Druckartikel: Norbert Röttgen warnt bei Maybrit Illner vor "massivem Schaden" durch Iran-Deal

Norbert Röttgen warnt bei Maybrit Illner vor "massivem Schaden" durch Iran-Deal


Autor: Doris Neubauer

, Freitag, 19. Juni 2026

"Trumps Frieden mit Iran - Desaster oder Durchbruch?" Bei Maybrit Illners Talkshow-Gästen hätte die Antwort auf diese Frage kaum eindeutiger ausfallen können. ZDF-Journalist Elmar Theveßen griff sogar zu einer ausdrucksstarken Fußballmetapher.


"7:1 für den Iran": Nein, der Leiter des ZDF-Studios in Washington, Elmar Theveßen, ist anlässlich der aktuellen FIFA Fußball-Weltmeisterschaft für "Maybrit Illner" nicht unter die Sportreporter gegangen. Vielmehr deutete er mit dieser Fußballanalogie das Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran. Nicht nur Theveßens Urteil fiel verheerend aus, auch "die Amerikaner stehen dem Ganzen sehr kritisch gegenüber", berichtete er. Während die breite Bevölkerung auf eine Verbesserung der eigenen Situation hoffe, ohne die Konsequenzen für das iranische Volk oder die Region zu berücksichtigen, sei das Abkommen ein politischer Aufreger: Sogar von "Kapitulation" sei die Rede.

"Kapitulation will ich als Wort vermeiden", meinte Islamwissenschaftler und Nahostexperte Guido Steinberg, sprach aber angesichts der für die nächsten Wochen vereinbarten Maßnahmen - darunter die Öffnung der Straße von Hormus auch für iranische Ölexporte - von einem "großen Sieg für die islamische Republik und einer Niederlage für die USA." Es könnte der Beginn der iranischen Hegemonie in der Region sein, warnte er.

"Das ist die Rettung des Regimes durch Donald Trump - und damit habe ich nicht gerechnet", sagte CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen, der den Deal als "Worst Case" bezeichnet. Es sei eine "strategische Niederlage der Vereinigten Staaten von Amerika auf ganzer Linie." Trump habe den Krieg gegen den Iran verloren, fügte er hinzu und warnte vor langanhaltenden Auswirkungen nicht nur auf die Region. Die Gefahr für künftigen Terror sei wieder begründet worden. "Das ist eine Selbstschwächung der USA, die uns massiv schadet", fasste er zusammen. Er kritisierte, dass die Europäer vom amerikanischen Präsidenten weder vor dem Krieg noch vor dessen Ende konsultiert wurden: "Wir wären nicht für Krieg gewesen, aber auch nicht für diese Beendigung."

"Rückgratlos": Deutsch-Iranerin Minu Barati empört über Kanzler Merz

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Fraktion schlug damit andere Töne an als etwa Bundeskanzler Friedrich Merz, der das Abkommen begrüßt und vom Ende des staatlichen Terrors durch den Iran gesprochen hatte.

"Dass dem Bundeskanzler die Preise an der Tankstelle mehr interessieren als das Leid der iranischen Bevölkerung, ist offensichtlich", kritisierte die deutsch-iranische Filmproduzentin Minu Barati. Für sie sei Merz' Aussagen "rückgratlos", schließlich habe der Kanzler dem Regime noch im Januar jede Legitimation abgesprochen.

"Da muss ich den Kanzler in Schutz nehmen", erwiderte Steinberg und tat genau das, nämlich Merz verteidigen. Merz und die G7 Staatschef hätten keine andere Wahl gehabt, erklärte er. "Bei all der Lobhudelei ging es nur darum, Donald Trump milde zu stimmen". Steinberg: "Wir brauchen die Amerikaner, und die Ukraine ist viel wichtiger für die europäische Sicherheit", analysierte er die Lage.

Dem stimmte auch Friedensforscherin Nicole Deitelhoff zu, zeigte sich aber "ein bisschen irritiert, dass alle so überrascht sind über den Deal." Dieser sei zwar "bitter, aber nicht überraschend", fügte sie hinzu und bezeichnete das Memorandum als einen "Durchbruch". Immerhin sei so wieder eine Verhandlungssituation entstanden - und das sei die bessere Alternative, als den Krieg weiterlaufen zu lassen.

"Das ganze Memorandum steht auf sehr, sehr wackligen Beinen."

"Was ist die Alternative?", hakte Maybrit Illner ein: "Weiterbomben, um vom Worst Case wegzukommen?"

"Zumindest hätten man die Verhandlungen unter Feuer führen müssen", lautete Steinberg's Antwort. Donald Trumps "Schlingerkurs zwischen fürchterlichen Drohungen und dann immer wieder Gesprächsangebot" sei ein schwerer Fehler gewesen. Die USA und Israel hätten die militärischen Ziele weiterverfolgen sollen: "Es wäre ohne Weiteres möglich gewesen, den Druck aufrechtzuerhalten und den Verbündeten am Golf zu sagen, dass sie sich intensiver wehren sollten", so der Islamwissenschaftler.

Entschiedener Widerspruch kam von Theveßen. "Wenn er (Anm.: Trump) all die Angebote dieses Memorandum im Februar auf den Tisch gelegt hätte, (...) hätten die Europäer und der Rest der Welt aufgeschrien", sagte er. "Jetzt legt er die gleichen Dinge auf den Tisch - und Europa und die G7 sagen: ganz toll." Gleichzeitig sei auch dieses Abkommens längst nicht unter Dach und Fach: "Alle wissen in Washington, dass Benjamin Netanjahu diesen Deal und dieses Abkommen zum Scheitern bringen kann", machte der ZDF-Korrespondent klar.

"Aber auch die USA und der Iran", fügte Deitelhoff hinzu. Der Iran habe gelernt, dass die USA selbst während Verhandlungen angreife, und Trump könnte bei innenpolitischem Druck wieder zu den Waffen greifen. Kurz: "Das ganze Memorandum steht auf sehr, sehr wackligen Beinen."

Quelle: teleschau – der mediendienst