Risikoanalyst warnt bei Miosga: "Wir sind seit vielen Jahren im Fadenkreuz hybrider Angriffe aus Russland"
Autor: Marko Schlichting
, Montag, 31. August 2026
Seit Jahren warnen Experten: Deutschland befindet sich nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden. Russland führt einen hybriden Krieg gegen Deutschland. Wie können wir uns wehren? Das will Caren Miosga in ihrer ARD-Talkshow am Sonntagabend von ihren Gästen wissen.
"Deutschland ist stärker ins Fadenkreuz hybrider Angreifer gerückt. Das zeigt nicht zuletzt der Angriff vom 4. August auf dem Flughafen in Leipzig. Angreifer nehmen zunehmend skrupellos auch Schäden, sogar Verletzte und Tote in Kauf. Die Bundesregierung erlegt Urhebern hybrider Angriffe einen Preis auf. Sie werden dafür bezahlen." Mit diesen Worten warnte Bundeskanzler Friedrich Merz jene Länder, die einen hybriden Krieg in Deutschland führen. Er meinte damit vor allem Russland. Es ist ein Krieg ohne Kriegserklärung, den das Land seit Jahren gegen Deutschland und andere NATO-Staaten führt. Computer werden gehackt, Debatten gezielt vergiftet. Vor drei Wochen wurde am Flughafen in Leipzig eine mit Sprengstoff gefüllte Drohne entdeckt. Sie explodierte nicht. Ziel war ein ukrainisches Militärflugzeug. Alle drei Gäste, die Caren Miosga am Sonntagabend in ihre ARD-Talkshow eingeladen hat, sind sich sicher: Das waren die Russen.
Nico Lange ist Direktor des Instituts für Risikoanalysen und Internationale Sicherheit (IRIS). Er war von 2019 bis 2022 Leiter des Leitungsstabes des Bundesverteidigungsministeriums unter Annegret Kramp-Karrenbauer und gründete später das IRIS-Institut, bei dem es sich offenbar um eine One-Man-Show handelt, um die Positionen des Politikwissenschaftlers zu verbreiten. Viel gibt es über das Institut nicht zu erfahren. Klar ist aber: Als Russlandfreundlich kann man Lange, der mehrere Jahre in der Parteizentrale der CDU gearbeitet hat, nicht bezeichnen. Er warnt am Sonntagabend vor der zu lange nicht ernst genommenen Gefahr der hybriden Kriegführung Russlands.
"Es ist seltsam, dass wir jetzt so tun, als wären wir im Fadenkreuz hybrider Angriffe aus Russland. Das sind wir seit vielen Jahren", antwortet Lange auf die Frage, ob sich der hybride Krieg Russlands in Deutschland verschärft habe. Der russische Generalstabschef Gerassimow habe bereits 2013 davor gewarnt. Lange kritisiert: "Wir haben offenbar in all diesen Jahren eine große Schwäche. Wir verursachen keine Kosten auf der anderen Seite. Also man kann uns angreifen nicht nur mit Cyberangriffen und Spionage und Sabotage, sondern auch mit offener und verdeckter Korruption, mit anderen Methoden der Einflussnahme. Wir gucken hinterher und sagen "das ist aber schlimm", aber wir sagen der anderen Seite nicht: "'Macht das nicht, das hat Folgen für Euch.' Insofern kann man den Kanzler nur ermutigen, das jetzt umzusetzen, was er gesagt hat."
Logik der Politik und Logik der Ermittler
Lange ignoriert dabei, dass es seit dem völkerrechtswidrigen russischen Überfall auf die Ukraine das Ziel der Bundesregierung war, sich nicht aktiv in den Krieg einzumischen. Außerdem ist offenbar noch immer nicht klar, ob Russland wirklich für die Drohne am Leipziger Flughafen verantwortlich ist. Darauf weist Wolfgang Schmidt hin. Er war Kanzleramtschef unter Bundeskanzler Olaf Scholz und ist heute bei einem Thinktank in London tätig, der verschiedene Unternehmen in Strategiefragen berät. Laut Caren Miosga sind auch Rüstungsunternehmen darunter. Von ihm will die Moderatorin wissen, warum die Bundesregierung nicht für Klarheit sorge, wenn es um die Drohne von Leipzig geht.
Schmidt: "Wenn man so einen Anschlag hat, dann gibt es einerseits die politische Logik. Da will man eigentlich sofort sagen, wer ist schuld, wer muss dafür büßen. Und dann gibt es die Logik der Ermittler. Also es ist ja auch noch ein Verbrechen oder ein Vergehen, das aufgeklärt werden muss. Und häufig kann man es auch aufklären. Und da möchte man natürlich diese Ermittlungen nicht gefährden. Deswegen hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen sehr schnell an sich gezogen. Das macht man in Fällen von Terrorismus und ganz schweren Straftaten, und dann sind wahnsinnig gute Leute vom Bundeskriminalamt, von der Bundespolizei jetzt dabei, minutiös Beweise zu sichern."
Was sind die Kennzeichen der hybriden Kriegsführung aus Russland?
Lange erklärte, woran man erkennen könne, dass hybride Kriegführung und besonders der Anschlag von Leipzig die russische Handschrift habe: "Das Kennzeichen der hybriden Kriegsführung aus Russland neben den unterschiedlichen Methoden nichtmilitärischer Gewalt, die eingesetzt werden, ist doch, dass man das nicht mit den eigenen Streitkräften macht." Es würden "Leute bezahlt" und "Leute aus dem organisierten Verbrechen angeworben", so der Risikoanalyst. "Das Muster der hybriden Angriffe nicht nur auf uns, sondern in ganz Europa, deutet auf Russland hin. Der militärische Sprengstoff deutet auf Russland hin, aber auch die spezifische Vorgehensweise der Drohnen, was mittlerweile öffentlich bekannt ist." Später sagte Lange: "Wir sind nicht gut", besonders bei der Abwehr und der Gegenwehr gegen russische hybride Angriffe.
Die Politikwissenschaftlerin Hanna Notte hat unter anderem 2015 und 2016 an der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau geforscht und gilt als Russland-Expertin. Sie spricht sich für die Ausweisung russischer Diplomaten sowie die Erweiterung von Sanktionen gegen Russland aus, auch wenn sie nicht glaubt, dass man damit der Hybriden Kriegführung Russlands Einhalt gebieten könne. Aber sie fordert auch: "Wir müssen auf der Hut sein und uns heute schon überlegen, wie sich die russische hybride Kriegführung in der Zukunft weiter entwickeln wird, denn sie ist ja nicht statisch. Und der Instrumentenkasten der hybriden Kriegführung ist unerschöpflich."