Druckartikel: Linken-Politiker Dietmar Bartsch zieht bei Lanz gegen Sven Schulze vom Leder: "Wird das nicht überleben"

Linken-Politiker Dietmar Bartsch zieht bei Lanz gegen Sven Schulze vom Leder: "Wird das nicht überleben"


Autor: Natascha Wittmann

, Donnerstag, 20. August 2026

Bei "Markus Lanz" rechnete Linken-Politiker Dietmar Bartsch mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze ab. Mit Blick auf die drohenden Verluste der CDU und den AfD-Druck wurde Bartsch ungewöhnlich scharf und prophezeite: "In der Union wird er das nicht überleben."


Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Ein Termin, der in Berlin für Nervosität sorgt. Denn sollte die AfD am Ende tatsächlich eine absolute Mehrheit holen, wäre das nicht nur ein Paukenschlag im Osten, sondern ein politisches Signal mit bundesweiter Wirkung.

Nach den jüngsten Umfragen liegt die regierende CDU deutlich zurück, rund 18 Prozentpunkte hinter der AfD. Bei "Markus Lanz" wurde deshalb nicht nur über mögliche Koalitionsszenarien gesprochen, sondern auch über die Frage, wie die Union mit ihrem Unvereinbarkeitsbeschluss umgehen will. Linken-Politiker Dietmar Bartsch nutzte die Sendung am Mittwochabend, um scharf gegen Sachsen-Anhalts CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze auszuteilen.

Lanz wollte jedoch zunächst wissen: "Was wird da passieren, wenn die AfD nicht die absolute Mehrheit erreichen sollte? Was kommt dann als Zerreißprobe auf die CDU zu?" Dabei kam zwangsweise der Unvereinbarkeitsbeschluss der Union zur Sprache. Ein Punkt, der Bartsch sichtbar aufbrachte: "Dieser jetzige Unvereinbarkeitsbeschluss ist großer Unsinn. (...) Dieser Unvereinbarkeitsbeschluss ist eine Fiktion, eine Berliner Fiktion!"

Vor allem Ministerpräsident Sven Schulze bekam Bartschs Ärger ab. Der Linken-Politiker stichelte konkret: "Den muss man sich nicht mehr merken, das sage ich Ihnen mal voraus!" Als Lanz sichtlich überrascht reagierte, sagte Bartsch weiter: "Ich mag eigentlich kluge Leute." Der ZDF-Moderator lachte und zog die Pointe: "Sie halten ihn für doof!"

Markus Lanz reagiert überrascht: "Herr Bartsch, so kenne ich Sie gar nicht"

Dietmar Bartsch blieb daraufhin zwar spöttisch, sagte aber auch mit ernster Miene: "Er sollte sich seine Landesverfassung mal anschauen! Sven Schulze ist Ministerpräsident nicht durch eine Wahl geworden, sondern weil Herr Haseloff ihm das Amt übergeben hat." Der Linken-Politiker legte nach: "In der Union wird er das nicht überleben - und das ist auch gut so. Weil jemand, der so viel verliert, der kann doch nicht ernsthaft als Ministerpräsident kandidieren!" Lanz wunderte sich über den Tonfall: "Was ist das persönliche Ding da zwischen Ihnen? Herr Bartsch, so kenne ich Sie gar nicht! (...) Irgendwas macht dieser Mann mit Ihnen!"

Dietmar Bartsch erklärte daraufhin offen, was ihn umtreibt: "Mir geht diese Arroganz auf den Keks. Jemand, der 15 Prozent verlieren wird und dann sagt, ich werde mich nicht wählen lassen! (...) Wenn man über zehn Prozent verliert, ist man nicht in einer Situation, dass man sagt, ich lasse mich von dem oder dem nicht wählen." Zum Schluss stellte Bartsch klar: "Wir haben keinen Unvereinbarkeitsbeschluss, weil wir keinen brauchen. Weil bei uns weiß man, dass die Differenzen zur Union gewaltig sind!"

Linken-Politiker Dietmar Bartsch: "Ich werfe keine Nebelkerzen"

Auch der Anschlag auf den Berliner CSD war bei "Markus Lanz" Thema. Journalist Florian Flade warnte in dem Zusammenhang: "Diese islamistische Gefahr ist in den vergangenen Jahren systematisch unterschätzt worden". Islam-Experte Eren Güvercin stimmte zu und beschrieb, wie Extremisten demokratische Freiheiten ausnutzen: "Sie nutzen natürlich die Freiheiten, die man in einer westlichen, liberalen Demokratie hat (...): Meinungsfreiheit, Demonstrationsfreiheit."

Gleichzeitig kritisierte Güvercin die Debattenlage: Die Politik rede zu oft "über die falschen Themen", denn: "Islamisten denken immer langfristig, sie arbeiten langfristig." Abschiebungen seien zwar nötig, doch, so Güvercin, "wir müssen (...) viel, viel früher ansetzen". Seine Diagnose fiel grundsätzlich aus: "Man erlebt ja immer wieder dieselben Muster im politischen Diskurs nach islamistischen Anschlägen. Nach ein bis zwei Wochen ist das Thema wieder passé und dann kommt irgendwann der nächste Anschlag. (...) Wir als Gesellschaft insgesamt müssen uns (...) viel ernsthafter damit auseinandersetzen, warum wir diese jungen Menschen nicht mit den Werten unserer Gesellschaft überzeugen können!"

Lanz wollte daraufhin von Dietmar Bartsch wissen, ob es im linken Spektrum einen blinden Fleck gebe. Bartsch verneinte dies und verurteilte die Tat in Berlin deutlich: "Ich finde es richtig, dass wir uns von derartigen Idioten (...) die Freiheit (...) nicht nehmen lassen." Gleichzeitig lenkte er den Blick auf strukturelle Probleme: "Wir haben (...) bei Staatsanwälten und Richtern eine Unterbesetzung. Es gibt so viele Verfahren, die überhaupt nicht mehr bis zu Ende geführt werden."

Lanz reagierte irritiert: "Sie werfen jetzt auch gerade Nebelkerzen." Bartsch hielt jedoch prompt dagegen und sagte: "Nein, ich werfe keine Nebelkerzen." Er bekräftigte abschließend: "Ich finde, dass Islamismus - Salafismus in besonderer Weise - inakzeptabel ist und bleibt. Das ist eine Form der Radikalisierung, die wir in Deutschland (...) nicht akzeptieren dürfen."

Quelle: teleschau – der mediendienst