"Alt gegen Jung: Wer ist hier verwöhnt?", fragt Mitri Sirin in einer neuen "Am Puls"-Reportage des ZDF. Höchst unterschiedliche Antworten geben unter anderem ein Content Creator, ein Tiefbau-Unternehmer und Frührentner auf Motorrad-Ausflug.
Julian Kamps ist Content Creator und darauf aus, dass seine Videos oft geklickt werden. Das hat im Herbst des vergangenen Jahres fast zu gut geklappt. Vier Millionen Aufrufe hatte sein Clip, in dem er sich über seinen damals neuen Vollzeit-Job beklagte: "Wir haben jetzt 18.41 Uhr. Ich hab' das Haus um 7.30 Uhr verlassen. Ich bin jetzt gerade kurz vor meiner Haustür. Ihr wollt mir doch nicht sagen, dass das das Leben ist", hört man den Düsseldorfer im Video ächzen.
Mitri Sirin besucht den 26-Jährigen in seinem Wohnort am Rhein. Der "vielleicht meistgehasste Gen-Zler Deutschlands" erschien dem ZDF für eine neue "Am Puls"-Reportage über den Generationen-Streit ("Alt gegen Jung: Wer ist hier verwöhnt?") offenbar als ideale Konfliktprojektionsfläche. "Am Anfang waren die Leute ein bisschen auf meiner Seite", erinnert sich der modelnde Social-Media-Redakteur bei den Grünen vor der ZDF-Kamera. "Aber nach zwei Tagen habe ich so viele Hassnachrichten bekommen."
Mitri Sirin: "Das kleinste bisschen Stress ist euch schon zu viel"
Der Reporter hakt nach: "40-Stunden-Woche, was denkst du denn darüber?" - "War früher so, aber das heißt ja nicht, dass das immer noch so gut ist", kommt die gut vorbereitete Antwort. Die Welt habe sich verändert - und mit ihr das Bewusstsein der jungen Generation: "Wir legen nicht mehr so viel Wert auf arbeiten, Überstunden machen, alles aufgeben für den Job. Wir wollen ein bisschen mehr leben, Spaß haben, Freunde treffen, aber vielleicht auch mal ein Ehrenamt machen."
Sirin zitiert ein weit verbreitetes Gen-Z-Klischee: "Das kleinste bisschen Stress ist euch schon zu viel." Julian widerspricht: "Wir sind schon stressresistent. Aber wir sagen, was uns stört. Und damit haben manche Menschen vielleicht ein Problem." Er selbst versuche, acht bis zehn Videos am Tag zu produzieren. "Ist das nicht anstrengend?", zeigt der Journalist Mitgefühl. "Voll", bestätigt Julian. Sirin vergewissert sich: "Das meintest du mit Arbeit?" Aber ja: "Das ist Arbeit!"
"Ich hatte keine Lust, und dann lasse ich mich krankschreiben"
Vermutlich ein etwas anderes Bild von Arbeit hat Dieter Mießen. Der ist kaufmännischer Leiter eines Berliner Tiefbau-Unternehmens und hat erstens Probleme, Nachwuchs zu finden. Und zweitens Probleme mit dem Nachwuchs, der da ist. Sein ältester Mitarbeiter sei 70, sagt der Unternehmer in der Doku. "Der hat, glaube ich, in seinem gesamten Berufsleben nicht so viele krankheitsbedingte Fehltage gehabt wie Auszubildende innerhalb von drei Jahren."
"Sind die zu faul?", hakt Mitri Sirin nach. Sein Gegenüber gibt zu verstehen: "In persönlichen Gesprächen sagen mir die Auszubildenden: 'Ich hatte keine Lust, und dann lasse ich mich krankschreiben.' Das ist eine Situation, wo ich Puls bekomme." Doch nicht nur an der Einstellung mangele es, sondern auch am Bildungsniveau: "Wir wären ja froh, wenn uns das Bildungssystem Menschen liefert, die nach zehn Schuljahren den Unterschied zwischen einem Rechteck und einem Quadrat erklären können."
Dieter Mießen klingt vor der ZDF-Kamera etwas ratlos: "Wir haben eine sehr hohe Ausbildungsvergütung, wir haben 30 Tage Urlaub, und trotzdem reicht das nicht aus." Es werde viel von Work-Life-Balance gesprochen. "Aber das erste Wort in dem Begriff ist 'Work'."