Druckartikel: "Man kann nicht sein ganzes Leben damit verbringen, anderen zu beweisen, dass man wertvoll ist"

"Man kann nicht sein ganzes Leben damit verbringen, anderen zu beweisen, dass man wertvoll ist"


Autor: Teleschau  

, Freitag, 16. Januar 2026

Mit der vierten Staffel von "Industry" kehrt eine Serie zurück, die weniger über Finanzmärkte erzählt als über Menschen, die sich selbst verlieren, während sie glauben, alles im Griff zu haben. Es geht um Macht, Ehrgeiz, Angst - und die Frage, was bleibt, wenn man aufhört zu funktionieren.


Für Myha'la, die seit der ersten Staffel die Rolle der Harper in "Industry" (jetzt bei Sky & WOW und HBO Max) spielt, war die Serien-Reise auch privat prägend. "Wir kamen alle mit massivem Impostor-Syndrom an dieses Set", sagt sie offen im Gespräch mit der Agentur teleschau. "Ich wusste lange nicht, ob ich überhaupt irgendetwas richtig mache."

Erst über die Jahre habe sich etwas verändert. "Selbstvertrauen wächst nicht plötzlich. Ich habe so lange so getan, als hätte ich es - bis ich genug Beweise hatte, dass es stimmt." Diese Erfahrung fließt direkt in ihre Arbeit ein. Gerade weil Harper eine Figur ist, die viele verurteilen, nähert sich Myha'la ihr bewusst ohne Urteil. "Meine Aufgabe ist es, ihre Menschlichkeit zu finden - auch dann, wenn ich ihre Entscheidungen selbst nicht gutheiße."

Auch Kiernan Shipka (bekannt aus "Mad Men" und "Chilling Adventures of Sabrina"), die neu zur Serie stößt, beschreibt ihren Einstieg weniger als Auftritt denn als Annäherung. "Man kommt als Fan der Serie - und arbeitet dann jeden Tag daran, ihr gerecht zu werden."

"Man kann nicht alles planen - man muss sich trauen, sich reinfallen zu lassen"

Für sie war "Industry" ein bewusster Schritt aus der Komfortzone. "Ich kam als Neuling in eine Welt, die schon perfekt eingespielt war", erzählt sie. "Ich war ehrlich gesagt erst mal komplett überwältigt." Erst nach und nach habe sie ihren Platz gefunden - auch über scheinbar banale Dinge. "Man kann viel analysieren, aber manchmal passiert es erst, wenn man etwas anzieht und plötzlich denkt: Jetzt verstehe ich sie." Dieser Moment sei für sie entscheidend gewesen. "Da hatte ich dieses Lichtschalter-Gefühl. Jetzt bin ich wirklich drin."

Auch persönlich habe sie das geprägt. "Man lernt, Kontrolle loszulassen. Man kann nicht alles planen - man muss sich trauen, sich hereinfallen zu lassen."

Einen ganz anderen, stilleren Blick bringt Ken Leung ein, der Eric Tao nicht als klassischen Machtmenschen liest. "Ich glaube nicht, dass Eric gegen den Zusammenbruch kämpft", sagt er. "Er versucht, einen Zugang zu seiner Tochter zu finden - und erkennt dabei, dass sie ihm in all den falschen Dingen ähnlicher wird, als ihm lieb ist." Für ihn sei Eric kein Mann der großen Selbsterkenntnis, sondern jemand, der gelernt hat, Schmerz zu verdrängen. "Er versteht Harper, weil sie dieselbe Sprache sprechen. Und genau das ist beunruhigend."

Was "Industry" so eindringlich macht, ist dieser permanente innere Druck: gesehen werden zu wollen, ernst genommen zu werden, zu funktionieren. Und irgendwann die Erkenntnis, dass all das nicht reicht. Oder, wie Myha'la es formuliert: "Man kann nicht sein ganzes Leben damit verbringen, anderen zu beweisen, dass man wertvoll ist." Irgendwann müsse diese Anerkennung von innen kommen - sonst zahle man einen hohen Preis.

'Industry' läuft mit Staffel vier bei Sky & WOW und HBO Max - und bleibt eine Serie, die nicht beruhigt, sondern entlarvt.

Quelle: teleschau – der mediendienst