"Mein Gott!" Im Sturzchaos behält deutscher Tour-Star kühlen Kopf - anders als der ARD-Reporter
Autor: Teleschau
, Mittwoch, 08. Juli 2026
Florian Naß hätte am liebsten selbst mit in die Pedale getreten. Aber die ganze Begeisterung des ARD-Kommentators half nichts - es klappte nicht mit dem ersten deutschen Etappensieg bei der Tour de France 2026. Aber - trotz Sturzchaos - mit dem besten Einzelergebnis bislang.
"Das wär 'ne Riesengeschichte", hoffte Florian Naß, als die Spitze des Pelotons auf die Zielgerade der fünften Etappe der Tour de France bog. "Mein Gott", keuchte der ARD-Kommentator. Aber am Ende reichte es nicht ganz. Trotz großartiger Mannschafts- und Sprintleistung wurde Max Kanter (27) aus Cottbus "nur" Zweiter. Es gewann der Niederländer Olaf Kooij vom Team Decathlon vor dem deutschen Sprinter des Teams Astana. Aber beide konnten auch froh sein, dass sie das Sturzchaos auf den letzten Kilometern der ansonsten eher ereignisarmen Flachetappe überhaupt unbeschadet überstanden.
Die Fahrer ahnten was. "Es war ziemlich nervös im Feld, es waren viele Inseln im Finale und da sind Stürze vorprogrammiert", sagte Max Kanter nach seinem Husarenritt. Von dem war auch ARD-Experte und Ex-Profi Florian Neuhaus "restlos begeistert". Er und Kommentator Naß fieberten mit, als Kanters Mannschaftskollegen zu dritt für ihren Sprinter "anfuhren". Sie machten es perfekt und Kanter schloss die gute Vorbereitung fast perfekt ab. Damit erreichte er bei seinem ersten Einsatz bei der Tour de France nicht nur sein persönlich bestes Ergebnis, sondern auch das beste eines deutschen Fahrers in diesem Jahr.
Kanter sah das Chaos im Finale der Etappe routiniert: "Man muss da auch mal den Kopf ausschalten, ehrlich gesagt. Und hoffen, dass alles gut geht."
Die 158,3 Kilometer lange Etappe von Lannemezanf nach Pau war als Flachetappe für ein Sprinter-Finale prädestiniert. Die Führenden in der Gesamtwertung und die großen Favoriten um Tadej Pogacar, Jonas Vingegaard, Paul Seixas und die deutsche Klassement-Hoffnung Florian Lipowitz hielten sich zurück.
Max Kanter holt das beste deutsche Ergebnis der diesjährigen Tour de France
Sechs Kilometer vor Schluss der Etappe zogen die Sprinterteams richtig an. Kurz vor der 5-Kilometer-Marke kam es zu einem Sturz, zwei Kilometer vor dem Ziel zu einem weiteren. Die vielen Kreisverkehre und Kurven brachten einige Sprintfavoriten aus dem Rhythmus - Kanter bog an vierter Stelle liegend nach der letzten Kurve auf die Zielgerade ein.
Im Schlussspurt musste er sich nur dem Niederländer Kooij beugen, ließ aber alle großen Favoriten auf den Tagessieg wie Tim Merlier (3.), Jasper Philipsen (5.), Biniam Girmay (6.) Mads Pettersen (7.) und Milan Fretin (8.) hinter sich. Pascal Ackermann (12., Team Jayco Alula) und Phil Bauhaus (198., Team Bahrain Victorious) an seinem 32. Geburtstag rundeten die gute deutsche Bilanz ab.
In der Gesamtwertung änderte sich nichts. Es führt weiter der Norweger Torsten Traeen. Für die großen Favoriten auf den Gesamtsieg war wichtig, dass sie in die Stürze im turbulenten Finale nicht verwickelt waren. Sie kamen alle - wohlbehalten - an der Spitze des Hauptfeldes und 14 Sekunden nach der um den Tagessieg sprintenden Gruppe ins Ziel. Bester Deutscher in der Gesamtwertung bleibt Florian Lipowitz auf Platz elf.