Promovierte Chemikerin findet trotz Bestnote keinen Job: "Alle ziehen an mir vorbei"

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"ZDF.reportage: Jung, qualifiziert und trotzdem kein Job"
Akademikerin Suna Coban ist hochqualifiziert, findet aber nur schwer einen Job.
ZDF/ Dennis Heislitz
"ZDF.reportage: Jung, qualifiziert und trotzdem kein Job"
Ewa Krzyzanowska hat sich, trotz abgeschlossenen Studiums, für eine Ausbildung zur Tischlerin entschieden.
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"ZDF.reportage: Jung, qualifiziert und trotzdem kein Job"
Lukas hat Maschinenbau studiert, findet aber keine Anstellung.
ZDF/ Dennis Heislitz

Trotz guter Voraussetzungen finden viele junge Akademiker keinen Einstieg ins Berufsleben. Die ZDF-Reportage "Jung, qualifiziert und trotzdem kein Job" begleitet sie auf der frustrierenden Suche nach einer Stelle und zeigt, warum selbst qualifizierte Bewerber oft lange auf Angebote warten.

Im Februar 2026 zählte die Bundesagentur für Arbeit 46.962 arbeitslose Akademiker unter 30 Jahren. Mit ihrem Hochschulabschluss gelten sie eigentlich als gut qualifiziert für den Berufseinstieg - doch die Realität sieht oftmals anders aus. So wie bei Suna Coban.

Die Chemikerin schloss Ende 2025 ihre Promotion mit Bestnote ab. Mit ihrer Doktorarbeit gehörte sie sogar zu den besten zehn Prozent in Deutschland. Dennoch blieb der erhoffte Start ins Berufsleben aus, wie sie in der "ZDF-Reportage Jung, qualifiziert und trotzdem kein Job" berichtet.

"All die Leute fühlen sich einfach im Stich gelassen"

Mehr als elf Jahre studierte und forschte Suna in Münster und den Niederlanden, ehe sie ihre Promotion abschloss. Rückblickend sagt sie: "Meine Erwartungshaltung war, dass ich nach meinem Studium auf einen sicheren Jobmarkt stoße." Dafür hatte sie einen klaren Plan vor Augen. Sie strebte eine Industriekarriere "mit einem anwendungsbezogenen Projekt in einem Labor" an und hoffte, langfristig auch eine Führungsposition übernehmen zu können.

Doch trotz eines "perfekten Lebenslaufs" findet Suna keine Stelle. Die Chemikerin weiß, dass sie mit dieser Situation in ihrer Branche nicht alleine ist. Ihr Eindruck: "All die Leute, die gerade da sind, wo ich bin, die fühlen sich einfach im Stich gelassen."

Als Übergangslösung forscht sie weiter an der Universität Twente und arbeitet dort an der Entwicklung nachhaltiger Pflanzenschutzmittel. Die Stelle ist befristet, zudem hängt der Fortschritt ihrer Forschung von der Finanzierung ab. Damit sie nach ihrer befristeten Stelle weiter forschen kann, benötigt sie ein Stipendium. "Das ist natürlich sehr deprimierend, weil es sowas wie ein Abschlussdatum für mich gibt", klagt die Chemikerin.

Master-Absolventin verschickte mehr als 300 Bewerbungen

Auch das regelmäßige Pendeln belastet die sie. Während der Woche wohnt sie in einem Zimmer nahe der Universität, an den Wochenenden fährt sie zurück zu ihrem Mann nach Gelsenkirchen. Die Situation sei "sehr belastend": "Es gibt keine Sicherheit und ich habe das Gefühl, ich werde auch immer nur älter. Alle ziehen an mir vorbei, gründen eine Familie und haben Sicherheiten durch einen Job." Mittlerweile hat sich Suna auf rund 60 Stellen beworben. Rückmeldungen bekam sie nur wenige. Sie berichtet: "Teilweise habe ich gesehen, dass Stellen neu ausgeschrieben wurden. Das heißt, ich wurde geghosted."

Auch Alina Pochat kennt das Gefühl, vergeblich auf eine Rückmeldung von potenziellen Arbeitgebern zu warten. Die 28-Jährige aus Berlin hat einen Master in International Business abgeschlossen, ein Auslandssemester in den USA verbracht und kann bereits erste Berufserfahrung vorweisen. Nach ihrem Abschluss wollte sie in der Marketingbranche Fuß fassen - doch auch sie blieb lange erfolglos.

In den vergangenen sieben Monaten führte die Berlinerin 30 Bewerbungsgespräche und verschickte insgesamt mehr als 300 Bewerbungen. Dabei gibt sie zu bedenken: "Da geht es einfach nur noch darum, den Fuß in der Tür und überhaupt einen Job zu haben. Nicht darum, dass das jetzt die Traumstelle oder das Traumunternehmen ist. Danach kann ich gar nicht mehr gehen."

Berufseinsteigerin stellt klar: "Wir wollen schon arbeiten, aber in einem gesünderen Rahmen"

Als einen Grund für die schwierige Lage auf dem Arbeitsmarkt nennt sie den zunehmenden Einsatz Künstlicher Intelligenz. "Mein Eindruck ist in Bezug auf KI, dass gerade die Einstiegspositionen recht gut durch KI ersetzt werden können", merkt Alina an. Unternehmen würden ihrer Wahrnehmung nach verstärkt nach erfahrenen Fachkräften suchen, um die Positionen zu besetzen, die nicht von einer KI übernommen werden können.

Die 28-Jährige hat sich zusätzlich Hilfe bei einer Karriere-Coachin geholt. Für Malaika Gutekunst ist Alina ein "typischer Fall". Laut der Expertin gehöre sie zu der "jungen Generation, die diesen Anspruch hat, zum Beispiel Wertschätzung im Job zu erleben". Alina Pochat möchte sich nicht mit dem erstbesten Job zufriedengeben. Den Vorwurf, dass ihre Generation einfach zu faul ist, weist sie klar zurück: "Es gibt dieses Klischee: Die wollen nicht arbeiten. Das stimmt nicht ganz - wir wollen schon arbeiten, aber in einem gesünderen Rahmen."

Für die 28-Jährige zahlt sich ihre Geduld schließlich aus. Wie in der Reportage zu sehen ist, erhält sie wenige Wochen nach dem Dreh ein Jobangebot. Ein Erfolg, mit dem die Berufseinsteigerin nach der monatelangen Suche kaum noch gerechnet hatte: "Als der Anruf kam, habe ich mich gefühlt, als hätte ich einen Sechser im Lotto gewonnen!"

Die "ZDF.reportage: Jung, qualifiziert und trotzdem kein Job" ist am Samstag, 20. Juni, um 17.30 Uhr im ZDF zu sehen und schon jetzt in der Mediathek zu finden.

Quelle: teleschau – der mediendienst