Oskar (10) hat fünf Elternteile - während ZDF-Dreh kommt es zur Trennung
Autor: Paula Oferath
, Dienstag, 16. Juni 2026
Zwei Mütter, zwei Väter und eine Stiefmutter: Oskars Familie ist alles andere als gewöhnlich. Eine ZDF-Reportage begleitet den Jungen und seine "Regenbogenfamilie" durch den Alltag - und eine schmerzhafte Trennung.
"Ich habe halt eben mehr Familienmitglieder als Normale", sagt Oskar und bringt damit auf den Punkt, was seine Familie so besonders macht. Für die ZDF-Reportage "37°: Meine ziemlich bunte Familie" wurde der zehnjährige Junge mit der Kamera begleitet.
Gemeinsam lebt Oskar mit seiner Mutter Judith, ihrer Partnerin Rita und seinem Stiefbruder Valentin in München. Rita und Judith sind seit fünf Jahren ein Paar. Beide Jungen stammen aus früheren Beziehungen. Der Begriff "Regenbogenfamilie" gefällt Oskar besonders gut. "Es zeigt halt eben, dass sie bunt ist - verschieden", erklärt er. Dass es während der Dreharbeiten noch zu einer Trennung kommen wird, die Oskars Leben gewaltig auf den Kopf stellt, ahnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand.
In einer Regenbogenfamilie wachsen Kinder auf, deren Eltern lesbisch, schwul, trans oder nichtbinär sind. Oskars Familienkonstellation ist dabei besonders vielfältig. Neben seiner leiblichen Mutter Judith hat er noch eine weitere Mutter, seine Adoptivmutter Andrea. Im Wochenrhythmus pendelt der Junge zwischen beiden Frauen hin und her. Wenn wichtige Entscheidungen anstehen, setzen sich die Mütter, die einst verheiratet waren, zusammen und besprechen alles gemeinsam.
"Ich kann halt kein männliches Vorbild sein"
Für Oskar steht bald der Wechsel auf die weiterführende Schule an. Für Mutter Judith ein emotionaler Schritt. Das bereite ihr "Bauchkribbeln", sagt sie. Besonders die bevorstehende Pubertät beschäftigt sie. Diese werde "eben schwierig, wenn man anders ist", befürchtet die 41-Jährige. Das Sorgerecht teilen sich Judith und Ex-Frau Andrea. Doch auch Stiefmutter Rita sowie zwei Väter übernehmen Verantwortung für den Jungen.
Alle zwei Wochen verbringt Oskar Zeit bei Herbert und dessen Ehemann Christian, die ebenfalls in München leben. Herbert ist Oskars leiblicher Vater. Kennengelernt haben sich Herbert, Judith und Andrea einst auf einer Vernissage. Dort tauschten sie Telefonnummern aus. Vier Wochen später klingelte Herberts Telefon. Judith fragte ihn, ob er sich vorstellen könne, Vater ihrer Kinder zu werden.
"Ich war sehr überrascht", erinnert sich Herbert. Nach einiger Zeit habe er beschlossen, dass er es "probieren könne". Von Anfang an sei klar gewesen, dass Herbert eine aktive Rolle in Oskars Leben spielen würde. "Ich bin nicht der Überzeugung, dass es gut ist, wenn ein Kind nicht weiß, wer sein Vater ist", sagt er. Auch Judith hält männliche Bezugspersonen für wichtig. "Ich kann halt kein männliches Vorbild sein", erklärt sie.
Zwischen Trennungen und Schulanfang
Doch während der Dreharbeiten nimmt das Familienleben eine unerwartete Wendung. Rita trennt sich von Judith. Für Oskar bedeutet das einen schmerzhaften Einschnitt. Gemeinsam mit seiner Mutter zieht er vorübergehend zu Andrea, bis Judith eine eigene Wohnung findet. Besonders die Trennung von seinem Stiefbruder Valentin belastet den Jungen.