Druckartikel: Para-Sportlerin Anna-Lena Forster in der "NDR Talk Show": "Ich will kein soziales Engagement"

Para-Sportlerin Anna-Lena Forster in der "NDR Talk Show": "Ich will kein soziales Engagement"


Autor: Marko Schlichting

, Samstag, 10. Januar 2026

Nach den Olympischen Winterspielen in Italien steigen auch in diesem Jahr wieder die Paralympics. Am Freitagabend ist eine der deutschen Medaillenhoffnungen der diesjährigen Spiele der Menschen mit Behinderung Gast in der "NDR Talk Show": die Skisportlerin Anna-Lena Forster.


Es ist Schneechaos in Norddeutschland am Freitagabend. Zwei Krisenerprobte Moderatorinnen präsentieren die "NDR Talk Show": Bettina Tietjen und Barbara Schöneberger. Und sie präsentieren eine besondere Sendung, denn viele ihrer geplanten Gäste müssen absagen. Sie können nicht nach Hamburg zum NDR kommen.

Doch einer Frau kann Schnee nichts anhaben. Sie lebt dafür und damit. Sie ist eine deutsche Medaillenhoffnung für die Paralympischen Winterspiele im März in Italien: Anna-Lena Forster. Neun Medaillen hat sie schon bei Paralympischen Spielen geholt. 18 Mal stand sie bei Weltmeisterschaften auf dem Treppchen, mehr als vierzig Weltcupsiege hat sie eingefahren.

"Es geht grade drunter und drüber", erzählt die sympathische junge Frau, die noch am Freitagmorgen in München war. Dort musste sie ausprobieren, was sie bei den Paralympics anziehen wird. "Morgen geht es zum nächsten Weltcup." Weitere Weltcups stehen noch bevor, bis es dann Ende Februar ins italienische Cortina geht. "Aber da sind trotzdem noch alle Gefühle mit dabei", lacht Anna-Lena Forster.

"Vor allem habe ich eine riesengroße Vorfreude, weil es endlich mal Spiele in Europa sind." Zum vierten Mal ist sie bei den Paralympischen Spielen dabei. Diesmal kommt auch ihre Familie. "Es gibt ein großes Fest. Italien weiß, wie man solche Veranstaltungen ausrichtet", freut sie sich.

"Ich habe mich unter meinen Mitstreitern sofort wohlgefühlt"

Die 29-jährige kommt mit verkürzten Beinen zur Welt. "Auf der rechten Seite habe ich einen verkürzten Oberschenkel, auf der linken Seite kommt nach dem Oberschenkel gleich der Unterschenkel und der Fuß", beschreibt sie ihre Beeinträchtigung. Schon früh entdeckt sie ihre Liebe zum Skisport.

Dass sie eine Behinderung hat, ist ihr egal. Sie kann eigentlich nicht Skifahren. Monoski nennt man das, womit sie erfolgreich ist. Anna-Lena Forster beschreibt es so: "Man muss eine ganz andere Balance haben, als wenn man mit beiden Beinen auf den Skiern steht. Man kann deutlich weniger kompensieren, und man holt den Schwung aus der Hüfte. Das ist natürlich alles sehr komplex bei uns. Man kann sagen: Monoski fahren ist anders als das normale Skifahren."

Ihre Eltern haben Anna-Lena Forster von Anfang an gefördert, obwohl bei ihrer Geburt nicht einmal klar war, ob sie überhaupt sitzen können würde. "Meine Eltern haben sich aber nicht reinreden lassen und alles so gemacht, wie sie es auch bei meinem älteren Bruder gemacht haben", erzählt Anna-Lena Forster. "Was meine Eltern mir vorgemacht haben, habe ich aufgenommen."

Schon als Kind wollte sie sich nicht von ihrer Behinderung beeinträchtigen lassen. Darum ist sie schon in ganz jungen Jahren auf Inlinern durch die Gegend gebrettert. Später kam dann das Monoski-Fahren dazu, in einer besonderen Gruppe mit anderen behinderten Menschen. "Ich habe mich unter meinen Mitstreitern sofort wohlgefühlt, weil wir Gleichgesinnte waren", erzählt sie in der "NDR Talk Show".

"Jeder hat seine Behinderung mitgebracht, aber es war total normal, eine zu haben", erzählt Forster. "Man konnte sich auf einer ganz anderen Ebene austauschen, weil man genau verstanden hat, was der andere meint, was er fühlt und was er so im Leben tut. Als Kind war mir das nicht bewusst. Aber jetzt weiß ich, wie viel mir das für mein jetziges Leben gebracht hat, in einem Team mit Menschen mit einer Behinderung aufzuwachsen, in einem Team, in dem man sich normal fühlt."

Sponsoren versuchten Anna-Lena Forster mit Schokolade abzuspeisen

In den letzten Jahren habe sich im Behindertensport viel getan. "Es gibt nichts mehr, was es nicht gibt", sagt die Sportlerin. "Man kann schon so viel mit einer Behinderung machen. Das Problem ist eher die Finanzierung solcher Sportgeräte. Die sind natürlich viel teurer als ein Fahrrad von der Stange aus dem Laden. Das finanziert einem keiner, auch die Krankenkasse beteiligt sich normalerweise nicht. Das macht es schwierig, den Zugang zu dem Parasport zu bekommen."

Schwierig sei es auch, Sponsoren zu interessieren. "Am Anfang haben mir viele Sponsoren abgesagt mit der Begründung, dass sie sich bereits sozial engagieren. Aber ich will kein soziales Engagement. Ich war damals schon Leistungssportlerin und wollte einfach nur weiterkommen." Es habe Sponsoren gegeben, die sie mit Schokolade und anderen Süßigkeiten abgespeist hätten, erzählt sie.

Da habe sich in den letzten Jahren viel getan. "Aber wir sind noch lange nicht auf Augenhöhe mit dem olympischen Sport." Viel Interesse sei vor allem dadurch geweckt worden, dass die Paralympics vermehrt in Medien wie ARD und ZDF und in sozialen Medien gezeigt werden. Die berichten auch im März wieder über die Paralympischen Winterspiele - und über die Siege, die Anna-Lena Forster hoffentlich einfahren wird.

Quelle: teleschau – der mediendienst