Nach der Wahl stellt Thomas de Maizière bei Miosga fest: "Die AfD ist zu einer Partei der Hoffnung geworden"
Autor: Marko Schlichting
, Montag, 07. Sept. 2026
Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt deutlich gewonnen. Wie es nun weitergehen könnte, diskutiert Caren Miosga am Sonntagabend in ihrer ARD-Talkshow unter anderem mit Thomas de Maizière.
Der Wahlkrimi in Sachsen-Anhalt ist noch nicht zu Ende, als Caren Miosga am Sonntagabend ihre Talkshow startet. Klar ist aber: Die AfD ist der Wahlsieger des Abends. Sie hat mehr als 44 Prozent der Wählerstimmen bekommen. Die CDU hat ihr Wahlergebnis mehr als halbiert, und das BSW ist im Landtag in Magdeburg vertreten, genau wie Linke, Grüne und SPD. Die AfD hat die absolute Mehrheit nicht erreicht - doch ob Noch-Ministerpräsident Sven Schulze im Amt bleiben kann, ist mehr als unklar.
Die Diskussion in der ARD-Sendung ist ruhig und sachlich. Dafür sorgt vor allem Thomas de Maizière. "Tiefer Einschnitt", so beurteilt der ehemalige Bundesminister von der CDU das Abschneiden der AfD. "Ich würde mich auch innerlich darauf einstellen, dass die AfD regieren wird." Das bedeute auch eine totale Änderung des Gemeinschaftsföderalismus in Deutschland. Da ist sich de Maizière sicher.
"Die demokratischen Auseinandersetzungen werden ungemütlicher", sagt er. "Der AfD ist es gelungen, nicht nur Protest zu sammeln, unzufriedene. Sondern, das sage ich ungerne: Die AfD ist zu einer Partei der Hoffnung geworden. Die Hoffnung richtet sich darauf: Wir können ein Land sein, das von den Problemen der Welt möglichst nicht gestört werden soll. Und die zweite Hoffnung ist: Wenn wir nur wollen, können wir so sein, wie wir glauben, gewesen zu sein."
Thomas de Maiziére befürchtet "Machtübernahme auf Samtpfoten"
Der Politiker ist sich sicher: Die AfD wird am Ende in Sachsen-Anhalt den Ministerpräsidenten stellen. Das BSW werde seiner Einschätzung nach "alles tun, um der AfD letztlich in die Macht zu helfen", prophezeit er. Er befürchtet eine "Machtübernahme auf Samtpfoten". Die AfD versuche, das Feindbild, das sie bisher abgegeben habe, abzustreifen, darum werde die Argumentation gegen die Partei in Zukunft schwieriger werden. "Das ist taktisch klug, und für uns und für die anderen Parteien besonders schwierig."
AfD-Co-Chef Tino Chrupalla, der zwischenzeitlich ins Studio zugeschaltet wird, ist natürlich froh über das Ergebnis. Er will, dass seine Partei in Sachsen-Anhalt die Regierung übernimmt. "Das ist ein ganz klarer Wählerauftrag, den wir heute erhalten haben", sagt er im Gespräch mit Caren Miosga.
Und weiter: "Wir werden allen anderen Parteien die Hand strecken und auch zu Gesprächen einladen. Das ist unser Auftrag, den wir jetzt vollführen werden, und ich bin gespannt, wie die anderen Parteien reagieren. Denn wir haben es ja heute gesehen: Die Brandmauer ist abgewählt, die Bürger wollen endlich eine ehrliche Veränderung in diesem Land. Die CDU, Herr Schulze, ist ganz klar abgewählt. Also ich denke, damit liegt der Ball in unserem Feld, und als gute Demokraten werden wir natürlich auch versuchen, diese Gespräche zu führen."
"Herr Chrupalla, Sie sagen selbst, die Menschen in Sachsen-Anhalt verzeihen keine Wählertäuschung"
Es gebe Parteien, die so weitermachen wollten wie bisher, doch gerade für die CDU werde es das Ende bedeuten, wenn sie im Osten mit den Linken zusammenarbeiten würde. "Herr Chrupalla, Sie sagen selbst, die Menschen in Sachsen-Anhalt verzeihen keine Wählertäuschung. Das ist eine, oder?", fragt Miosga den AfD-Chef und spielt dabei auf die Aussage von Ulrich Siegmund an, der noch wenige Stunden zuvor klar gesagt hatte, ohne absolute Mehrheit wolle er nicht Ministerpräsident werden.