Peter Altmaier lässt sich bezüglich Merz-Umfragen nicht aus der Reserve locken: "Von Angela Merkel gelernt"
Autor: Natascha Wittmann
, Mittwoch, 15. Juli 2026
Bei "Markus Lanz" weigerte sich Peter Altmaier, mit dem aktuellen CDU-Kanzler Friedrich Merz abzurechnen. Trotz stichelnder Fragen des ZDF-Moderators verweigerte er persönliche Kritik und erklärte seinen Kurs mit einem Verweis auf seine frühere Chefin: Angela Merkel.
Die Unzufriedenheit mit der schwarz-roten Koalition ist groß und besonders Bundeskanzler Friedrich Merz steht unter Druck. In einer aktuellen Forsa-Umfrage erreicht der CDU-Politiker gut 14 Monate nach Amtsantritt einen neuen Negativrekord. Bei "Markus Lanz" nahm der Moderator das am Dienstagabend zum Anlass, die Stimmung im Land zu vermessen und zugleich einen Vergleich zu früheren Kanzlern zu ziehen.
Schon zu Beginn stichelte Lanz gegen den anwesenden SPD-Politiker Wolfgang Schmidt: "Wie froh sind Sie, dass Friedrich Merz nach nur einem Jahr Ihren Kanzler, Olaf Scholz, in der nach unten offenen Beliebtheitsskala der unbeliebtesten Kanzler aller Zeiten direkt abgelöst hat?" Schmidt antwortete offen: "Nicht froh, tatsächlich. Also ich würde mir immer wünschen, dass auch Olaf Scholz beliebter gewesen wäre, aber ich glaube, es ist für unsere Demokratie nicht wirklich gut, dass die Kanzler jetzt alle im Prinzip seit mehreren Jahren unbeliebt sind."
Lanz ließ jedoch nicht locker und wollte Zahlen hören. Er fragte: "Der Tiefstwert von Olaf Scholz - haben Sie das noch im Kopf?" Als Schmidt mit einem klaren "Nein" antwortete, konterte der ZDF-Moderator: "Sie wissen es ganz genau!" Schmidt blieb dabei und entgegnete: "Nein, tatsächlich nicht." Lanz wandte sich daraufhin an Melanie Amann: "Ist das glaubwürdig, wenn er das sagt?" Die Journalistin reagierte nüchtern: "Ich glaube, er hat sie alle im Kopf."
Lanz griff den Ball auf und sagte: "Er hat sie im Kopf und tut jetzt so, als hätte er sie verdrängt. Der Tiefstwert für Olaf Scholz waren 18 Prozent." Lanz fügte gleichzeitig hinzu, dass der Tiefstwert von Friedrich Merz bei "13 Prozent" liege. Melanie Amann ordnete die Werte ein und betonte, es gehe nicht nur um eine Person. "Es liegt auch anderen Faktoren. Aber es liegt natürlich auch an der Art, wie er mit den Menschen spricht. An der Performance der Regierung. An dem, was vorgezeigt werden kann an Erfolgen und eben an Nicht-Erfolgen."
Peter Altmaier: "Ich bin kein Statistiker der Umfragezahlen"
Auch Peter Altmaier sah Gründe für die Enttäuschung der Bürger und verwies auf die Erwartungen, die vor der Wahl geweckt wurden. Die Enttäuschung sei demnach "vorprogrammiert" gewesen, weil "die politischen Parteien der Mitte" sich "vor der letzten Bundestagswahl doch den Mund ziemlich vollgenommen" hätten, so Peter Altmaier.
Lanz bohrte prompt nach und wollte mit Blick auf Angela Merkel wissen: "Haben Sie noch die Werte von Angela Merkel im Kopf?" Altmaier antwortete unbeeindruckt: "Ja, aber damit möchte ich nicht angeben." Dann schob er hinterher: "Ich bin kein Statistiker der Umfragezahlen. Das hat mich nie interessiert. Man soll auch nicht nach Beliebtheit schielen."
Lanz setzte dennoch zum Vergleich an und erklärte: "Der Tiefstwert, während Sie Kanzleramtschef waren, waren 46 Prozent. Heute ein undenkbarer Wert!" Den schlechtesten Merkel-Wert bezifferte er auf "40 Prozent". Altmaier wiederum verwies auf Unterschiede in der Regierungsarbeit und forderte für die Gegenwart mehr Handwerk und Ergebnisorientierung: "Es geht darum, dass man den Mut hat, die Dinge so lange vorzubereiten und zu diskutieren, bis am Ende dann auch ein vorzeigbares Ergebnis rauskommt." Außerdem erinnerte er an die Rolle des Kanzleramts: "Das Kanzleramt ist der Ort in der Republik, wo das gesamtstaatliche Interesse zusammengedacht wird - also Bund und Länder übergreifend."