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Joachim Gauck bei Miosga: Wirklich memorabel ist nur eine Anekdote über Waldimir Putin


Autor: Marko Schlichting

, Montag, 16. März 2026

Es ist der Sonntag zwischen zwei wichtigen Landtagswahlen. Und Caren Miosga lädt sich in ihre Talkshow den ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck ein. Über das geplante Thema wird nur wenig diskutiert.


"Ich hätte gerne noch eine Stunde länger gemacht", sagt der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck leise am Ende der Talkshow mit Caren Miosga in der ARD am Sonntagabend. Das ist leicht vorstellbar, denn die ARD mutet an diesem Abend den Zuschauern eine eher philosophische Talkshow zu. Das ist schön. Doch ob der Zeitpunkt zwischen zwei Wahlen mit bundespolitischer Bedeutung wirklich richtig gewählt ist, das ist fraglich.

Eigentlich will die Moderatorin mit ihren Gästen über die Demokratieverdrossenheit der Bundesbürger diskutieren, die durch eine neue Umfrage belegt zu sein scheint. Joachim Gauck wäre der Richtige, um sich dazu zu äußern. Doch dann sind da noch zwei andere Gäste. Julia Jäkel zum Beispiel. Sie hat unter anderem mit dem ehemaligen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück und dem ehemaligen Bundesminister Thomas de Maizière die "Initiative für einen handlungsfähigen Staat" ins Leben gerufen, welche die Bundesregierung in der Frage beraten soll, wie Demokratie attraktiver werden kann. Ein Jahr hat sie dafür gebraucht.

Schriftsteller hinterfragt Brandmauer gegen AfD

Herausgekommen sind etwa 250 Vorschläge, die sie in der Sendung am liebsten alle genannt hätte. Beim Bürokratieabbau ist es geblieben. So will die Initiative Berichtspflichten für Unternehmen abschaffen und die Digitalisierung in der Verwaltung fördern. Die Bundesregierung scheint ein offenes Ohr für ihre Vorschläge zu haben. Kein Wunder: Die Initiative wird aus staatlichen Geldern finanziert. Doch was das mit dem Verlust in das Vertrauen der Demokratie vieler Bürger zu tun hat, bleibt unklar.

Auch der Schriftsteller Lukas Rietzschel ist da, der laut ARD als eine der prägendsten Stimmen der ostdeutschen Nachwendegeneration gilt. Tatsächlich spielen seine bisher erschienenen Romane und Theaterstücke in der ostdeutschen Provinz und befassen sich mit den Identitätskrisen junger Menschen aus Ostdeutschland. Immerhin trägt der 32-jährige Künstler einen wichtigen Teil zur Diskussion bei, als er die Brandmauer der demokratischen Parteien gegen die AfD in Frage stellt. Demokratie bedeute auch Machtwechsel, sagt er.

Aber dann ist ja auch noch Joachim Gauck da, der in der zweiten Hälfte der Sendung, in der er mit den Gästen diskutieren soll, interessiert zuhört. Gauck erklärt den Erfolg der in Teilen rechtsextremen AfD in Ostdeutschland mit der Tatsache, dass die ostdeutsche Gesellschaft 57 Jahre lang nicht die Möglichkeit hatte, in einer echten Demokratie zu leben. Die westdeutschen Wahlerfolge der AfD erklärt das natürlich nicht. Immerhin hat Gauck erkannt: "Das Problem, um das es hier geht, ist der Verlust von Vertrauen." Und: "Natürlich gibt es etliche Fehler, die kann man immer anhäufen, aber eigentlich gibt es auch noch ein paar Vorteile."

Am Ende bleibt eine Anekdote

Ein Vorteil der Show ist, dass Gauck zu Beginn alleine reden darf. Da geht es um den Krieg im Iran. Gauck fände es richtig, wenn Deutschland dabei helfen würde, die Straße von Hormus zu verteidigen, wie US-Präsident Donald Trump es jetzt fordert. Und er kommt auf die komplizierte Frage des Völkerrechts zu sprechen. "Ich kann verstehen, dass es Sinn macht, Diktatoren zu beseitigen", sagt er.

Den Angriff der USA auf den Iran kann Gauck nicht gänzlich verurteilen. "Es geht ein Riss durch mich selber. Ich sehe die Not dieser leidenden Menschen, die über Jahrzehnte unterdrückt sind", stellt er klar. "Und ich möchte, dass das sich ändert. Und wenn ich aus dieser Perspektive schaue, dann finde ich es angemessen, dass man ihnen von außen hilft. Deshalb ist meine Kritik eine gebremste Kritik. Ich sehe, wohin wir geraten, wenn wir das Völkerrecht völlig preisgeben. Wir leben aber in einer Zeit, wo das Völkerrecht den Schutz des Lebens vieler nicht mehr garantiert."

Zwischendurch erzählt Gauck noch eine Anekdote: Er habe den russischen Präsidenten Wladimir Putin 2012 getroffen, als der zu einem Staatsbesuch in Deutschland war. Dabei habe er den Kremlchef auf seine Spionagetätigkeit für den russischen Geheimdienst KGB in der DDR angesprochen. Putin habe kaum reagiert. "Er lächelte putinesk", so Gauck. Das Studiopublikum quittierte die Geschichte mit sichtbarem Amüsement.

Und am Ende ist diese Anekdote vielleicht das, was von der Sendung am stärksten in Erinnerung bleiben wird. Denn wirkliche neue Erkenntnisse hat sie nicht gebracht.

Quelle: teleschau – der mediendienst