Druckartikel: "Milchmädchenrechnung": Richard David Precht redet sich wegen Debatte über die Rente mit 63 in Rage

"Milchmädchenrechnung": Richard David Precht redet sich wegen Debatte über die Rente mit 63 in Rage


Autor: Gianluca Reucher

, Freitag, 28. August 2026

Richard David Precht hat sich in der neusten Folge des Podcasts "Lanz + Precht" über die geplante Rentenreform ausgelassen. Dabei ärgerte ihn vor allem die Diskussion über das Aus der Rente mit 63.


Die geplante Rentenreform der Regierung wird weiterhin heiß diskutiert. Vor allem das Aus der Rente mit 63 schlägt hohe Wellen und sorgt auch innerhalb der CDU selbst für Spannungen. In der neusten Folge des Podcasts "Lanz + Precht" äußert Richard David Precht eine klare Meinung zu der Debatte.

"Ich halte die Diskussion über die Rente mit 63 für eine der unsinnigsten, die wir überhaupt in diesem Land führen", sagt der Autor und erklärt auf Nachfrage von Markus Lanz, dass es sich bei der Annahme, dass wir "aus demografischen Gründen und weil wir alle immer älter werden" in Zukunft auch länger arbeiten müssten, um eine "Milchmädchenrechnung" handele. Diese würde "von Voraussetzungen ausgehen, die nicht gegeben sind", so Precht.

"Die trauen sich nicht, das Rentensystem zu verändern, und zwingen die Leute, länger zu arbeiten"

Laut des TV-Philosophen sei das "Scheinlogik". Schließlich würde der technische Fortschritt seiner Meinung nach dafür sorgen, "dass das Arbeitsvolumen abnimmt". Diese Entwicklung werde durch die Künstliche Intelligenz noch mal bestärkt, glaubt der 61-Jährige, der überzeugt ist: "Mittelfristig gesehen werden wir alle weniger arbeiten müssen."

Schon jetzt würden wir gar nicht mehr "die reale Stundenzahl" arbeiten und deutlich eher in Rente gehen, führt Precht aus. "Das ist alles eine wahnsinnig positive Entwicklung." Dass nun aber länger gearbeitet werden soll, liege ihm zufolge daran, "dass wir unser Rentensystem weiter bezahlen sollen, von dem ich meine, dass es komplett neu erfunden gehört". Mit "wirtschaftlicher Produktivität" hätte das nichts zu tun, meint Precht.

"Und was daran sowieso so idiotisch ist: Dahinter steht die Unterstellung, dass die Wirtschaft das will", berichtet der Podcaster von seiner Beobachtung, dass die Unternehmen selbst qualifizierte Arbeitskräfte über 60 nicht mehr haben wollen. "Das sind gut qualifizierte Leute, aber die verdienen auch viel", so Precht. "Die sind auch nicht mehr genug KI-affin. Die können die für die zukünftigen Umstrukturierungen in ihren Unternehmen auch gar nicht gebrauchen, müssen die aber viel zu hoch bezahlen."

Precht fasst zusammen: "Die trauen sich nicht da ranzugehen, das Rentensystem zu verändern, und zwingen deswegen die Leute dazu, länger zu arbeiten, gegen den Trend, dass in Zukunft, insbesondere durch KI, das Arbeitsvolumen sowieso für die Menschen kleiner wird."

Die ganze Episode von "Lanz + Precht" gibt es unter anderem auf Spotify und Apple Podcasts sowie als Video-Podcast im YouTube-Kanal des ZDF.

Quelle: teleschau – der mediendienst