Nach Frankfurter "Tatort": Welche Häuser sind von einer Brandkatastrophe bedroht?
Autor: Eric Leimann
, Donnerstag, 19. März 2026
Die Cold Case-Ermittler Hamza Kulina (Edin Hasanovic) und Maryam Azadi (Melika Foroutan) untersuchten im Frankfurter "Tatort" eine fünf Jahre zurückliegende Brandkatastrophe in einem Frankfurter Hochhaus. Der Krimi bezog sich auf einen echten Fall - dem weitere folgen könnten.
Frankfurt und die Figuren Hamza Kulina (Edin Hasanovic) sowie Maryam Azadi (Melika Foroutan) - das passt. Gerade wurde ihr Debüt-Fall, der "Tatort: Dunkelheit", mit dem begehrten Grimme-Preis ausgezeichnet. Ein Coup des Hessischen Rundfunks, denn vielen Krimis mit zynisch-kaputten Ermittlern geht genau die Menschlichkeit ab, die die Cold-Case-Ermittler auszeichnet.
Auch der dritte Frankfurt-Fall, dem "Tatort: Fackel", handelt von Gerechtigkeit - und Empathie mit den Opfern. Der Krimi, bei dem Schauspielstar Tom Schilling am Drehbuch mitschrieb, sollte jedoch auch aufrütteln. Brandkatastrophen wie im Film drohen auch in der echten Welt.
Worum ging es?
Die namenstiftende "Fackel" brannte vor fünf Jahren im fiktiven Frankfurter Goliathviertel, aus dem auch Kommissar Kulina stammt. Ein 50 Meter hohes Haus, in dem vorwiegend arme Leute wohnten, war offenbar mit billigem, leicht entflammbaren Dämmmaterial Klima-saniert worden. Deshalb, so die protestierenden Überlebenden und Angehörigen, sollte im Untersuchungsausschuss nun der Schuldige, Bauunternehmer Steffen Böttcher (Stephan Luca), zur Rechenschaft gezogen werden.
13 Menschen kamen damals ums Leben. Doch die Abschlussuntersuchungen könnten im Sande verlaufen. Hamzas Ex-Freundin Almila Adak (Seyneb Saleh) bat deshalb den Cold Case-Ermittler, den Fall kurzfristig noch mal aufzurollen. Mit Kollegin Azadi stieß er schnell auf Ungereimtheiten: Der damalige Brandermittler beging Selbstmord. Und Polizeikollege Christian Möller (Michaek Schenk) hatte den Fall wohl nur halbherzig untersucht.
Worum ging es wirklich?
"Tatort: Fackel" ist die erste realisierte Langfilm-Drehbucharbeit von Schauspielstar Tom Schilling, der den Krimi mit Sebastian Heeg erdachte und zu Papier brachte. Zum einen ist der Fall ein klassischer Gesellschaftskrimi. Es geht um die Schuld jener, die sich vertreten von teuren Anwaltsheeren gerne aus der Verantwortung stehlen: große Unternehmen und Konzerne, die zum Wohle des eigenen Geldbeutels und der Shareholder der Versuchung erliegen, vorhandene Schuld von sich zu weisen - auch wenn die menschliche Moral etwas anderes verlangen würde.
Darüber hinaus wird die persönliche Geschichte von Hamzas Freundin und den oft migrantisch geprägten Menschen im Viertel erzählt, die in ihrem Leid gesehen werden wollen - aber nicht die Mittel dazu haben, so wie Wirtschaftsunternehmen, die angedeuteter Weise im Krimi von der Politik unterstützt werden.
Welche Brandlkatastrophe diente als Vorbild?
Vorbild des fiktiven Frankfurter Falles war laut der Autoren und des Hessischen Rundfunks der Brand des Londoner Grenfell Tower am 14. Juni 2017. Dabei kamen 72 Menschen ums Leben, als sich ein in einer Wohnung im vierten Stock ausgebrochenes Feuer in kurzer Zeit über die Fassade des 24‑stöckigen Hochhauses ausbreitete. Auslöser war ein defekter Kühlschrank. Zur Katastrophe wurde das Ereignis jedoch vor allem durch die hoch brennbare Fassadenverkleidung und gravierende Sicherheitsmängel beim Umbau und Betrieb des Gebäudes.