"Wie ein Engel": So sah der "King of Pop" die Kinder auf der Neverland Ranch
Autor: Teleschau
, Donnerstag, 02. Juli 2026
Monster oder unschuldiger Sonderling? Eine umfangreiche neue Dokureihe rollt im ZDF-Nachtprogramm den "Jahrhundertprozess" gegen Michael Jackson neu auf. Der besondere Mehrwert liegt in zuvor unveröffentlichten Audio-Interviews des einstigen "King of Pop".
Was hat Michael Jackson mit den Kindern gemacht oder eben nicht gemacht? Was geschah wirklich auf der Neverland Ranch? 17 Jahre nach dem Tod des einstigen "King of Pop" dürfte kaum noch jemand auf endgültige Antworten oder irgendeine Form von finaler Wahrheit hoffen. Auch deshalb, weil es Jahr für Jahr neue Entwicklungen in der Angelegenheit zu geben scheint, mit immer neuen Artikeln, Filmen und Wortmeldungen, die oft in ganz unterschiedliche, teils gegensätzliche Richtungen deuten. Einer der aktuellsten und umfangreichsten Beiträge läuft nun spätnachts im ZDF - mit exklusiven, zuvor unveröffentlichten O-Tönen von Michael Jackson selbst.
Im April 2026 startete weltweit der Film "Michael" von Regisseur Antoine Fuqua in den Kinos. Das Biopic wurde zu einem großen finanziellen Erfolg, doch viele Kritiker bemängelten, dass die Missbrauchsvorwürfe gegen Michael Jackson komplett ausgespart wurden (angeblich aufgrund juristischer Auflagen). Umso mehr fokussiert sich die britische Dokureihe "Michael Jackson - Der Jahrhundertprozess" auf dieses düstere, schwer greifbare Thema, das die Karriere des Popstars schon ab den frühen 90er-Jahren überschattete.
Die Serie, die kürzlich schon bei ZDFinfo ausgestrahlt wurde und jetzt im Hauptprogramm landet, rollt nicht nur die Anschuldigungen gegen Jackson vollumfänglich neu auf, sondern das ganze Drama seines Lebens, das 2009 mit einer Überdosis Propofol endete. Vier Episoden von je 45 Minuten, drei Stunden insgesamt (auch in der Mediathek abrufbar): Es wird da weit ausgeholt, aber anders geht es auch nicht in dieser übergroßen True-Crime-Pop-Tragödie.
Jackson über zehnjährigen Gavin Arvizo: "Er ist etwas Besonderes"
Die schwere Kindheit des späteren Megastars, die Medikamentensucht, die verstörenden Bilder mit Baby "Blanket" am Fenster eines Berliner Hotels, die ersten Missbrauchsvorwürfe in den frühen 90er-Jahren und dann schließlich der große Prozess 2005, das Kernstück der Dokumentation: Vieles davon, was in "Michael Jackson - Der Jahrhundertprozess" zu sehen ist, kennt man bereits aus denselben oder ähnlichen Blickwinkeln. Es sprechen alte Freunde, Wegbegleiter, Angestellte. Was man bislang allerdings nicht kannte, sind viele der O-Töne von Michael Jackson, die Regisseurin und Produzentin Gillian Pachter immer wieder in ihren Vierteiler einstreut.
Die zuvor unveröffentlichten Audio-Interviews entstanden in den Jahren 2000 und 2001, also kurz vor dem "Jahrhundertprozess" von 2005, bei dem Jackson sich wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch verantworten musste. Jackson befand sich zur damaligen Zeit in einer schweren Krise, künstlerisch wie persönlich, und er lebte längst in einer selbst errichteten Seifenblasenwelt voller Ja-Sager. Diese Jahre um die Jahrtausendwende, so scheint es heute, waren die, in denen er endgültig den Bezug zur Realität verlor.
Jackson spricht in den Interview-Schnipseln davon, mit welcher Vision er irgendwo im kalifornischen Hinterland Neverland baute - dem Ort nachempfunden, an den Peter Pan die verlorenen Kinder bringt, auf dass sie nie erwachsen werden müssen. Er spricht auch über Gavin Arvizo, einen damals zehnjährigen, schwer krebskranken Jungen aus ärmlichen Verhältnissen. Michael Jackson lernte Gavin im Jahr 2000 kennen und lud ihn mehrfach ein, auf der Neverland Ranch zu übernachten, wo die beiden manchmal im selben Bett schliefen. "Er ist etwas Besonderes", schwärmt Jackson von dem Jungen, "wie ein Engel". Spricht hier ein Monster? Oder ein naiver, bemitleidenswerter Sonderling, der selbst noch mehr Kind als Erwachsener ist und niemandem etwas zuleide tun könnte? Die Doku überlässt es dem Publikum, sich eine Meinung zu bilden.
Michael Jackson - Der Jahrhundert-Prozess - Mi. 08.07. - ZDF: 00.45 Uhr