Druckartikel: "Made in Italy"? ARD zeigt mit versteckten Kameras, wie unsere Kleidung wirklich produziert wird

"Made in Italy"? ARD zeigt mit versteckten Kameras, wie unsere Kleidung wirklich produziert wird


Autor: Gianluca Reucher

, Mittwoch, 05. August 2026

In der neuen Doku "Trügerische Etiketten - Chinas Modemafia in Europa" nimmt das ARD-Team die Mode-Etiketten mit der Aufschrift "Made in Italy" genauer unter die Lupe. Dabei wird klar: Hinter unserer Kleidung verbergen sich oftmals kriminelle Machenschaften.


Wo kommen die Klamotten, die wir täglich tragen, eigentlich her? Wie die neue ARD-Doku "Trügerische Etiketten - Chinas Modemafia in Europa" zeigt, steckt hinter zahlreichen Kleidungsstücken eine hochkriminelle Geschichte - und das betrifft längst nicht nur die Billigware aus China. Selbst hinter europäischen Etiketten verbirgt sich oft ein milliardenschweres Betrugsmodell.

Das ARD-Team geht aufgrund eines "Tipps" vor allem günstiger Mode nach, auf der "Made in Italy" steht. Was dabei schnell auffällt: Die italienische Stadt Prato taucht auf diesen Etiketten immer wieder auf. Also reisen die Journalisten des Senders in die zweitgrößte Stadt der Toskana - und machen beunruhigende Entdeckungen.

"In meiner ganzen Karriere habe ich noch nie eine solche kriminelle Situation erlebt"

In den letzten Jahren hat die Anzahl an chinesischen Bewohnern in Prato stark zugenommen, mittlerweile stellen sie rund ein Viertel der knapp 200.000 Einwohner reichen Bevölkerung, wie es in der Doku heißt. In hoher Anzahl fingen demnach viele von ihnen an, Betriebe aufzukaufen und darin selbst Kleidung herzustellen - mit aus China gelieferten Stoffen. Das eigentliche Qualitätsmerkmal "Made in Italy"? Unter diesen Umständen nicht mehr viel wert, wie der italienische Mode-Unternehmer Claudio erklärt.

"Das Wichtigste für sie ist, das Markenzeichen 'Made in Italy' zu nutzen, aber mit billigen chinesischen Produktionsmethoden und Stoffen. So können sie hier sehr billig produzieren und es als 'Made in Italy' deklarieren", sorgt sich Claudio in der ARD-Story um das Image der italienischen Mode.

Und tatsächlich: Mit versteckten Kameras entdeckt das ARD-Team chinesische Sweatshops, wie sie eigentlich nur aus Asien bekannt sind. Also Betriebe, in denen Menschen unter extrem schlechten Bedingungen arbeiten. "Chinesische Kriminelle sitzen hier direkt in der Geschäftsführung von Unternehmen", so der bekannte italienische Staatsanwalt Luca Tescaroli, der nur zu gut weiß, was sich dahinter verbirgt: die chinesische Mafia. Zu deren Bekämpfung wurde er extra nach Prato versetzt und sagt: "In meiner ganzen Karriere habe ich noch nie eine solche kriminelle Situation erlebt wie hier in der Region."

In dem Film wird klar, dass sich Kleidungsstücke, hinter denen hochkriminelle Machenschaften stecken, überall finden lassen - auch, wenn europäische Etiketten dranhängen. Journalist und Autor Stefano Liberti fasst am Ende der ARD-Doku zusammen: "Wir kaufen ein T-Shirt und haben keine Ahnung, woher es stammt. Wir wissen gar nichts darüber. Aber wenn wir sehen, dass es Menschen gibt, die zwölf Stunden am Tag für vielleicht 30 Euro arbeiten, sieben Tage die Woche, dann sollten wir uns nicht mehr wundern, warum das T-Shirt nur zehn Euro kostet. Jemand anderes bezahlt den Preis, den du nicht bezahlst."

Die komplette Doku "Trügerische Etiketten - Chinas Modemafia in Europa" wird am Mittwoch, 5. August, um 22.50 Uhr im Ersten ausgestrahlt und ist bereits jetzt in der ARD-Mediathek verfügbar.

Quelle: teleschau – der mediendienst