"Nett bitten wird nicht reichen": Warum die Gewaltbereitschaft unter Linksextremen zunimmt
Autor: Teleschau
, Freitag, 06. November 2026
Warum entwickelt sich Engagement zu Extremismus? Und wohin soll das alles führen? Eine ZDF-Dokumentation analysiert die Ziele einer sich radikalisierenden linken Bewegung - und die Gefahrenpotenziale für unsere Gesellschaft.
Pyro-Attacke gegen Hochspannungsleitungen, Sabotageakte gegen Bahnstrecken. Und natürlich der Brandanschlag auf das Kraftwerk in Berlin Lichterfelde. Anfang Januar wurden über 45.000 Haushalte, über 2.000 Gewerbebetriebe und auch fünf Krankenhäuser in den Stadtteilen Nikolassee, Wannsee, Zehlendorf und Lichterfelde von Strom und teilweise Heizung abgeschnitten - bei winterlichen Minusgraden. Zu Letzterem bekannte sich die linksextremistische beziehungsweise anarchistische "Vulkangruppe".
"Protest, Sabotage, Gewalt" - der Untertitel der ZDF-Dokumentation "Inside Linksextrem" von Rainer Fromm scheint für eine Entwicklung zu stehen: Wenn Demonstrationen nicht mehr reichen, um Ziele zu erreichen, kommt es zu Sabotageakten. Und dann zu Gewalt? "Die Gewaltakzeptanz scheint gewachsen", sagt Sven Kurenbach, der Vize-Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA). Die Attacken hätten zugenommen, fänden nicht mehr wöchentlich, sondern fast täglich statt. Mit "verheerenden" Folgen.
Warum wird Engagement zu Extremismus? Fran vom Klimaschutzbündnis "Ende Gelände", das vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) als linksextremistischer Verdachtsfall eingestuft wird, sagt in der Doku: "Wir kämpfen gegen eine milliardenschwere Industrie. Nett bitten wird uns nicht die Veränderung bringen, die es braucht, damit wir alle weiter existieren können auf diesem Planeten." Sie setzen sich für eine gerechtere, bessere Welt ein. Und wenn man sie nicht erhört?
"Man möchte zurück in vorindustrielle Zeiten"
"Gewalt wird damit legitimiert, dass sie notwendig ist, um die bessere Gesellschaft herbeizuführen", sagt Extremismusforscher Prof. Hendrik Hansen. Als "Notwehrakt gegen das Wirtschaftssystem" sah die "Vulkangruppe" ihren Januar-Anschlag in Berlin. "Wir brauchen eine Internationale der Verweigerung eines Fortschritts, der nur auf Zerstörung, Mord und Raub basiert", hieß es im Bekennerschreiben, einem von "Hunderten der gewaltbereiten Szene", die für die Dokumentation ausgewertet wurden.
Kritis, also kritische Infrastruktur, anzugreifen, bedeute "die Hauptader der Unterwerfung des Menschen durch den Menschen und der Natur anzugreifen", hieß es weiter. Seit Mai 2011 verübte die "Vulkangruppe" elf Anschläge gegen die Stromversorgung.
Die Radikalen sähen die "moderne Technik als Ursache für ökologische Zerstörung, Kriege und menschliche Entfremdung", meint Isabelle Holz vom Netzwerk Terrorismusforschung. Das theoretische Rezept der Täter, so Holz: "Man möchte zurück in vorindustrielle Zeiten." Die Logik dahinter: "Würden wir Industrialisierung umkehren, hätten wir keine Klimaprobleme mehr. Wenn man unsere Welt zerstörte, würde die bessere Welt warten." Das erklärt auch, warum besonders Betriebe der Autoindustrie, Rüstungsunternehmen und Energieversorger im Fokus der Saboteure stehen.
Spielen linksradikale Anschläge Putins Russland in die Karten?
Die Ziele der linksextremen Gruppierungen sind so vielfältig wie die Gruppen selbst in ihrer detaillierten Ausrichtung. Antikapitalismus, Umweltschutz, Antifaschismus, Antirassismus, Wut gegen alte und neue Nazis, Wut auch gegen Israel, Antiimperialismus, Streben nach Herrschaftsfreiheit und Systemumsturz.