München-Krimi im Theater: Deshalb drehten die "Tatort"-Stars immer spät nachts
Autor: Elisa Eberle
, Montag, 22. Dezember 2025
Auf der Bühne des Residenztheaters starb im "Tatort: Das Verlangen" am Sonntagabend eine Schauspielerin. Die Dreharbeiten zu dem Münchner Krimi stellten das Ensemble um Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec vor besondere Herausforderungen.
Der vorletzte Fall der scheidenden Münchner "Tatort"-Kommissare Franz Leitmayr (Wachtveitl) und Ivo Batic (Nemec) führte das Duo ans Münchner Residenztheater: Dort war tags zuvor während einer Vorstellung die junge Schauspielerin Nora Nielsen (Giulia Goldammer) auf offener Bühne kollabiert. Die Dreharbeiten des Films "Tatort: Das Verlangen", der ausschließlich im Theater sowie den dazugehörigen Gebäuden spielte, stellte die Crew vor besondere Herausforderungen ...
Worum ging es im "Tatort: Das Verlangen"?
Der Tod von Nora war im Grunde ein unglücklicher Zufall in doppelter Hinsicht: Um ein Haar wäre die junge Frau am Tatabend gar nicht auf der Bühne gestanden. Denn kurz vor der Aufführung von Anton Tschechows Drama "Die Möwe" war Nora, die die Rolle der Nina spielte, wie vom Erdboden verschluckt. Aus der Not heraus hatten die Intendantin Freya von Kaltenberg (Anna Stieblich) und der Regisseur Akim Birol (Thiemo Strutzenberger) bereits einen Ersatz gefunden: Stella Papst (Luzia Oppermann) war bereits im Kostüm, als die Inspizientin Lara Frost (Stephanie Schönfeld) Nora weinend in einer der Duschkabinen in der Garderobe fand.
Nach gutem Zureden fasste Nora sich, zog ihr Kostüm an und betrat die Bühne, wo sie in ihrer allerletzten Szene aus einer Weinflasche trank, die laut Skript eigentlich ihr Spielpartner Carl Mayerkoff (Lukas T. Sperber) hätte leeren sollen. Für ihn also war der mit dem starken Schmerzmittel Tilidin versetzte Kirschsaft eigentlich bestimmt gewesen, an dessen Folgen letztlich Nora starb.
Vergiftet wurde das Glas von der Garderobiere Ria Jäger (Liliane Amuat): "Ich wollte ihn gar nicht umbringen. Ich wollte nur, dass er auch mal leidet", verteidigte sie sich. Als enge Vertraute von Nora wusste sie von der toxischen Beziehung, die Nora mit Carl führte. Eine ähnliche Beziehung zu dem Schauspieler hatte ein halbes Jahr zuvor bereits die junge Schauspielerin Lily Bach in den Freitod getrieben.
Worum ging es wirklich?
Die Ermittlungen in diesem höchst emotionalen Kriminalfall fanden ausschließlich in den Räumlichkeiten des Münchner Residenztheaters, auf dessen Bühne im großen Haus, auf einer Probebühne, hinter den Kulissen und in verschiedenen theatereigenen Werkstätten statt. Das Fernsehpublikum bekam so einen einmaligen Einblick in die Arbeitswelt der Schauspielerinnen und Schauspieler sowie einiger weiterer Berufe am Theater.
"Die Tatsache, dass dieser Tatort vollständig in einem Theater spielt, war für uns gleichermaßen ein großer Reiz und eine enorme Herausforderung", betonen Produzent Jakob Claussen und Producer Thomas Klimmer in einem gemeinsamen Statement zum Film: "Besonders hervorheben möchten wir, dass dies ohne die außergewöhnlich enge Zusammenarbeit mit dem Residenztheater (Bayerisches Staatsschauspiel) nicht möglich gewesen wäre. Dafür sind wir sehr dankbar."
Welche Schwierigkeiten brachte der "Tatort" mit sich?
Die besonderen Herausforderungen der Dreharbeiten beschrieb auch Hauptdarsteller Udo Wachtveitl in einem Interview mit der BR-"Abendschau": "Wir müssen natürlich drehen, wenn Sommerferien sind. Sonst kommen wir hier gar nicht rein." Die Spielzeitpause in den Sommerferien nutzt das Theater aber für gewöhnlich für Umbauarbeiten: "Das heißt, wir können immer erst um vier Uhr, wenn die normalen Bautätigkeiten zu Ende sind, anfangen", fährt der Schauspieler fort. Für die "Tatort"-Crew bedeutete das, dass die Dreharbeiten in der Regel bis zwei oder drei Uhr morgens anhielten.