Michl verbringt 15 Stunden täglich vorm Bildschirm: "Kann sein, dass ich eine Woche lang nichts sage"
Autor: Julian Weinberger
, Montag, 06. Juli 2026
Ein Urlaub oder sich "wieder ordentlich ernähren", das würde sich Michl wünschen. Doch seine Realität sieht anders aus: 15 Stunden Bildschirmzeit täglich. Für eine TV-Doku gibt der Berliner nun Einblick in seinen Alltag.
Drei große Computer-Bildschirme, dazu eine Leinwand fürs Heimkino und natürlich das Smartphone: Bildschirme sind für Michl sein Alltag - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Mindestens 15 Stunden am Tag verbringt der Berliner täglich vor dem Bildschirm. "Ich weiß nicht, ob ich ohne diese Auslastung im Gehirn klarkommen würde", sagt er in der ARD-Doku "Y-Kollektiv: Raus aus der Mediensucht - aber wie?" (ab sofort in der ARD-Mediathek). Filme in seinem Zimmer schaut er sich mit mindestens einem Handy in der Hand an, teilweise hantiert er sogar parallel an zwei Smartphones.
"Sich an den Sandstrand legen und einfach nur sein - das könnte ich nicht. Da würde ich durchdrehen", gesteht er Filmemacherin Helena Brinkmann in der halbstündigen Doku. Neben seiner Teilzeitstelle im Home-Office widmet er seine ganze Zeit seinem Hobby: Rezensionen für Kinofilme schreiben, unbezahlt. Dafür geht er in bis zu 20 Filme in der Woche. "Ich bin schon längst über den Punkt hinweg", sagt Michl über die Gefahr eines Burnouts.
Sein Leben sei "erfüllend", betont der Berliner zwar, schiebt aber nach: "Ich würde gerne mal einen klassischen Urlaub machen oder mich ordentlich ernähren." Doch die Realität mit wenigen sozialen Kontakten sieht anders aus: "Es kann passieren, dass ich hier eine Woche sitze und gar nichts sage." Zugang zu seinen eigenen Emotionen hat Michl ohnehin wenig. Seinen Gefühlen geht er lieber aus dem Weg; "Es ist ein Grund, warum ich so viel arbeite."
"Ich war nicht bei der Abiparty, ich habe gezockt"
Eddy, der in Wahrheit anders heißt, will diesem Teufelskreis entkommen. Er hat eine diagnostizierte Mediensucht, kämpft aber mittels einer Therapie in einer brandenburgischen Klinik aktiv dagegen an. "Ich war nicht bei der Abiparty, ich habe gezockt", blickt er im ARD-Film auf das Ende seiner Schulzeit zurück. Die letzten Hemmungen fielen nach dem Auszug von seinen Eltern: "Ich habe so viel gezockt wie ging."
Nachdem er im ersten Uni-Semester durch alle Prüfungen rasselte, sei er am "tiefsten Moment" gewesen. "Wenig Körperpflege, dreckiges Zimmer, ewig nicht rausgekommen", beschreibt er seinen damaligen Alltag in der Doku. Er vermutet, er habe im Gaming eine Parallelwelt geschaffen, um negative Gefühle zu verdrängen und sich etwa von erlebtem Mobbing zu distanzieren. "Ich war lange einsam. Dann macht man Computer an und plötzlich ist es gar nicht mehr so schlimm", sagt Eddy.
Mit der Zeit habe alles überhandgenommen. Familie und Freunde belog Eddy, gaukelte seiner Freundin vor, in der Uni zu sein, obwohl er nur in der Bibliothek zockte. Doch irgendwann rückte er mit der Wahrheit heraus und begann eine Therapie: "Das war ein absoluter Befreiungsschlag." Trotzdem gibt Eddy zu, es sei ein "surrealer" Moment gewesen, sich in die Klinik zu begeben: "Hurra, jetzt bist du in der Klapse!"
Quelle: teleschau – der mediendienst