Im Podcast "Politik mit Anne Will" spricht Cem Özdemir unter anderem über sein Vorhaben, die Gebühren für das letzte Kita-Jahr in Baden-Württemberg abzuschaffen. Als die Moderatorin den Vergleich zu Berlin zieht, lässt sich der Grünen-Politiker eine Spitze gegen die Hauptstadt nicht nehmen.
In Berlin, betont Anne Will, sei "jedes Kita-Jahr kostenfrei". Für Baden-Württemberg gilt dies nicht. Dort, in Stuttgart, zeichnete die ehemalige Polittalkerin am Mittwoch ihren Podcast "Politik mit Anne Will" auf - gemeinsam mit Journalistin Kristina Dunz, Moderatorin Katrin Bauerfeind und dem designierten Ministerpräsidenten Cem Özdemir. Letzterer hatte in seinem Wahlkampf angekündigt, die Gebühren für das letzte Kita-Jahr in seinem Bundesland abzuschaffen.
Dass die Kindertagesbetreuung in Berlin bereits seit 2018 gänzlich kostenfrei ist, weiß auch Cem Özdemir. "Und wir zahlen es", merkt er trocken an. Er sei der Auffassung, dass die "Erfolgschance in der Gesellschaft" nicht vom Bildungsgrad oder Vermögen der Eltern abhängig sein dürfe. Sondern davon, "ob du deine Ärmel hochkrempelst, anpackst. Das kann das einzige Kriterium in der Demokratie sein - niemals der Geldbeutel oder der Beruf der Eltern."
Da stimmt Anne Will "voll zu". Genau deshalb plädiere sie "seit Urzeiten" für eine bundesweite Abschaffung der Kita-Gebühren. "Das würde ich auch gerne machen", sagt Özdemir. "Ich habe schlicht das Geld nicht." Unter lautem Gelächter des Publikums erklärt der Grünen-Politiker: "Ich kann nicht wie in Berlin rechnen. Bei uns konnte man Mathematik an den Schulen nicht abwählen."
"Mir würde jetzt auch viel einfallen mit dem Bundeskanzler"
Die Moderatorin scheint ebenfalls belustigt von Özdemirs Spitze gegen die Hauptstadt. "Das kennt man sonst nur von Markus Söder, das so gesprochen wird über Berlin", stellt sie verwundert fest. Einen Seitenhieb gegen die schwarz-rote Koalition schiebt der einstige Landwirtschaftsminister dann gleich hinterher: "Wir verfügen auch nicht im Gegensatz zur Bundesregierung über einen Dukatenesel, über Schulden, die dann künftige Generationen zurückzahlen. Sondern wir müssen halt schauen, wie wir mit dem Geld auskommen."
Obwohl er an anderer Stelle erklärt, sich nicht "an Friedrich-Merz-Bashing" beteiligen zu wollen, teilt Özdemir im Laufe der Show auch gegen den Regierungschef aus. "Mir würde jetzt auch viel einfallen mit dem Bundeskanzler", sagt er, als seine Gesprächspartnerinnen sich über dessen fehlendes Feingefühl in der öffentlichen Kommunikation echauffieren. "Aber das nützt ja nichts", findet Özdemir: "Man muss mit dem arbeiten, was man hat."
Quelle: teleschau – der mediendienst