediendienst